Über Valerie Solanas, die gestern Geburtstag gehabt hätte, gibt es den tollen Film von Mary Harron mit Lili Taylor in der Hauptrolle:

I shot Andy Warhol

Hier ein Ausschnitt, in dem es darum geht, warum Valerie Solanas auf Andy Warhol geschossen hat:

Inzwischen habe ich noch ein bisschen darüber nachgedacht, wie Valerie Solanas wohl jetzt klarkommen würde … mit einem dicken Plus für die ganze Anti-Psychiatrie-Bewegung, die wir inzwischen hatten … die Beratungsstellen und das alles … und einem dicken Minus wegen des Mainstreaming und der Normalität lesbischen Lebens.
Was geschieht eigentlich mit solchen Valerie Solanas in Zeiten, in denen es keine große Subkultur gibt? In denen Konformität in ist?
Wo bleibt eine Lesbe, die sich als „nicht praktizierende Lesbe“ identifiziert in einer Kultur, in der es zur Norm gehört, Sexualität mit anderen zu leben – auch wenn’s nicht alle tun? Denn: getan haben müssen Sie’s, sonst zählt es nicht 🙂
Ich fand’s deprimierend, das Nachdenken. Auf interessante Weise deprimierend allerdings.
Eine Idee dazu ist, dass ein Lebenskonzept wie das von Valerie Solanas nur funktionieren kann, während sich gerade eine neue Bewegung aufbaut – und nicht, wenn sie im Abflauen ist. Dazu fiel mir Leslie Feinberg (Foto) ein, die in Stone Butch Blues genau so eine Zeit beschreibt: Die Entstehung einer Subkultur aus unbedingter Notwendigkeit heraus …
Wobei: Leslie Feinberg hat natürlich völlig andere Entscheidungen getroffen als Valerie Solanas, klar. Worauf es mir ankommt: Sie waren beide vollkommen *anders*. Ohne wirkliche Vorbilder. Hin und her zwischen dazugehören und Ausschluss.
Es ist vielleicht die einzige Gelegenheit für so sehr besondere Leute, eine Subkultur, eine Kultur zu prägen … bevor die Kultur ihren eigenen Mainstream produziert und selbst Ausschlüsse produziert.
Wobei Leslie Feinberg es geschafft hat, genau deswegen Erfolg zu haben, weil sie ist wie sie ist. Zufälle, Glück, Verstand, Liebe. Die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Das hätte auch ganz anders kommen können, wie bei Valerie Solanas.
Mehr zu Leslie Feinberg: www.transgenderwarrior.org