Sibilla AleramoSibilla Aleramo wurde am 14. August 1876 als Rina Faccio in Alessandra, Piedmont, geboren. International bekannt wurde sie vor allem durch ihre autobiographische Beschreibung des Lebens einer Frau im 19. Jahrhundert in Italien.

Bereits mit 16 Jahren musste sie die Schule verlassen, um einen Mann zu heiraten, von dem sie vergewaltigt wurde. In ihrem ersten Roman beschrieb sie ihre Entscheidung, den Ehemann und den gemeinsamen Sohn zu verlassen und nach Rom umzusiedeln. Sie engagierte sich dort ab 1901 in politischen und künstlerischen Kreisen und schrieb vorwiegend über feministische und homosexuelle Anliegen.

1908 lernte sie Cordula „Lina“ Poletti bei einem Frauenkongress kennen. Ihre ein Jahr dauernde lesbische Beziehung bildete die Grundlage für einen weiteren Roman.

Die Beziehung begann im April 1908 als die beiden Frauen nach dem Ersten Nationalen Frauenkongress (Il Primo Congresso Femminile Nazionale) in Rom feststellten, wie viele feministische Sichtweisen und Leidenschaften sie teilten. Obwohl sie nur ein Jahr zusammen blieben, sind in Briefen und Tagebücherin ihre großen Themen überliefert. Die Aussagen zur Homosexualität, ihre offene und klare Position für sexuelle Selbstbestimmung, die in Aleramos Briefe an Poletti eine zentrale Rolle spielen, wurden in den Hochzeiten der Lesbenforschung besonders betont.

Während der Beziehung war Aleramo auch in einen Mann verliebt, Giovanni Cena. Aleramo hat sehr deutlich gesagt, dass sie sich niemals schuldig fühlte, zwei Personen zur gleichen Zeit zu lieben. Poletti allerdings machte sich ob der leidenschaftlichen Dreierbeziehung Sorgen um Aleramos geistige Gesundheit.

Poletti war später mit der Schauspielerin Eleanora Duse liiert. Sie wird als eine der ersten Frauen Italiens beschrieben, die unverblümt und offen lesbisch lebten. Nach der Beziehung mit Duse verliert sich ihre Spur.

Aleramo hingegen wurde zu einer der führenden Feministinnen Italiens. Obwohl für ihr späteres Leben keine weiteren lesbischen Beziehungen dokumentiert sind, zählt sie zu den Wegbereiterinnen lesbischen selbstbestimmten Lebens in Italien.

Sie gehörte zu einer Gruppe feministischer Autorinnen, die sich von der proletarisch-sozialistischen Frauenpolitik abgrenzten. Sie richtete Aufmerksamkeit auf die Mittelschicht-Frauen, die, beschränkt auf ihre häuslichen Rollen, andere Kämpfe durchzustehen hatten, als die proletarischen Kämpferinnen für Frauenarbeitsplätze und gerechte Löhne.

Sibilla Aleramo starb am 13. Januar 1960.

Im deutschsprachigen Raum wurde sie mit ihrem Roman Una Donna. Geschichte einer Frau (1906) bekannt.

Links und Quellen:

  • Sibilla Aleramo: Una donna. Geschichte einer Frau, Frankfurt 1977 (Verlag Neue Kritik)
  • Miguel Malagreca: Lottiamo Ancora. Reviewing One Hundred and Fifty Years of Italian Feminism, Journal of International Women’s Studies Vol. 7 #4 May 2006 (englisch)
  • Wikipedia-Eintrag Sibilla Aleramo (englisch)