Selten so ein gutes, fesselndes Buch mit Tiefgang gelesen! Und das, obwohl es nur als „Thriller“ angekündigt wird!

Worum geht’s?

Lisa, 39, gerade frisch von Bettina getrennt, erfährt, dass sie eventuell Krebs haben könnte. Doch damit nicht genug: Aufgrund einer Erbschaftsangelegenheit erfährt sie obendrein, dass ihre beiden tot geglaubten Geschwister noch leben. Der eine Bruder ist schnell gefunden und gemeinsam machen sich Bruder und Schwester auf die Suche nach dem anderen Bruder. Das ist gar nicht so einfach, denn ein Autoumfall mit tödlichem Ausgang hat 1972 die Familie auseinandergerissen…

Worum geht es wirklich?

Um Innenansichten, um Schuld und um Traumwelten.

Lisa und ihr Bruder Michael sind ein ungleiches Paar, die eine lesbisch, mit einem Myom im Unterleib, das auch bösartig sein könnte, der andere als Krankenpfleger in einem Hospiz, von seiner Frau getrennt und der mit neun Jahren die Leukämie überlebt hat. Und trotzdem haben sie nur ein Ziel: Matthias, ihren gemeinsamen Bruder wiederfinden. Den finden sie auch, er lebt auch, aber sprechen – kann er nicht. Oder will er nicht? Matthias lebt in seiner eigenen Welt, er schaut seine Lieblingsserie „One Foot in the Grave“ und damit endet sein Kontakt zur Außenwelt. Fesselnd an diesem Buch sind die wechselnden Erzählperspektiven der drei Protagonist_innen: Innenwahrnehmung und Außenwahrnehmung klaffen häufig auseinander, was damals geschah und heute ist, hat oft einen Zusammenhang und zum Schluss setzt sich die Geschichte wie ein Puzzle zusammen. Aber erst zum Schluss. Und deswegen ist es auch so spannend. Knapp 500 Seiten lang

Braucht frau das Buch?

Ja. Katholische und Frauen aus dem Schwarzwald ganz besonders. Wegen des Lokalkolorits und des Wiedererkennungswertes. Wiedererkennen werden aber auch etliche andere sich selbst, die in einer Familie in den 1970er Jahren ihre Kindheit und Jugend erlebt haben und sich noch an die Anschläge zur Olympiade 1972 erinnern. Glücklicherweise haben wir nicht alle eine solch schreckliche Geschichte erlebt. Aber umgegangen wären wir vielleicht ähnlich mit den Ereignissen. Das macht die Geschichte so authentisch und mir ist sie mitten ins Herz gegangen.

Fazit

Ein „Thriller“ ist es nicht. Eher ein Psychogramm einer Familientragödie, ordentlich seziert und in die Jetzt-Zeit versetzt. Mich hat die Geschichte sehr berührt, und dass es zum Schluss noch ein kleines Happy End gibt, tut ihr keinen Abbruch! Also: Ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Links und Quellen: