Gestern war lesben.org zu einem Preview des neuen Films The Kids are all right der US-amerikanischen Filmemacherin Lisa Cholodenko eingeladen. Lisa Cholodenko kennen wir durch ihre Filme Dinner Party (1997) und vor allen Dingen High Art (1998). Mit The Kids are all right ist der Regisseurin ein ausgesprochen unterhaltsamer Lesbenfilm gelungen, der eines der Themen der Zeit behandelt: Regenbogenfamilien und Samenspenden!

Inhalt:

Nic (gespielt von Annette Bening) und Jules (gespielt von Julianne Moore) leben mit ihren beiden Kindern Joni, eine 18-Jährige, die gerade die High School beendet hat und aufs College will und Laser, einem 15-Jährigem, der ziemlich sportlich ist, glücklich und zufrieden als Regenbogenfamilie im sonnigen Süden Kaliforniens. Joni ist die Tochter von Nic  und Laser ist der Sohn von Jules. Die Kinder sind Halbgeschwister, sie sind durch eine Samenspende entstanden, die vom gleichen Spender stammte.

Da Joni nun 18 Jahre alt geworden ist, darf sie den Namen ihres Erzeugers bei der Samenbank erfragen. Sie selbst hätte es nicht getan, aber ihr Bruder Laser möchte es unbedingt. Sie ruft bei der Samenbank an, diese informiert Paul, den Erzeuger und Paul setzt sich nach einer kurzen Überlegungszeit mit Joni in Verbindung. Sie vereinbaren ein Treffen zu dritt, Paul und seine beiden gezeugten Kinder. Die beiden Mütter wissen davon nichts.

Das erste Treffen verläuft natürlich etwas krampfig, aber Paul stellt sich als sympathischer netter 39-Jähriger Junggeselle heraus. Er betreibt ganz in der Nähe ein Restaurant mit Essen aus ökologischem und regionalem Anbau, das er teilweise selbst anbaut. Er ist offen, zugewandt und findet sich schnell in die ungewohnte Situation ein, Erzeuger zweier Kinder zweier lesbischer Mütter zu sein. Dass er eine schwarze BMW R100 (BJ 1995) fährt, macht ihn auch nicht gerade umsympathischer 😉

Aber Nic (die Butch), eine erfolgreiche Ärztin, und Jules (die Femme), die zwar Architektur studiert hat, sich aber seit Jahren um die Kinder gekümmert hat und ihre beiden Kinder sind eine perfekte Familie. Nic ist streng und hat hohe Anforderungen an ihre Familie. Manchmal erreicht sie damit das Gegenteil: Ihre Partnerin fühlt sich mit ihren Bemühungen, selbst beruflich Fuß zu fassen, nicht verstanden, die Tochter will mit ihren 18 Jahren endlich sebstständig und erwachsen sein und Sohn Laser will nicht über alles aber auch wirklich alles disktutieren. Man könnte auch sagen, die Familie ist über-pädagogisiert. Und so bemerken die Mütter natürlich, dass etwas mit Sohn Laser nicht stimmt und ihm bleibt nicht anderes übrig, als von dem Treffen mit Paul zu erzählen. Die beiden Mütter sind entsetzt und entschließen sich zu einem einmaligen Treffen mit dem Erzeuger. Aber auch hier siegt Pauls Charme…

Da Jules gerade dabei ist, sich als Landschaftsgärtnerin selbstständig zu machen, bietet ihr Paul an, seinen Garten neu zu gestalten. daraus entsteht eine heftige Affäre (für meinen Geschmack etwas zu viel Hetero-Sex!). Als Nic dahinter kommt, droht die Familie zu zerbrechen…

Persönlicher Eindruck:

Mir und meiner Begleiterin hat der Film sehr gut gefallen.
Der Film hat Wortwitz, ist an keiner Stelle peinlich, denn Jules und Nic sind ein perfektes Lesbenpaar (auch beim Sex ;-). Und Paul ist nicht der Ober-Macho, der gerne Lesben rumdreht.
Laser ist ein Jugendlicher, der durch die Anwesenheit einer männlichen Bezugsperson in seinem Leben sehr profitiert. Jonis Weg zu mehr Eigenständigkeit zeigt die Loslass-Prozesse jeder Mutter und dass Jules nach 20 Jahren Beziehung spüren möchte, begehrenswert zu sein, können wir auch gut verstehen.

Dass Nic als Familienoberhaupt die Felle davonschwimmen sieht, reicht nicht, um die Situation nachhaltig zu kitten. Jedoch ist Nics Auftritt, als Paul am letzten Abend, bevor Joni auf’s College in eine andere Stadt wechselt, vorbeikommt um sich von Joni zu verabschieden, bemerkenswert: Nic lässt Joni und Paul Zeit sich gebührend zu verabschieden und dann sagt Nic zu Paul, er sei als Trittbrettfahrer nicht willkommen, er solle sich gefälligst eine eigene Familie suchen.

Das ist sozusagen die Schlüsselszene, die diesen Film zu einem guten Ende führt. Aber das wird hier jetzt nicht verraten!

Der Film The Kids are all right hatte übrigens zur Berlinale im Februar 2010 seine internationale Uraufführung und hat dort den Teddy Award gewonnen. Der Teddy Award ist ein seit 1987 verliehener Filmpreis für Filme mit schwul-lesbischem bzw. Transgender-Hintergrund.

Links und Quellen:

Trailer: