Neulich habe ich eine Geschichte über schwangere Lesben aufgeschnappt. Da ging es um ein Paar, beide waren gleichzeitig schwanger und mussten mehrfach (!!) die Frage über sich ergehen lassen „War das Absicht?“

Nun sollte es zur Allgemeinbildung (?) gehören, dass es relativ schwierig für ein lesbisches Paar ist, sich gegenseitig oder selbst (Parthenogenese?) aus Versehen zu schwängern. Das löst nicht das Problem, irgend eine halbwegs intelligente Antwort auf sowas zu finden.

Bei Parthenogenese fällt mir zuerst Herland ein, der Klassiker der utopischen Literatur von Charlotte Perkins Gilman. 1915 erschienen, ist der Roman noch ganz typisch für die Vorkriegs-Utopien, weil er einen vormals weißen Flecken auf der Landkarte mit mit Farbe (hier: Frauen) füllt:

Drei junge Männer entdecken auf einer Reise ein Hochplateau, das ausschließlich von Frauen bewohnt wird. Sie haben eine Art idealer Gesellschaft geschaffen, inklusive Fortpflanzung. Mit Hinzukommen der Männer wird diese Gesellschaft zerstört – und Gilman hat sehr aufmerksam erkannt, dass es nicht unbedingt an Gewalt und Krieg liegt, wenn Männer dominieren, sondern dass Liebe geeignet ist, Frauen zu Kollaborateurinnen zu machen. Ein wunderbares Buch jedenfalls, das mit Klischees spielt wie nur wenige utopische Romane dieser Zeit.

Die Frauen in Herland haben jede Menge Kinder, die kollektiv aufgezogen werden. Auch das ist nach dem Einzug der Männer vorbei, die Fähigkeit zur Parthenogenese geht verloren. Allein bei ihrem Anblick, wie es scheint.

In der Geschichte, mit der es oben anfing, folgte übrigens anschließend die Frage, ob beide das gleiche Sperma verwendet hätten – und die Fragerin schloss messerscharf „dann werden die Kinder ja Geschwister!“ Es war ein hartes Stück Arbeit, sie davon zu überzeugen, dass die Kinder nicht deshalb Geschwister sind, weil sie, ebenso wie 10 oder so andere Kinder in anderen Familien, von einem Samenspender abstammen, sondern deshalb, weil sie gemeinsame Mütter haben.

Zu gemeinsamen Müttern wollte ich noch erzählen, dass ich vor einiger Zeit mal – wie immer auf der Suche nach etwas völlig anderem – Buddy G. entdeckt habe. Das ist eine zu und zu schöne Zeichentrickserie auf DVD … geht um „Buddy G, two moms and me“. Der Titelsong ist ein Ohrwurm, also: Warnung. Dringend.

Schade, dass es so wenig coole Dinge über lesbische Familien gibt.