Als „obdachlose Prostituierte mit Universitätsabschluss“ bezeichnen sie Sabine König und Anne K. Jung 2003 in lespress.

Bekannt wurde Valerie Solanas durch ihr „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer S.C.U.M“ (1968), eine radikale und militante Abrechnung mit dem herrschenden Konzept von Männlichkeit.
Und noch bekannter wurde sie durch ihr Attentat auf Andy Warhol.
„I shot Andy Warhol“ – mit diesen Worten stellte sie sich der Polizei, nachdem sie ihn am 3. Juni 1968 mit einer Kugel schwer verletzt hatte. Warhol überlebte bekanntlich … sogar gar nicht so schlecht.
Als „nicht praktizierende Lesbe“ bezeichnete sich Valerie Solanas – und verwahrte sich dagegen, dass das ihre lesbische Identität reduziere :

„The part where she said, ‚ She’s a man-hater, not a lesbian‘ . . . . I thought that was just totally unwarrented. Because I have been a lesbian . . . Although at the time time I wasn’t sexual, I was into all kinds of other things. . . . The way it was worded gave the impression that I’m a heterosexual, you know. . . . „

(zitiert nach Freddie Baer: About Valerie Solanas, womynkind.org)

Valerie Solanas … sie mochte wirklich keine Männer:

„Obwohl er von Schuld- und Schamgefühlen, Angst und Unsicherheit aufgefressen wird und – wenn er sich glücklich fühlt – nur ein kaum wahrnehmbares körperliches Gefühl aufbringt, ist der Mann gleichwohl wie besessen aufs Vögeln aus; er wird durch einen See voll Rotz schwimmen, meilenweit durch bis zur Nase reichende Kotze waten, wenn er nur glaubt, dass am anderen Ufer ein freundliches Vötzchen auf ihn wartet. Eine Frau, die er verachtet, wird er trotzdem vögeln, irgendeine zahnlose alte Hexe, und darüber hinaus für diesen Glücksfall noch bezahlen.
Warum? Um die physische Spannung loszuwerden? – das ist keine Antwort, denn dafür genügt die Onanie. Auch zur Stärkung des eigenen Ich dient es nicht – das würde nicht erklären, warum er Leichen und Säuglinge fickt.“

(Valerie Solanas: Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer S.C.U.M, Rowohlt, 1983, S. 23f)

Valerie Solanas existiert als kulturelles Relikt. Ist sie ernst zu nehmen? Ist sie wörtlich zu nehmen? Macht es einen Unterschied? Ich habe keine Ahnung.
Nancy Hulse, Performance-Künstlerin und Betreiberin der Seite Womynkind.org hat übrigens den kompletten Originaltext S.C.U.M – Society for Cutting Up Men online gestellt.
Valerie Solanas starb am 26. April 1988 in einem Obdachlosenasyl – zwanzig meist entsetzliche Jahre nach dem Attentat, 20 Jahre, die sie auf der Straße, in Slums und immer mal wieder in der Psychiatrie verbracht hatte.

Interessant fand ich bei alldem auch, auf der Literaturlandkarte zu lernen: Wer Valerie Solanas liest, liest sehr wahrscheinlich auch Alan Dean Foster, Sylvia Plath, Sartre und Douglas Adams. Was für Beliebigkeit spricht … oder für einen ausgeprägten Sinn für Punk.

Aber das ist ebenfalls ein anderes Thema.
Bildquelle (cartoon): signal fire – a blog for the art of social change, http://wiki.provisionslibrary.org/blog/index.php/category/pop-culture/page/2/