Petra Brumshagen sagt von sich, sie sei „ein waschechtes Ruhrpottkind“. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin inPetra Brumshagen Oberhausen und Essen studierte sie in Bochum Germanistik und Sozialpsychologie. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in München.
Wir befragten sie über ihren ersten Roman, „Scheinfrei“, der im September beim Querverlag erschienen ist:

Vor kurzem ist dein Roman „Scheinfrei“ beim Quer Verlag erschienen. Was hat dich bewogen, unter die Autorinnen zu gehen?

Es war schon immer mein sehnlichster Wunsch, Bücher zu schreiben. Schon in der Grundschule habe ich mir Abenteuergeschichten ausgedacht und sie in Schulhefte geschrieben. Ich habe damals bei Rowohlt auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass ich da ein Buch über eine Kinderbande in petto hätte und wenn sie Interesse hätten, sollten sich mich anrufen. Gemeldet hat sich natürlich niemand. Da war ich 9 und ziemlich enttäuscht. Knapp 20 Jahre später hat sich dann der Kontakt zum Quer Verlag ergeben, was mich sehr glücklich macht. Das Buch ist ein sehr wichtiger Meilenstein für mich. Und hoffentlich nur der erste.       

Konny mit Petra Brumshagen bei der lesbisch-schwulen Lesenacht in FrankfurtNatürlich interessiert uns, ob das Buch autobiografische Züge hat: Bist du WG-Bewohnerin und hast deinen Mitbewohnerinnen ein Denkmal gesetzt?

Da muss ich euch enttäuschen: Ich wohne zwar in einer WG, aber die Mädels aus Scheinfrei sind alle fiktiv. Auch, wenn die ein oder andere sicher ein paar Wesenszüge von Menschen hat, die mir auch real begegnet sind. Da gibt es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schon die wildesten Spekulationen.

Vicky lässt sich unter anderem mit einer ziemlich merkwürdigen Frau ein, einer Polizistin mit einer Affinität zu Feuerwaffen. Sie scheint mir in dieser Situation noch weniger Herrin ihrer selbst zu sein als sonst. Auch die Mitbewohnerinnen üben sich im mehr oder minder heiteren Scheitern. Findest du, dass es „typisch lesbisch“ ist, so dem Leben ausgeliefert zu sein?

Ich halte nicht viel von Kategorisierungen. Wer oder was ist schon „typisch lesbisch“? Nimmt man Hella von Sinnen, Anne Will und Ulrike Folkerts – was haben die drei gemeinsam, außer eben lesbisch zu sein? Wahrscheinlich genauso viel oder wenig, wie Angela Merkel mit Anke Engelke und Nina Ruge. Und deren Charakter würde man ja auch nie unter „typisch hetero“ zusammenfassen.

Was das Scheitern angeht: Ich bin der Meinung, dass jeder die Möglichkeit hat, aus seinem Leben das Beste zu machen. Dass man manchmal Umwege geht oder auch mal tief fällt, gehört dazu. Ein Leben, das immer geradlinig läuft, ist doch langweilig. Außerdem erwächst aus den Momenten, wo man am Boden liegt, oft sehr viel Kreativität und Fantasie.
Das Kapitel mit der Polizistin ist mir übrigens eines der liebsten. Und ich muss bei den Polizistinnen in meinem Freundeskreis noch um mildernde Umstände bitten.

Was ist das Liebenswerte an deiner Protagonistin Vicky?brumshagen_cover

Vicky ist sehr lebensecht und hat Probleme und Gefühle, die fast jeder kennen wird. Ob es ihre Ängste sind, ihr Liebeskummer oder ihr schlechtes Gewissen ihren Eltern gegenüber. Sie denkt viel über sich und über andere nach, und das macht sie besonders menschlich. Außerdem mag ich ihre Tollpatschigkeit.

Ist das nächste Buch schon in Planung oder in Arbeit? Wird es eine Fortsetzung mit Vicky geben?

In meinem Kopf ist die Fortsetzung bereits druckreif. Parallel dazu arbeite ich aber auch noch an einem anderen Roman. Ob und wann diese Bücher das Licht der Welt erblicken, hängt aber ja nicht nur von mir ab.

Kurz und knapp: drei Gründe, weshalb Lesben dein Buch kaufen sollten:

– Sie werden lachen!
– Sie werden mitleiden!
– Sie unterstützen damit eine Nachwuchsautorin! 😉

Herzlichen Dank!

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