???????? / Willkommen in Saleskaja

Willkommen in Saleskaja

„Saleskaja“ ist der Name eines Frauenortes im Entstehen.
Neugierig wurde ich, weil „Saleskaja“ im westlichen Zentralrussland gelegen sein wird. Hier ein Interview mit der Initiatorin.

Claudia: Gudrun, Was hast du vor?

Gudrun: So insgesamt: Auswandern nach Russland, konkreter – in der Natur leben, in Planung: ein Frauenferienhof. Ich könnte auch sagen, ich will mir den letzten Kindheitstraum auch noch erfüllen…

Claudia: Das klingt großartig. Und Natur und in Russland? Ich glaube jede hat da eine andere Vorstellung. Beschreib mal!

Gudrun: Ich habe in der Umgebung von Moskau ein Stück Feld gekauft, das liegt am Rand eines winzigen Dorfes bei Pereslavl-Zalesskiy mitten in Wald und Wiesen, ca. 2 km von der nächsten Hauptstraße. Ringsrum ist naturbelassener Wald, die Wiesen waren z.T. mal bewirtschaftet, auch die Ackerflächen, jetzt gibt es dort nur noch Datschen mit Gärten drumherum. Wir haben eine GmbH angemeldet für Obst- und Gemüsebau. Wir werden in „Saleskaja“ also so ein wenig Landwirtschaft betreiben, das hab ich vor ewigen Zeiten mal studiert… Jetzt aber das Gelernte anders anzuwenden, das interessiert mich sehr. D.h. Permakultur im weitesten Sinne, also nur so viel produzieren, wie machbar, Selbstversorgung soweit wie möglich, keine Dogmen.Saleskaja-1

Claudia: Ich stelle mir die Gegend so leicht hügelig vor, stimmt das in etwa?

Gudrun: Ja, das trifft es. Das Grundstück liegt am Waldrand, es geht leicht runter in das Tal mit dem Flüsschen, das sich durch die Wiesen schlängelt. Die Gegend ist im Winter ideal zum Rodeln und zum Skilaufen für Anfängerinnen oder Kinder.Saleskaja-5 Und es gibt einen tollen Blick über das Tal und das Dorf, den werden später auch einmal die Gästinnen genießen können. Ich stelle mir da so ein Landhaus wie bei Tschechow vor…

Claudia: Wie wird euer Landhaus sein und aussehen?

Gudrun: Alles hängt natürlich von den finanziellen Möglichkeiten ab. Wir fangen diesen Sommer mit kleinen Holzhütten an, früher sagte man bei uns Bungalow dazu. Dann gibt es schon ein Projekt für ein typisch russisches Holzhaus, das die Bibliothek, 2 Gästezimmer, das Büro und einen Raum für mich beherbergen soll. Und das Hotel wird zweistöckig, mit Terrasse, unten Speiseraum und Seminarraum, oben Gästezimmer für 16 Gästinnen. Wichtig ist für mich die offene Seite zum Tal hin, mit der Terrasse, dem Blick über den Garten.Saleskaja-7

Claudia: Ja, Horizonte zu haben, das ist immer wichtig. Eigene Landwirtschaft für gute Nahrungsmittel in jeder Jahreszeit und Wohnbauten ebenfalls für alle Temperaturen, so verstehe ich das.

Gudrun: Im letzten Jahr habe ich dort einen herrlichen Sommertag erlebt, vor allem die Stille genossen. Im Winter ist es die trockene Kälte, die ja angenehmer ist als das feuchte Schmuddelwetter hier an der See in Rostock. Wenn wir hier klare Wintertage haben, liegt es am trockenen Wind aus Osten. Und „Saleskaja“ liegt auf fast demselben Breitengrad wie Rostock. Saleskaja-4Ich will 2014 den ersten Winter in „Saleskaja“ verbringen, mal sehen, wie es auszuhalten ist.
Wir waren vor dem Nürnberger LFT mal auf dem Hof in Wüstenbirkach, auch ein Frauenort. Das war in der Phase, als ich darüber nachdachte, mein Frauenferienhaus nach Russland zu „beamen“. Und ich hatte dort weitere Denkanstöße. In Wüstenbirkach fand ich auch den Blick in die Weite so schön. Ich lebe ja hier zwar am Stadtrand, aber eben Stadt. Und bin aber seit meiner Kindheit viel im Wald unterwegs gewesen. Mit der Großmutter Sauerampfer gesammelt, später mit anderen Kindern Höhlen gebaut und so. Zu diesem Lebensgefühl zieht es mich zurück. Und dazu passt die Landschaft in Russland und auch die noch nicht so kontrollierte Natur. Allerdings sehe ich das nicht nur romantisch. Es macht mir schon Sorgen, wie die Landwirtschaft dort niedergegangen ist. Da, wo heute die Datschen stehen, wurden früher Lebensmittel produziert, heute gibt es nur noch ein paar Gärten für den Eigenbedarf.

Claudia: Die Böden werden gut sein und sich erholt haben über die Jahre – oder sehe ich das falsch?

Saleskaja-6Gudrun: Ja, die Böden sind gut. Industrie ist in der Gegend nicht viel, also gute Startbedingungen. Das Schwierige ist die Gratwanderung, die Einheimischen nicht belehren zu wollen, aber eben auch manches Neue zu zeigen. Aber dafür sind die Leute dort offener als hier. Vor allem die jüngeren.

Claudia: Wovon leben die Leute, die in „Saleskaja“ in eurer „Nähe“ sind, relativ gesehen?

Gudrun: Wir kennen sie noch nicht so genau. Größtenteils Datschniki aus Moskau und Umgebung, also Ferienhausleute, die den Sommer oder die Wochenenden dort verbringen. Nur wenige von den Häusern sind ganzjährig bewohnt.

Claudia: Also möchtest du jetzt eine von denjenigen werden, die dort ganzjähig zuhause sein wollen?

Gudrun: In den Maifeiertagen geht in der Gegend die Datschensaison los, Anja und ich werden auch mit Sack und Pack in die Hütte ziehen und dann die Dorfbewohner kennenlernen. Damit sie sich ein Bild von uns machen können, bevor im Sommer die Wiese voller Frauen sein wird… Saleskaja-3Und ich will ab Frühjahr 2014 dann ganzjährig dort leben. Der Obstgarten wird ja auch eine Weile brauchen, bis er Erträge bringt. Also ist das das erste Projekt, damit wir die Hotelgästinnen später gut versorgen können… Abgesehen davon ist es nicht weit nach Moskau, mit dem Auto zwei Stunden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas länger.

Claudia: Mir gefällt eure Idee super! Kann ich mitmachen?

Gudrun: Du kannst jetzt im Sommer kommen und mithelfen beim Anlegen des Gartens und anderen ersten Arbeiten. Es wird Zelte geben und auch für Frauen, die mit wenig Gepäck kommen, ist eine Unterkunft gesichert. Wir wollen einen Grill bauen, eine Badestelle am Fluss anlegen usw. Es gibt schon viel Interesse bei russischen Frauen, zu kommen. Wir lernen einander kennen, packen gemeinsam an und feiern zusammen. Du findest alle Angebote und nähere Infos auf unserer Webseite. Außerdem suchen wir Mitstreiterinnen für das Projekt, die ein Darlehen, eine Spende oder Teilhabe in der GmbH beitragen möchten. Das Wichtigste ist, dass „Saleskaja“ bekannt wird. Also komm einfach mal und schau es dir an.

Große Steinerne Brücke in Moskau, by Ikar.us, Lizenz: CC-BY-3.0-Unported, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kamenni.jpg

Große Steinerne Brücke in Moskau, by Ikar.us, Lizenz: CC-BY-3.0-Unported, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kamenni.jpg

Für 250 Euro kommst du in 2,5 Stunden Flugzeit nach Moskau, Visum schon mitgerechnet, es braucht aber etwa einen Monat für die Beantragung. Am Airport verabreden wir uns. Für unternehmungslustige Frauen oder mit ausreichenden Russischkenntnissen ist auch eine individuelle Anreise bis ins Dorf möglich: Vom Flughafen nach Moskau zum Busbahnhof „Shchelkovskoye“, von dort mit dem Überlandbus Richtung Yaroslavl bis Pereslavl-Zalesskiy. Vom dortigen Busbahnhof kann frau mit einem Bus weiter in Richtung Yaroslavl fahren, der dann auch an der Kreuzung hält, wo der Waldweg in das Dorf abgeht (die genaue Adresse teilen wir gern mit). Dann sind es noch etwa 2 km zu Fuß. Von überall unterwegs können wir Euch aber auch abholen…

Vor Ort: Wiese und Weite mit Gudrun als Gastgeberin.

Vor Ort: Wiese und Weite mit Gudrun als Gastgeberin.

Claudia: O.k., ab wann und bis wann diesen Sommer?

Saleskaja - Gute Reise!

Saleskaja – Gute Reise!

Gudrun: Anfang Juni nehme ich am Ökocamp im Seligersee teil, das liegt in der Gegend von Tver, und vom 20.6. bis 20.8. heißen wir Helferinnen und auch Urlauberinnen in „Saleskaja“ willkommen.

Claudia: Und am Ende dieses Sommers machen wir eine Fortsetzung unseres Interviews, vielen Dank für dieses Gespräch!

Gudrun: Gern!

Weitere Infos:
Saleskaja-Website: http://www.saleskaja.com
Wie könnte ich mich beteiligen? (Urlaubsgutscheine u.a.)
Sponsoring (Wofür genau?)