Meines Wissens ist der Film „80 egunean“ der erste Film mit einem lesbischen Thema, der aus dem Baskenland stammt und komplett in baskischer Sprache ist. Obwohl das Drehbuch und die Regie von zwei Männern ist, ist der Film „lesbisch“. Na ja, bis auf das Ende 😉 Aber das dauert nur 1 Minute. Die anderen 104 Minuten sind wahrer lesbischer Genuss!

Axun

Axun (Quelle: Pressbook auf http://www.80egunean.com)

Überhaupt spielen in diesem Film Zahlen eine Rolle. „80 egunean“ heißt übersetzt „Für 80 Tage“, denn die Geschichte spielt innerhalb von 80 Tagen (bis auf das Ende am 923. Tag, aber das kann frau ja vergessen, s.o.). Die beiden Hauptdarstellerinnen Maite und Axun sind zwei bemerkenswert gutaussehende ca. 70-jährige Frauen, die sich per Zufall nach 50 Jahren wiedertreffen. In ihrer Jugend waren sie so etwas wie beste Freundinen, na ja, vielleicht ein wenig mehr, schließlich kam es auch zu einem Kuss. Damals.

Nun hat der Ex-Ehemann von Axuns Tochter Josune, Mikel, einen schweren Autounfall und Axun besucht ihn im Krankenhaus. Am Nebenbett pflegt Maite ihren Bruder Antonio nach einem Schlaganfall und die beiden Frauen sind sich bei ihrer ersten Begegnung äußerst fremd. Nach einigen Tagen erkennen sie sich wieder und fallen sich überglücklich in die Arme.

Axun ist mit Juan Mari verheiratet, lebt auf dem Land, 40 Autominuten von San Sebastian entfernt und führt ein nicht gerade aufregendes Leben. Ihre Tochter lebt in Amerika und ihr Mann bewegt sich zwischen Acker, Basteleien im Schuppen und der Dorfkneipe.

Maite

Maite (Quelle: Pressbook auf http://www.80egunean.com)

Maite hingegen ist Pianistin, lebt offen lesbisch und ist äußerst eloquent und unterhaltsam. Dennoch freunden sich die beiden Frauen (wieder) miteinander an und alle schon damals vorhandenen Gefühle brechen auf und stürzen besonders die verheiratete Axun in ein großes Chaos.

Axun (links) und Maite

Axun (links) und Maite (Quelle: Downloads auf http://www.80egunean.com)

Die Zeiten der Annäherung sind in Tage unterteilt – daher der Titel des Films. Die Annäherung ist langwierig und am 41. Tag wurde ich schon etwas ungeduldig. Da aber immer mal wieder mehrere Tage übersprungen werden, ging es ab dem 44. Tag wieder 😉 Axun fährt bald jeden Tag ins Krankenhaus, offiziell um Mikel zu besuchen, aber eigentlich um Maite zu treffen. Als Maites Bruder Antonio in die Reha verlegt wird, arrangiert Maite an einem freien Tag einen Ausflug auf eine Insel. Dort kommt es auf der Liegewiese über dem tosenden Meer mithilfe von Champagner erneut zu einem Kuss. Was die Sache aber keineswegs vereinfacht. Axun flieht. Kommt aber nicht weit, weil das Boot unter Wasser steht. Aber anschließend will sie Maite nie wieder sehen. Na zu, zumindest für 3 Tage nicht…

Axun (links) und Maite

Axun (links) und Maite (Quelle: Downloads auf http://www.80egunean.com)

Dieses Hin und Her und Her und Hin (und ggfs. die Rolle eines real existierenden Ehemanns) dürfte nahezu jede Lesbe unter uns kennen. Im Film sind all die Aufs und Abs, die Hochs und Tiefs, die Gefühle, die Sehnsüchte und die Verwirrungen wunderbar in Szene gesetzt. Begleitet von immer passender wunderschöner Klaviermusik, traumhaften Bildern und den wunderschönen Protagonistinnen sind die ersten 104 Minuten wirklich ein lesbischer Hochgenuss! Auch ist der Film voller Humor. Den beiden passieren immer wieder Dinge, die einfach äußerst witzig sind, das ganze Kino hat dauernd gelacht. Und es gibt ein ordentliches Quentchen Selbstironie. Gewundert hat mich nur, woher die Regisseure von diesem lesbischen Zug wussten. Aber es soll sich ja um eine wahre Geschichte handeln…

Letztendlich überrascht der Film – trotz seines vorhersehbaren Endes – immer wieder mit nahezu skurilen und witzigen Entwicklungen. Beim Ansehen erzeugt der Film eine heitere und gleichzeitig romantische Stimmung, er macht einfach Lust auf große Lieben, erst recht im Alter! Und das nicht nur an oder für 80 Tage!!!

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