Natalie Clifford Barney (* 31. Oktober 1876 in den USA) war Dichterin, Autorin und Begründerin eines berühmten Literarischen Salons in Paris.

Gelangweilt von den rigiden Normen der Washingtoner Oberschicht, erinnerte sie sich sehnsuchtsvoll der europäischen Freiheiten, die sie bei zahlreichen Reisen in ihrer Jugend kennengelernt hatte. Im Alter von 24 Jahren machte sie sich auf den Weg nach Paris.

„Sie erlernte die französische Sprache perfekt und machte ab 1909 aus ihrem Freitagssalon mit den berühmten Gurkensandwiches, zu dem bis zu 150 geladene Gäste kamen, einen der wichtigsten Treffpunkte für französische und amerikanische Intellektuelle (u.a. Djuna Barnes, Gertrude Stein, Colette, Marcel Proust, Paul Valéry, André Gide). Mit ihrer “Académie des Femmes,” dem weiblichen Pendant zur Männerinstitution der Académie Française, schuf sie vielen jungen Schriftstellerinnen und Künstlerinnen ein Forum, in dem sie ihre Werke öffentlich vorstellen konnten,“

schreibt Andrea Schweers bei fembio.org.

Barney war bekannt für ihre mutigen offenen lesbischen Beziehungen zu der Dichterin Renée Vivien, der Tänzerin Liane de Pougy und der Malerin Romaine Brooks. Sie war – in Theorie und Praxis – eine Vertreterin non-monogamer Beziehungen. Ihre letzte Liebhaberin soll sie, neunundsiebzigjährig, auf einer Parkbank auf der Avenue des Anglais in Nizza getroffen haben, schreibt Anna Livia.

Natalie Clifford Barney war Vorbild für emanzipierte lesbische Frauen und findet sich in vielen Romanen ihrer Zeit wieder, so unter anderem als Annie in Colettes abschießendem Claudine Roman Claudine geht (org. Claudine s’en va) und als Valerie Seymour in Radcliffe Halls Quell der Einsamkeit.

Ihre Memoiren und literarischen Portraits umfassen viele der Lesben und Schwulen, die Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Pariser Salons besuchten: Colette, Andre Gidé, Lucie Delarue Mardrus, Gertrude Stein, Djuna Barnes, Romaine Brooks, Oscar Wilde, Marcel Proust. Ihr Werk verbindet die vehemente Parteilichkeit für homosexuelle Lebensweisen mit der für sie charakteristischen Offenheit und Begeisterung.

Natalie Clifford Barney starb am 24. April 1972 im Alter von 95 Jahren in Paris, im selben Haus in der Rue Jacob 20, in das sie 50 Jahre lang zu ihren berühmten Literarischen Salons eingeladen hatte.

Links und Quellen:

  • Natalie Clifford Barney bei Wikipedia
  • Andrea Schweers: Natalie Clifford Barney, Biographie bei Fembio, fembio.org (heruntergeladen am 31.10.2011)
  • Anna Livia: Barney, Natalie Clifford (1876-1972), glbtq an encyclopedia of gay, lesbian, bisexual, transgender, & queer culture, glbtq.com (Download 31.10.2011)
  • Elizabeth A. Sackler Center for Feminist Art: The Dinner Party: Place Setting: Natalie Barney, Brooklyn Museum (heruntergeladen am 31.10.2011)