Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden„Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“ so heißt das im Herbst 2011 im Ulrike Helmer erschienene Buch von Elke Amberg. Die Autorin stellt hierin eine Studie vor, die die Lesbenberatungsstelle LeTRa (LesbenTRaum) in München 2009 an Elke Amberg in Auftrag gegeben hatte. Ziel war es, die lesbische Sichtbarkeit von Lesben in den Medien zu erforschen.

Um es kurz zu machen: Das Buch präsentiert keine überraschenden Ergebnisse. Lesben kommen nicht vor.

Bevor Elke Amberg die Ergebnisse der Studie im einzelnen beschreibt, gibt die Autorin einen guten Überblick über den derzeitigen status quo. Sie zitiert hierzu Gabriele Bischoff, die Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen:

 „Beratungseinrichtungen für Lesben (und Schwule) erhalten von der Presse häufig Anfragen nach „Opfern“. Aktive, selbstbewusste Lesben sind leider weniger „gefragt“.

Schwule beim CSD. Und die Lesben?

Auch die uns allen bekannten Fotos und Berichte der Tagespresse über grell geschminkte Tunten während der Land auf Land ab stattfindenden CSDs und die damit verbundene Unsichtbarkeit lesbischer Frauen finden eine einfache Erklärung: Männer berichten über Männer. Heteras berichten ebenfalls über Männer. Lesben berichten nicht über Lesben, weil sie den Karriereknick befürchten. Und Heteras tun dies aus dem gleichen Grund nicht. Das alles auf dem Boden einer Medienlandschaft, in denen Frauen überwiegend bei  „Soziales“ vorkommen und Männer bei „Wirtschaft“ und „Finanzen“ und fertig ist die patriarchal geprägte Medienpräsenz. Ein Blick in einen beliebigen Sender des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nach 20 Uhr untermauert diese These. Leider.

Lesben weichgespült?

Wenn Lesben im TV vorkommen, dann übrigens weichgespült und im Vorabendprogramm. Ihr wisst schon: Verbotene Liebe, Marienhof, GZSZ usw. Lange Haare, dezenter Schmuck, eng anliegende Röcke und Kleider, tiefes Dekolleté und: keine begehrlichen Blicke, kein Flirt, keine Erotik. Zumindest nicht untereinander.

Lesbische Sichtbarkeit um den Preis der Anpassung an den Mainstream?

In den letzten Jahren gibt es eine weitere weichgespülte Variante lesbischen Lebens in der Öffentlichkeit: Regenbogenfamilien. Mama, Mama, Kind(er). Vor 30 Jahren hatte jede 3. lesbisch lebende Frau aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen Kind(er), und kein Hahn hat danach gekräht, obwohl die Lebensumstände aufgrund ums Sorgerecht klagender Männer und alleinerziehend mit nicht gezahltem Unterhalt sicherlich nicht immer leicht waren.
Jetzt bekommen Lesben Kinder mit der Bechermethode und plötzlich gelten sie als ‚role model‘ einer ganzen Generation coming out-praktizierender 20-Jähriger 😉 Und kommen dauernd in der Presse vor: Die L-MAG hatte in ihrer November/Dezember-Ausgabe ein ganzes Heft zu diesem Thema, bei Eltern.de gibt es ein großes Regenbogenforum, sie talken bei „Menschen unter uns“ und „Eins gegen eins“ und zum Thema „Sollen Lesben und Schwule Kinder adoptieren dürfen?“ hat wirklich jede und jeder in diesem Land eine Meinung.

Die Studie

Aber zurück zum Buch: Elke Amberg hat im 2. Halbjahr 2009 vier Tageszeitungen ausgewertet: Süddeutsche (SZ), Münchner Merkur (MM), Abendzeitung (AZ) und Tageszeitung (tz). Alle 4 Zeitungen erscheinen in München und können als repräsentativ für den Rest der Republik gelten. Die Schwerpunkte der Auswertung waren CSD (Christopher Street Day) und die rechtliche Gleichstellung. Bei immerhin 7% aller ausgewerteten Artikel standen Lesben im Mittelpunkt, als Überschrift kam aber das Wort „Lesbe“ oder „lesbisch“ kein einziges Mal vor. „Schwulenehe“, „Mehr Rechte für Schwule“ sind beliebte Formulierungen. Von den 7% lesbischen Artikeln waren wiederum ein Drittel im Kontext ‚Regenbogenfamilien‘.

Mit ihrem Buch legt Elke Amberg die erste Studie über lesbische Frauen in der Presse in Deutschland vor. Die detaillierten Auswertungen nach Geschlecht der/des Schreibenden, Textlänge, mit oder ohne Bild, wer wird erwähnt, auf was wird Bezug genommen, welches sind die Unterthemen des Artikels, geben einen umfassenden Einblick in die deutsche Presselandschaft und deren Wahrnehmung lesbischer Lebensweisen. Um die lesbische Sichtbarkeit zu erhöhen, schlägt Elke Amberg übrigens vor, sich auf die Frauenbewegung und die Schwulen-/Lesbenbewegung zu stützen. Beide Bewegungen haben im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wichtige politische Themen in der Mainstream-Presse unterbringen können, das sollte auch mit rein lesbischen Themen gelingen. Viele sind erfolgreich im Beruf, selbstverständlich und selbstbewusst lesbisch, Trendsetterinnen bei Reisezielen und Outdoormoden und sind Spezialistinnen – im doppelten Sinne – für alle Bedürfnisse des weiblichen Körpers. Lesben sind nämlich „Schön! Stark! Frei!“. Warum sollten sie es nicht Wert sein, dass auch über sie berichtet wird?! 😉

Im übrigen hat Elke Amberg in ihrem Buch mir gedankt (auf S. 233), ich sage ihr hiermit „Danke“ für dieses Buch!

„Schön! Stark! Frei!“ bestellen über Konnys Lesbenseiten… Oktober 2011, Ulrike Helmer Verlag, Broschiert: 200 Seiten, ISBN-13: 978-3897413245.

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