Die Diskussion darüber, ob, in welchem Umfang und wie lesbische Frauen beim Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin berücksichtigt werden ist weit unter akzeptablem Niveau. Es ist wirklich nicht notwendig, alle zwei Jahre zu debattieren, ob Lesben im deutschen Faschismus doll genug verfolgt wurden um genauso, etwas weniger, am Rande oder gar nicht neben den zweifellos üblen Repressionen ausgesetzten Schwulen erwähnt zu werden.

Die Debatte wurde leider in der Planungsphase weder besser noch klarer; dies mag vielleicht auch in der etwas zögerlichen sowohl-als-auch Stellungnahme des Lesben- und Schwulenverbands LSVD begründet sein, die zwar gut klingt,  für die konzeptionelle Vorbereitung des Mahnmals jedoch – eigentlich – gar nichts aussagte:

„Die Praxis der Nazis gegenüber homosexuellen Frauen und homosexuellen Männern war sehr unterschiedlich. Für das Gelingen des Denkmals müssen diese Unterschiede gewusst werden. Gleichzeitig ist aber zu vermeiden, dass das Denkmal ausschließenden Charakter bekommt, lesbische Frauen sich vielleicht nicht angesprochen fühlen.“ (zitiert nach Wikipedia, 13.12.2009)

Hmmm.

Aktuell ist das Thema übrigens deshalb, weil am 9. Januar 2010 die Ausschreibungsfrist für das neue Video im Inneren des Denkmals endet. Das Konzept beinhaltet, dass turnusmäßig nach zwei Jahren mit einer Ausschreibung ein neues Video-Kunstwerk ausgewählt wird. Einer der Gründe für diese Entscheidung war der Protest dagegen, dass mit dem ersten Video – es zeigt zwei küssende Männer – lesbische Frauen nicht abgebildet werden.

Kein Wunder, dass schwule Männer wie Eberhard Zastrau wütend sind, wenn die Unterschiede zwischen der Repression gegen schwule und der gegen lesbische Lebensweisen nicht klar hervortreten:

Es wäre sicher auch schwer geworden, offiziell zu verkünden, dass auf der einen Seite der Berliner Ebertstraße an sechs Millionen ermordete Juden erinnert wird, während auf der anderen Straßenseite unter der gleichen Überschrift „Verfolgung in der Nazi-Zeit“ daran erinnert wird, dass Lesben ihrer Zeitschriftenlektüre verlustig gingen. (zitiert nach queer.de, 13.12.2009)

Zur Enthüllung des Mahnmals im Mai 2008 gab es schon mal einen Beitrag bei L-talk, der – mit allerlei Hintergrund unterlegt – etwas sarkastisch anmerkt:

Nun ist es vielleicht naiv, anzunehmen, dass es immer noch besser ist, nicht systematisch verfolgt und ermordet worden zu sein, selbst wenn eine deshalb Gefahr läuft, später kein Denkmal zu bekommen.

Leider legt ein Teil des lesbisch-feministischen Diskurses zum Mahnmal das Gegenteil nahe. Liest sich, als würden wir das Wort „Opfer“ hören und reflexhaft ausrufen „ich auch!“

Mit-Feministinnen: Frauen sind und waren historisch sehr oft Opfer von politischer, struktureller, gesellschaftlich akzeptierter, geförderter, kulturell gestützter Gewalt. Wäre es vielleicht möglich, den schwulen Männern ohne Gezacker das Gedenken an ihre systematische Verfolgung im Nationalsozialismus zuzubilligen?

Für die Hunderttausende lesbischen Frauen und schwulen Männern, die darüber hinaus im Faschismus staatlicher Repression ausgesetzt waren und dadurch ihre Kultur, ihren Zusammenhalt und ihre sozialen und gesellschaftlichen Ressourcen verloren, lässt sich ganz sicher auch eine angemessene Würdigung finden … ob gemeinsam oder getrennt.

Links und Quellen: