Stefanie Zesewitz - Der Duft von Seide (Querverlag 2012)

Selten sooo ein schönes Buch gelesen. Ein erstklassiger Schmachtfetzen mit historischem Hintergrund und einer wunderschönen Liebesgeschichte. Einmal angefangen legt frau das Buch nicht mehr aus der Hand.

Worum geht’s?

Die Malerin Camiel le Blanc kommt 1848 nach London. Aufgewachsen ist sie in den indischen Kolonien Englands. Lesbisch ist sie auch, das weiß sie. Ihre ehemalige Geliebte ist verstorben und geschäftliche Umstände erfordern es, dass sie bei Onkel und Tante in London einzieht. Tante Angela unterlässt nichts, um die inzwischen 34-Jährige Camiel in die Londoner Gesellschaft einzuführen und natürlich diversen Herren vorzustellen. Doch Camiel lernt als Erstes die verheiratete 22-jährige Julia Norton kennen – und verliebt sich in sie. Die Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Durch einen geschickten Schachzug hat Camiel die Gelegenheit, Julia mehrere Wochen zu einem Kuraufenthalt zu begleiten. Dort passiert dann, was in lesbischen Beziehungen gemeinhin passiert 😉 Als es heißt, nach London zurückzukehren, führen unglückliche Umstände von Julias Ehegatten zu glücklichen Umständen für die beiden Liebenden Julia und Camiel. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann …

Worum geht es wirklich?

Im Buch geht es viel um Zwänge, Enge, Konventionen, um Meinungen anderer und welches Bild frau/man nach außen abgibt. Das versteht die Autorin Stefanie Ziesewitz gut einzufangen. Auch ist es vor 160 Jahren mit der Frauenemanzipation noch nicht so weit, und doch gab es sowohl für Dienstbotinnen, Adlige und lesbische Frauen Schlupflöcher. Diese zu finden, zu beschreiben und zu nutzen ist eine der Stärken der Geschichte. Dass die Autorin so nebenbei auch berühmte Schriftstellerinnen wie die Schwestern Brontë oder eine der ersten Ärztinnen Englands wie Elizabeth Blackwell, die lange mit Florence Nightingale zusammenarbeitete, einzuweben versteht, ist eine weitere Stärke des Buches. Aber vornehmlich geht es um die Liebe, und, das mag für diese Zeit ungewöhnlich sein, um eine Liebe mit glücklichem Ausgang.

Braucht frau das Buch?

Ja. Ein verregnetes Wochenende mit viel Tee und es gibt nichts Schöneres!

Fazit

Stefanie Ziesewitz hat vor 2 Jahren zusammen mit Susanne Leonhardt den Kalender „letsbepink. Der erotische Women calendar 2011″ herausgegeben, der in 2012 leider keine Fortsetzung fand. Dass sie stattdessen (?) dieses Buch geschrieben hat, ist wunderbar. Es gibt selten Bücher, die sowohl sprachlich als auch vom Spannungsbogen her so gut geschrieben sind, außerdem eine schöne Liebesgeschichte und einen historischen Kontext in sich vereinen – solche Werke müssen einfach gelesen werden. Vielleicht folgt auf das Erstlingswerk dann auch eine weitere Geschichte!

Bestellen über Konnys Lesbenseiten… März 2012, Querverlag, Sondereinband: 352 Seiten, ISBN-13: 978-3896561978.