„Wenn jede Frau im LSVD auch nur eine einzige weitere werben würde, könnten wir die Männer sogar zahlenmäßig überrunden“

LSVD Vorstandsfrau Annette Heckersagte Annette Hecker anlässlich ihrer Wiederwahl in den LSVD-Bundesvorstand am Wochenende in Berlin. Das neue Grundsatzprogramm würde es politisch auch hergeben. Schluss mit der Sonderstellung! Im bisherigen Programm wirkte das „L“ noch ein wenig nachträglich ‚rangeklatscht (war es ja auch) … das neue ist mehr aus einem Guss. Zu verdanken ist das in erster Linie LSVD-Vorstandsmann Günter Dworek, der zusammengetragen hat was zusammengehört.

„L ist gut, S ist gut, L+S ist perfekt!“

war eine der positiven Stimmen, die beim vorangegangenen Verbandstag anlässlich der Umfrage 10 Jahre „L“ im LSVD gar nichts auszusetzen fand.

Seit 1999 ist der LSVD für Lesben offen. Nach dem Beschluss im März 1999 wurden Name, Satzung und Programm ergänzt und das merkte man dem alten Programm auch an.

Dagrasers neue Programm verabschiedet sich endgültig von der Nabelschau und beginnt mit ganz weitem Horizont, mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Auch die Heteronormativität gehört der Vergangenheit an. Wo das alte Programm noch didaktisch daherkam und versuchte, die Unterschiede zur „Normalbiografie“ zu erklären, setzt das neue ganz auf Vielfalt als eigenständigen Wert. Die eigene Geschichte rückt in den Kontext einer Entwicklung, die weltweite Gleichberechtigung aller sexuellen Identitäten anstrebt.

Ein dritter Abschied ist der vom Forderungs-Klein-Klein, das mit dem neuen Programm durch größere Linien und politische Ziele ersetzt wird: Gleiche Rechte sind ganz wichtig, Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und Ehe, Aufnahme in die Verfassung, die Orientierung weg vom Opferstatus und immer wieder die klare Benennung von Verantwortlichkeiten für die Bekämpfung jeder Form von Homophobie und Benachteiligung.

Kein Weg zu weit, kein Opfer zu groß: Schatzmeisterin Uta Kehr stürzt sich heldinnenmütig sogar ins L-Beach Festival am Weißenhäuser Strand, um für den LSVD Flagge zu zeigenAn prominenter Stelle stehen die Familienthemen, die für viele Lesben zentrale Bedeutung haben: Für die Älteren, von denen viele aus heterosexuellen Beziehungen Kinder mitbringen und für die Jüngeren, die Familie oft selbstverständlich finden. Generationenfragen sind aufgenommen, die Rechte von Migrantinnen, von Menschen mit Behinderung, Rechte für transsexuelle und intersexuelle Menschen.

Das neue Pogramm wird in den nächsten Tagen online gestellt, wenn die beschlossenen Änderungen eingebracht sind. Wir verlinken es dann hier.

Eine Website mit Entwicklungspotenzial: Lesben als Sonderform schwulen Lebens? Was dringend mal erneuert gehört ist die Repräsentation auf der Website des Verbandes … es geht nicht an, dass Lesben unter „Lebensformen“ gelistet sind, als sei das Schwule die Norm und wir ein Sonderfall.

Wann, wenn nicht jetzt?

Wäre auch schade, wenn es nix mehr zu tun gäbe!

UPDATE 15. April 2010:
Die LSVD-Pressestelle hat prompt reagiert und die lesbischen Seiten besser verlinkt, siehe Kommentar der LSVD-Pressesprecherin Renate Rampf unten.

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UPDATE 25. April 2010:
Das neue Programm des LSVD zum Download

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Links und Quellen: