Mein lesbisches Auge Band 8

Mein lesbisches Auge Band 8

Kaum eine Buchreihe dürfte bei lesbens so umstritten sein wie die seit 1998 im Konkursbuchverlag erscheinenden Sammelbände „Mein lesbisches Auge – Das Jahrbuch der lesbischen Erotik“. Seit 2007 erscheint Mein lesbisches Auge jährlich, zuletzt ist im März 2009 Band 8 erschienen.

Die Verlegerin Claudia Gehrke arbeitet seit Anfang an mit den Herausgeberinnen Laura Méritt und Regina Nössler zusammen, zwischenzeitlich waren auch mal Stephanie Kuhnen und Sophie Hack (Band 2), Kerstin Mächler (Band 3) dabei; der letzte Band wurde „nur“ von Regina Nössler herausgegeben, Regina Nössler und Claudia Gehrke zeichnen für Redaktion und Gestaltung die Verantwortung. Band 9 ist für das Frühjahr 2010 geplant.

Dem lesbischen Auge liegt ein verruchter Ruf zugrunde. SM-Praktiken, Dildos und Kerle seien darin abgebildet, die Geschichten um die Bilder herum seien Schmutz und Schund – weit davon entfernt ein Jahrbuch der lesbischen Kuschel-Romantik zu sein!!!

Und doch wird Mein lesbisches Auge seit mehr als einem Jahrzehnt von Lesben für Lesben gemacht. Also muss doch auch etwas Lesbisches drin sein. Wir haben uns stellvertretend für alle Vorurteilbehafteten am Beispiel von Band 8 mal schlau gemacht.

Das Cover (siehe oben) kommt schon mal sehr lesbisch daher: Zwei gut aussehende Frauen, die sich freudig anlachen und dabei tief in die Augen schauen.

Auf der Rückseite setzt sich das Coverfoto fort. Als Beschreibung zum Buch: Erzählungen, Sachtexte, Essays, Glossen, Gedichte, Gespräche, Bilder. Texte von: Anne Bax, Karin Rick, Gwendolin Altenhöfer, Regina Nössler, Stephanie Kuhnen, Jule Blum und Elke Heinicke u.v.a.m.

Na, diese Autorinnen sind ja alle nicht als frauenmordende Schweinskram-Autorinnen bekannt, die am liebsten Sex auf der Streckbank haben …

Und die Bilder stammen u.a. von der Fotografin Anja Müller, sie ist ein der bekanntesten Fotokünstlerinnen hier in Deutschland, siehe ihre Webseite www.anja-mueller-fotografie.de und von Martina Minette Dreier, viele dürften sie über ihr Projekt Doing gender kennen. Und auch diese Beiden sind nicht bekannt für ihren direkten Draht zu hetero-sexistischen Pornowelt!

Blättern wir also mal hinein:

Das Schwerpunktthema dieses Bandes ist „Langzeitbeziehungen“. Da prickelt ja allein schon das Wort zwischen den… 🙂 Lesbische Pin-ups sind ein weiteres wichtiges Thema. Nun ja. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Die Fotos und Bilder

Auffallend schön sind die 8 Frauen-Portraits auf den Seiten 152 – 159, fotografiert vom spanischen Fotografen Alexis W. Da die Bilder sehr schön sind, stört es mich persönlich nicht, dass sie von einem Mann aufgenommen wurden, aber natürlich wäre mir lieber, alle Fotos wären durchgängig von einer Frau… Aber immerhin sind die Motive durchgängig weiblich – obwohl, bei ca. 150 Bildern insgesamt ist auch ein Miniaturdildo zu sehen, bei Del LaGrace Volcano (wo sonst?!) auf Seite 121. Das Bild ist allerdings eher ein „Suchbild“. Ach, jetzt habe ich auf Seite 40 noch ein paar kleinformatige Fotos gefunden, auf denen kaum etwas zu erkennen ist. Diese Seite sollte die zart besaitete politisch-korrekte (ZBPC) Lesbe besser überblättern!

Das Bild lesbischer Füße auf Seite 151 hätte auch im LesbenringInfo oder im Begleitheft eines Lesbenfrühlingstreffens erscheinen können und das Foto von Chloe Atkins auf Seite 101 haben wir neulich bereits in der L-Mag bewundert. Zwei, drei Fotos zeigen lesbische Vampirinnen und ein paar Fotos zeigen eine beliebte lesbische Blümchensex-Praktik. Süüüüüüß!!!!

Die Texte

Kommen wir zu den Texten: Auch hier mag manche Leserin überrascht sein: Die Geschichten hören auf, bevor es richtig zur Sache geht. Dadurch sind die meisten äußerst erotisch, denn der Rest bleibt der eigenen Phantasie überlassen. Und diese anzuregen, gelingt einem großen Teil der Erzählungen. Wobei es nicht nur um Sex geht. Es geht auch um Politik, um Identität, um Einsamkeit, um Mütter/Töchter, natürlich um Langzeitbeziehungen und um die Frage: Gibt es lesbische Pin-ups?

Die Autorinnen

Die Autorinnen von Mein lesbisches Auge lesen sich übrigens wie ein Who-is-Who der lesbischen Lesekultur. Neben den bereits oben in Band 8 Erwähnten finden wir in diesem und den anderen Bänden:

Sandra Wöhe („Giraffe im Nadelöhr“), Regina Beyer („Die Beschützerin“ und „Katzenfrühstück“), Patricia Kay Parker („Und plotzlich gab es sie“), Ulrike Voss („Alicia“), Corinna Waffender, Litt Leweir („Migräne“), Silvy Pommerenke („Küsse in Pink. Das Lesbische Coming-out-Buch“), Andrea Karimé („Fatina. Die Anziehung“), Inge Lütt u.v.a.

Fazit

Mit lesbischen Freundinnen über lesbischen Sex zu sprechen kann äußerst zäh und unergiebig sein. Alternative: Greif selbst zur Feder! Etwas für Mein lesbisches Auge 9 zu schreiben ist bis 31.12.2009 noch möglich und äußerst erwünscht: Hier der Aufruf.

Und *nur* lesen geht natürlich auch – hier ein Überblick über alle bisher erschienenen 8 Bände.

Links und Quellen: