Wirtschaftskrise, Finanzcrash und zunehmende Schwierigkeiten für innovative Unternehmens-Ideen – da überlegten sich zwei schwule Investmentbanker, ein spezielles Angebot für LGBT-Anlagen einzurichten: LGBT Capital.

LGBT Capital spezialisiert sich auf Unternehmensberatung und Vermögensverwaltung für die Bereiche lesbischer, schwuler, bi- oder transsexueller Konsumentinnen und Konsumenten und gehört zur Galileo Group, einem internationalen Unternehmen mit Niederlassungen in London und China.  Geplant ist eine klare Ausrichtung auf LGBT Unternehmen. Dahinter steckt die Überlegung, dass mit zunehmenden Rechten für LGBT Lebensweisen das Interesse an Investitionen wächst, um den neuen, selbstbewussteren Markt zu füttern. Das Spektrum der Angebote soll die Finanzierung neuer Unternehmen ebenso umfassen wie Unterstützung bei der Expansion oder Geldanlagen.

Für 2010 ist ein spezieller LGBT Investment Fonds geplant, also ein Fonds, der in Unternehmen mit lesbischer, schwuler, bi- oder transsexueller Ausrichtung investiert.

Unstreitig ist, dass Lesben Geld haben: weniger als Schwule vermutlich, wegen der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen weltweit … nichtsdestotrotz: Lesben machen teure Urlaube, kaufen sich Eigentumswohnungen, Autos, Häuser, Anteile in Wohnanlagen, Kleider, Schmuck, Kultur … und einige Lesben wollen ihr Geld in Aktien und Beteiligungen anlegen. Bisher gibt es Umweltfonds und ethisch orientierte Geldmarktfonds, die auch darauf achten, dass Antidiskriminierungsregeln eingehalten werden. Was es noch nicht gibt ist eine Geldanlage, die explizit auf Unternehmen ausgerichtet ist, die am Regenbogen-Markt wachsen wollen.

„LGBT-orientierte Geschäftsleute haben häufig den Wunsch zu expandieren, aber mitunter fehlt es an Erfahrung, der richtigen Kapitalstruktur oder dem Know-How, um eine Finanzierung zu bekommen“,

sagte Paul Thompson, einer der Gründer von LGBT Capital.

„Wir glauben, dass es eine bemerkenswerte Chance ist, das finanzielle Fachwissen, das typischerweise im Investment Banking vorhanden ist, LGBT Unternehmen zur Verfügung zu stellen, was im Gegenzug hochwertigen Unternehmen eine gesicherte Finanzierung ermöglicht.“
(zitiert nach Cyrus Sanati: Galileo Sets Up …)

Im – heterosexuellen – Mainstream ist die Macht des Geldes, das Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ausgeben, wohl bekannt, das sieht man an Werbung, die sich im- oder explizit an die eine oder andere Zielgruppe richtet. Gleichzeitig ist es schwierig für Unternehmen, die mit LGBT-Ausrichtung gegründet werden, eine adäquate Finanzierung zu finden, weil die Zielgruppe für die meisten Banken ein Buch mit sieben Siegeln ist und die Erfolgschancen für die Sparkasse um die Ecke oder für die Wirtschaftsförderung im Ministerium schwer einzuschätzen sind.

Die Mutterfirma Galileo verweist auf eine britische Studie, die deutlich macht, dass 80% der Unternehmen, die sich an die lesbische, schwule, bisexuelle und trangender Community in London richten, einen Mangel an Fachwissen über Finanzierungsmöglichkeiten beklagen. Gleichzeitig finden potenzielle Geldgeberinnen und Geldgeber aus derselben Zielgruppe keine passenden Anlagemöglichkeiten.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ein paar schwule Investment-Banker den Schritt wagen.

An uns Lesben liegt es, ob es beim „pink Dollar“ bleibt oder ob noch ein paar „lila Euros“ fließen!
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Links und Quellen:

  • Julie Bolcer: LGBT Capital Fund First for Gay Market, Advocate.com, 4.2.2010
  • Cyrus Sanati: Galileo Sets Up LGBT Capital for Gay Market, DealBook, The New York Times, 4.2.2010
  • Homepage von LGBT Capital, lgbt-capital.com