L-talk: Von Ada Lovelace zu Konnys LesbenseitenHeute ist Ada Lovelace Tag und L-talk beteiligt sich wie im vergangenen Jahr. Damals haben 2.000 Bloggerinnen den Beitrag von Frauen zu Technologie und Wissenschaft gewürdigt, in diesem Jahr sollen es 3.072 werden.

Ada Lovelace, 1815 geboren, schrieb das erste Computerprogramm überhaupt, damals gedacht, um die von Charles Babbage konstruierte Analytical Engine zu betreiben. Bekanntlich dauerte es noch eine Weile bis es tatsächlich Computer gab, und eine weitere Weile ging dahin, bis das Web 2.0 sich erfand.

Etwa 15 Jahre davor bastelte eine Konny an ihren ersten Computern herum. Und sie nahm Kontakt zu anderen Lesben auf, über – aus heutiger Sicht – skurril anmutende Mailboxen und Netzwerke, in denen vorsichtshalber noch jede Teilnehmerin zu Hause angerufen wurde, damit sich kein Mann hinter weiblichem oder gar lebischem Pseudonym verbirgt. Dann kam, 1991, das World Wide Web mit richtigen Internetseiten, die, dank einheitlichem Code, von überall her mit kostenlosen Anguck-Programmen, Browsern, gelesen werden konnten. Bücherlisten, Leselisten, Therapeutinnenlisten, Demo-Listen, Selbsthilfe-Listen … alles mögliche konnte nun verbreitet werden. Wurde es auch. Mit teilweise abenteuerlichen Designs und mit großen Vorstellungen von Freiheit, Subkultur und … irgendwie … von Exklusivität.

Vor 12 Jahren lief die Zeit der Listen aus, die der Exklusivität zum Glück auch und Konny startete ihre Lesbenseiten – zunächst noch als Unterseite einer merkwürdigen Adresse, deren Rest, wie so viel im Internet, mittlerweile längst den Cybergöttern zurückgegeben wurde – und bald schon unter den Adressen, die jetzt noch zu den bekanntesten unter den deutschsprachigen Seiten für Lesben zählen: www.lesben.org und www.Konnys-Lesbenseiten.de.

Tatsächlich findet sich auf Konnys Lesbenseiten seit 1998 so gut wie jede Nachricht die für Lesben interessant ist. Heute zählen dazu zum Beispiel

  • ein Ergebnisbericht zu der Studie „Bemerkenswerte Vielfalt – Homosexualität und Diversity Management!
  • alpha girls on tour bei Dinah Shore Weekend und
  • lesbische TV-Tipps von Ingeborg Boxhammer

Konnys Lesbenseiten sind DAS lesbische Nachrichtenportal, sie sind DIE lesbische Ressource von Einkaufsmöglichkeiten über Veranstaltungen bis psychosoziale Beratung, und all das überregional.

Woher kommt so etwas?

Eine Vermutung: Konny hat sich, und hier schließt sich der Kreis zu Ada Lovelace, kaum davon beeindrucken lassen, was üblich ist, was andere Frauen tun und vor allem was sie nicht tun. Sie hat überlegt was sie will und das war – zunächst – eine Liste lesbischer Bücher für sich selbst, die auch anderen zugänglich sein sollte. Mit den Interessen wuchs die Liste und mit den Möglichkeiten des Internet wuchs die Seite. Ein Übermaß an Konvention und Anpassung hätte dabei nur geschadet, zuviel Vorsatz wohl auch. Mut gehört dazu, Hartnäckigkeit ebenfalls, Unabhängigkeit und eine Idee davon, was für eine selbst richtig ist. Und letztlich wird eine ordentliche Portion Glück dabei sein, ob nun bei Ada oder bei Konny: Glück, die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen zu haben, Glück, auf persönliche Ressourcen zurück greifen zu können, Glück, in den wichtigen Momenten nicht gerade eine fette Erkältung gehabt zu haben, Glück, wenns nötig war Zuspruch oder Widerspruch bekommen zu haben. Cyberlesbenglück.

So viel zum Ada Lovelace Tag 2010.

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Links und Quellen: