Der Stamm der Coquille (ausgesprochen KO-kwell) in Oregon an der Westküste der USA hat beschlossen, die Ehe für lesbische und schwule Paare zu öffnen. Möglich ist das, weil die Stämme, die im Territorium der heutigen USA leben, einen besonderen Autonomie-Status haben.
Sie können daher eigene Gesetze erlassen – unter anderem das Recht für Lesben und Schwule, rechtskräftige Ehen einzugehen, auch wenn dies im US-Bundesstaat Oregon verboten ist.
Kitzen und Jeni Branting leben schon lange in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und im nächsten Mai werden sie heiraten.
Kitzen Branting gehört zum Coquille Stamm. Dieser hat gerade ein Gesetz beschlossen, nach dem zwei Frauen oder zwei Männer heiraten dürfen, wenn mindestens eine Partnerin oder ein Partner dem Stamm angehört. Kitzens künftige Ehefrau Jeni wird dann alle Rechte einer Coquille besitzen.
Foto rechts:
Kitzen und Jeni Branting,
The Oregonian
Für Kitzen war es wichtig, sagte sie, dass der Stamm sie, ihre Lebensweise und ihre Partnerschaft als gleichwertig ansieht und dass ihre Partnerin die gleichen Rechte hat wie in heterosexuellen Ehen.
Fachmann für lesbisch-schwule indianische Ehen ist Brian Gilley, Professor für Anthropologie an der Universität Vermont. Er hat ein Buch über Homo-Identität in indianischen Gesellschaften, veröffentlicht, „Becoming Two-Spirit: Gay Identity and Social Acceptance in Indian Country„.
Viele Stämme der Amerikanischen Urbevölkerung akzeptieren gleichgeschlechtliche Lebensweisen – jedoch nicht alle. Nachdem vor einigen Jahren eiun lesbisches Paar unter nicht ganz eindeutigem Cherokee Recht in Oklahoma geheiratet hatte, verbot der Stamm die Homo-Ehe explizit.
Pikant an der Entscheidung der Conquille ist ihr Status. Der Stamm ist nicht auf Oregon beschränkt, sondern hat föderalen Status. Daher könnte dieser Fall ein Prüfstein dafür sein, wie ernst es der Regierung der USA tatsächlich mit der Autonomie der Stämme ist.
Ken Tanner aus Ashland, Häuptling der Coquille, sagt, dass US-Ureinwohner*nnen sehr sensibel sind, wenn es um Diskriminierung jeder Art geht.

Das neue Gesetz wird erst in Kraft treten, wenn entsprechende Regelungen zum Kindesunterhalt und zu Scheidungen verabschiedet sind – voraussichtlich im kommenden Jahr.

So lange genießen Jeni und Kitzen Branding jedoch bereits alle Privilegien für Eheleute, da der Stamm ihre Lebenspartnerschaft als gleichwertig mit einer Ehe anerkennt.
Foto links:
Regenbogen in Coquille Point,
Bandon, Oregon
Mehr, weiter und auch noch interessant:
Buch:
  • Gilley, B.J. Becoming Two-Spirit: Gay Identity and Social Acceptance in Indian Country (2006) University of Nebraska Press.
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