Ist schon bitter, wenn eine nicht mal zur Werbungs-Zielgruppe taugt. Sind wir etwa nicht lesbisch genug um einzukaufen? PROTEST!!! Schwule Werbung gibt’s ja immer öfter – jedenfalls international. Also hierzulande eher mit so Schwiegersohn-Klischees, aber andere sind da ja mutiger. Schaut mal diese coole Levis 501 Werbung für Jungs an:

Und ich dachte immer Levis 501 seien *die* Lesben-Jeans. Also, wenn da nicht ein blonder Kerl auftauchte, sondern beispielsweise Jenny Shimizu (links) … die wär so meine Idee von einer Idealbesetzung für eine der Rollen. Vielleicht gleich zusammen mit Madonna? Dann entfiele das Problem mit dem Jugendwahn. Außerdem sehen Jeans an Jenny Shimizu immer aus, als seien sie extra für sie erfunden worden. Und Madonna trägt ganz andere Jeans-Arten, das wär‘ für Levis ein Doppelgeschäft.


Daniela Sea (die Max in The L-Word spielt) wär‘ auch sehr, sehr cool. Daniela kann ja auch ganz gut Jeans tragen, außerdem ist sie mit Bitch zusammen, die nie Jeans trägt, so dass gleich gezeigt werden könnte, wie eine souverän geschleppte very used look Jeans die Frau an ihrer Seite ziert. (rechts, beim Toronto Filmfest)

Vermutlich wäre die Folge leider nicht etwa, dass Lesben begeistert diese Produkte kaufen würden.
Prognose (gesetzt, Levis hätte Werbung mit Lesben in Deutschland laufen):
Es würde Proteste hageln. Von Lesben. Wenn die dargestellten Lesben super aussehen würden wegen sexualisierter Darstellung, wenn sie bewusst Anti-modisch erscheinen würden wegen diskriminierender Darstellung, wenn sie irgendwie androgyn und/oder feminin wären wegen stereotyper Darstellung, wenn sie dünn wären wegen Gefahr ansteckender Magersucht und wenn sie dick wären wegen der Bedienung von Vorurteilen. Außerdem noch, weil lesbisch sein als etwas Besonderes dargestellt würde und nicht als ganz normal, weil der Spot nicht ganz präzis die Realität darstellen würde (im Gegensatz zu allen anderen Werbespots selbstredend) und weil es ganz allgemein angeblich keine lesbische Mode gibt und weil es letztlich diskriminierend ist, wenn künftig jede 501-Trägerin für lesbisch gehalten wird (wobei letzteres in schöner Naivität verkennt, dass das jetzt auch schon so ist).
Also in etwa die Vorwürfe, die sich auch L.mag Macherin Manuela Kay zu jeder Ausgabe anhören muss, fast egal, um welches Thema es geht.
In der Nähe von Frankfurt hat sich sogar eine auf „Gay Marketing“ spezialisierte Werbeagentur etabliert, Communigayte, die viel schwule Werbung entwirft und einige lesbische. Der Geschäftsführer der Kölner Agentur Gofelix, die vor einigen Jahren eine repräsentative Studie zu schwulen Konsumenten machte, Holger Linde, sagt, es gibt durchaus Gemeinsamkeiten, die einen Großteil der Schwulen verbinden. So sind der Gofelix-Studie zufolge viele überdurchschnittlich an Mode, Fitness und gesunder Ernährung interessiert und bereit, dafür auch mehr Geld hinzulegen als Heteros.
Jeff Wahl, Gründer von Communigayte, sagt,

„Schwule wollen als Zielgruppe überzeugend angesprochen werden. Deshalb muss man sich bei jeder Kampagne überlegen, wen man genau im Blick hat und um welches Produkt es geht. Da kann womöglich das Foto eines intimen Moments zwischen Männern viel besser wirken.»

(zitiert nach netzzeitung.de, 27.6.2008)
Klar machen die auch Werbung für Lesben, zum Beispiel die von der Elvia-Versicherung. Oder von Iceland Air.

Aber das hat Grenzen, sagt Jeff Wahl:

„Es gibt weniger Frauen, die von sich sagen, sie seien lesbisch. Außerdem gibt es keine so gut ausgebaute Infrastruktur und Szene für Lesben, wie es sie für Schwule gibt.“

Stimmt. Und außerdem geben Lesben nicht mal Geld für lesbische Unternehmen aus, deshalb gehen sehr viele von denen auch nach kurzer Zeit ein.
Bislang hat jedenfalls noch niemand Geld für eine Studie über lesbische Konsumentinnen in die Hand genommen. Das wäre doch wirklich interessant zu wissen: wofür geben wir Geld aus? Übrigens auch für Lesbenunternehmen selbst….