Mary Beth Maxwell könnte Arbeitsministerin in Barack Obamas Kabinett werden. (L-talk berichtete)

Fast täglich dringt die eine oder andere Personalie durch, und je näher der Tag der Amtseinführung rückt desto spannender ist es. Zumal Barack Obama sicher sein Regierungsteam zusammengestellt haben will – rechtzeitig vor dem großen Tag.

Nun kommt dem Arbeitsministerium mitten in einer Wirtschaftskrise herausragende Bedeutung zu – und das Risiko ist groß, echten oder vermeintlichen Sachzwängen wirtschaftsnah nachzugeben: Neoliberale Ideen erleben eine neue Renaissance. Wäre da nicht die Hoffnung auf Wechsel, Change. Und gäbe es da nicht eine ganz außergewöhnliche Kandidatin.

Bürgerrechtlerin, Aktivistin für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Katholikin, Netzwerkerin, Lesbe und alleinstehende Mutter eines afroamerikanischen Adoptivsohns: Stichworte zu Mary Beth Maxwell lesen sich wie ein One-Woman-Diversity-Programm.

Was für eine Frau ist sie, die all diese Labels souverän vereinigt?

Maxwell war 2003 Gründungsmitglied und ist seitdem Geschäftsführerin von American Rights at Work, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt. Der Vorsitzende dieser Gruppe, der frühere demokratische Abgeordnete David Bonior, hat sich bei Barack Obamas Übergangs-Team für sie stark gemacht: „Sie wäre ein strahlender Stern in der Verwaltung“, sagte Bonior, der selbst für das Arbeitsministerium im Gespräch gewesen sein soll, dem NationalJournal.com zu Folge. Besonders warb er für Maxwells kommunikative Fähigkeiten und ihre besondere Vernetzungskompetenz – auch und gerade als alleinstehende lesbische Frau.

Ihre sexuelle Orientierung könnte den Ausschlag bei der Entscheidung geben, so Bonior. „Es hängt alles davon ab, welche Richtung sie in Bezug auf Vielfalt einschlagen“, sagte er und machte darauf aufmerksam, dass Schwule und Lesben einen „wichtigen Anteil“ an Obamas Wahlsieg hatten. „Personen auf höchster Ebene“ des Obama-Teams „haben eine sehr hohe Meinung von ihr“.

Das Wall Street Journal kommentiert:

Für das Regenbogenkabinett des ersten afroamerikanischen Präsidenten ist Mary Beth Maxwell die perfekte Arbeitsministerin, von der Sie vermutlich noch nie gehört haben: eine lesbische Frau, Sozialarbeiterin und Arbeiterführerin mit einem adoptierten afroamerikanischen Sohn. Und diese Mitbegründerin und Geschäftsführerin von American Rights at Work steht kurz davor, einen Durchmarsch zu schaffen.

Roger Smith, Gründer des Forschungsunternehmens Global Media Intelligence, Journalist und Versicherungsunternehmer, macht sich in einem Beitrag in der Huffington Post für Mary Beth Maxwell stark:

Sie ist eine explizite Verfechterin der Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.
Mit Mary Beth teile ich die Vision, dass eine robuste Mittelschicht mit gemeinschaftlichem Wohlstand gut für Amerika ist. Ich bin sicher, dass wir darin übereinstimmen, dass es einen Politikwechsel geben muss, weg von sinkenden Realeinkommen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
(…) Ich unterstütze Mary Beth Maxwell, weil sie eine treibende Kraft bei der Vernetzung verantwortungsvoller Unternehmensführungen, Arbeiterinnen, Arbeitern und gesellschaftlichen Kräften war, als es darum ging, die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stützen. Sie bringt großes Urteilsvermögen mit und kann dem Arbeitsministerium den authentischen Wechsel ermöglichen, den es benötigt.

Maxwell gehört zu einer Reihe potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten, die von einem Präsidentschaftsprojekt des Gay and Lesbian Victory Fund zusammengestellt wurden, sagte ein Sprecher der Gruppe. Mehr als 1.400 Bewerbungen seien seit Januar zusammengetragen worden. „Wir wollen sicherstellen, dass wir dem Übergangs-Team jede Chance eröffnen, aus einer Vielzahl qualifizierter Bewerberinnen und Bewerber zu wählen“, sagte der Sprecher. (Quelle: NationalJournal.com, 10.12.2008)

Ihre Qualifikation, Souveränität und Parteilichkeit für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern spricht Mary Beth Maxwell niemand ab. Sie sagt sehr deutlich, wo sie steht und wofür sie steht – und sie setzt auf Verbindendes:

Das amerikanische Volk ist das alte Konflikte schüren und die Angstmacherei leid. Sie wollen, dass wir uns an einen Tisch setzen, miteinander reden und echte Lösungen finden, damit unsere Wirtschaft stark wird und wächst und wir in Arbeitnehmerfamilien investieren können – beginnend mit dem „Employee Free Choice Act“ (Gewerkschaftsfreiheit).
(Maxwell anlässlich der Verleihung des American Rights at Work Preises am 24. Juni 2008, aus: New York Times, 11.12.2008)

Am 14. September 2006 sprach Maxwell bei dem öffentlichen Forum „Warum kann Amerika keine Menschenrechte haben?“ („Why Can’t America Have Human Rights?“) in der Riverside Kirche in New York City. Die Veranstaltung, gemeinschaftlich auf die Beine gestellt von 70 Organisationen, zog 600 Interessentinnen und Interessenten an. Rednerinnen und Redner waren sich einig, dass es nötig ist, gegen Missbrauch aufzustehen und die dringend benötigte Menschenrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten zu gründen. Wer Mary Beth Maxwell erlebt hat, weiß: Diese Frau steht für die Rechte von Schwächeren ein.

Hier die Rede von Mary Beth Maxwell, dokumentiert von breakthrough.tv:

UPDATE 12.12.2008

Mary Beth Maxwell wurde am 22. Mai 1965 in Omaha geboren. Sie machte ihren Abschluss in Englisch, Philosophie und Politikwissenschaft an der Marquette Universität. Die aktive Katholikin sagt von sich:

Ich bin eine Person, die verschiedene Dinge überbrückt. Ich bin lesbisch und ich möchte, dass mein kleiner Sohn zur Kirche geht.
(Quelle: New York Times, 11.12.2008)

Links und Quellen: