Claudia Lewin - In mir ein MeerDie Geschichte kommt leise daher. Es ist keine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Lesbe verguckt sich in Hetera und Hetera zaudert. Und doch: dieses Mal scheint alles anders…

Worum geht’s?

Anne, verheiratet, zwei Kinder, ist Lehrerin. Benita ist die neue Kollegin. Die beiden freunden sich schnell miteinander an, verlieben sich ineinander und küssen sich das erste Mal auf einem Kollegiumsausflug im Maislabyrinth. Anne wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, ihre Familie verlassen zu müssen und unterdrückt deshalb ihre Verliebtheit. Als Benita einen Autounfall mit Totalschaden hat und im Koma liegt, stellt Anne sich ihren Gefühlen.

Worum geht es wirklich?

Die Geschichte wird rückwärts und aus mehrerer Menschen Perspektive erzählt. Da ist Kollegin Helga, der Anne seit Jahren verbunden ist, die offen lesbisch lebende Kollegin Susanne, die mit Katja lebt, und Annes Schwester Hannah, der Anne sich schließlich anvertraut. Und Benitas Mutter, die Anne Benitas Tagebuch bringt, weil sie nicht mehr mit ansehen kann, wie Anne die Augen von Benitas Gefühlen verschließt. Anne liest das Tagebuch und entscheidet sich, sich erstens zu erinnern, stellt dabei fest, dass sie bereits einmal während des Studiums eine lesbische Affäre mit ihrer WG-Genossin Maya hatte (nach der Annes Tochter benannt ist) und lässt sich zweitens schließlich auf Anne ein. Was danach passiert, bleibt offen.

Braucht frau das Buch?

Bedingt. Für meinen Geschmack ist die Geschichte sprachlich gut erzählt, wenn auch an manchen Stellen etwas kitschig. Aber Verliebtheitsgefühle einzufangen war schon immer schwer. Persönlich unakzeptabel ist für mich das Lesen des Tagebuchs, egal aus welchen Motiven. Die Vorstellung, ich läge im Koma, und meine Mutter brächte meiner Angebeteten mein Tagebuch, würde mich dazu veranlassen nicht mehr aufzuwachen. Die Vielzahl der Frauennamen stiftet etwas Verwirrung, frau muss vor- und zurückblättern und weiß anfangs auch nicht, welche welche ist. Gut fand ich, wie Benita sich an Anne herantastet, kaum auszuhalten war hingegen für mich die endlose Interpretation der Zurückweisungen, kurzen Blicke und Absagen. Wir nennen es „schmachten“ und es ist eine besondere Form lesbischen Liebesentzugs durch Heteras 😉 Gut fand ich aber letztendlich Anne, die offen zu sich ist, nur das Tagebuch hätte sie geschlossen liegen lassen sollen.

Fazit

Claudia Lewin, geboren 1972, legt mit dieser Geschichte ihr erstes Buch vor. In der Buchbeschreibung steht, dass Schreiben schon immer ein Wunsch war und sie nur Sachen schreiben möchte, die sich auch erzählen möchte. Das klingt authentisch. Und ich denke, viele werden sich in der Geschichte wiederfinden. Und für genau die ist das Buch gemacht!

 

Bestellen über Konnys Lesbenseiten… April 2012, Ulrike Helmer Verlag, broschiert: 300 Seiten, ISBN-13: 978-3897413351.