Die Mary Gauthier Privatsammlung :-)Neue CD Lieferungen von dem wunderbaren Independent CD Versand CD Baby aus den USA sind mit großen Erwartungen behaftet – nach all den Jahren immer noch.

Dieses Mal drehte sich die mehrwöchige Warterei vor allem um das neue autobiografische Album von Singer / Songwriter Mary Gauthier, The Foundling – Findelkind.

Mary Gauthier (ausgesprochen: Go-shay) habe ich vor Jahren entdeckt, wahrscheinlich beim Verfolgen von Link zu Link auf interessanten Websites in den Weiten des Internet auf der Suche nach etwas ganz anderem. Ich bin nicht mehr von ihr losgekommen. Country Noir hat der Rolling Stone Mary Gauthiers Musik mal genannt, und das passt perfekt auch für ihre neueste Veröffentlichung.

Erstmal vorweg: musikalisch ist die CD super.

Das Thema ist schwierig. Mary Gauthier:

Die Lieder erzählen die Geschichte eines Kindes, das bei der Geburt verlassen wurde, das ein Jahr in einem Waisenhaus verbrachte und adoptiert wurde, das von dem Adoptiv-Zuhause weglief und im Showbusiness landete, das spät im Leben nach den leiblichen Eltern suchte, ein Elternteil fand und abgelehnt wurde, und das alles überwand und am Ende all dessen immer noch an die Liebe glaubt.

Mary Gauthiers Rettung war die Musik. Tatsächlich riß sie mit 15 aus, brachte eine umfassende Drogenkarriere hinter sich, besetzte Häuser und tingelte durch die Bars und Kaschemmen, bis sie mit Mitte 30 endlich ihre erste CD veröffentlichte. Zwei Jahre später, 1999, folgte das bemerkenswerte Album Drag Queens in Limousines, das Mary Gauthier den Weg in die erste Liga der Singer-/Songwriter Szene ebnete. Die Scheibe erhielt vier Sterne im Rolling Stone und räumte viele Preise ab, darunter den für die beste Country Sängerin bei den Gay and Lesbian American Music Awards, GLAMA.

Meine persönlichen Lieblingsalben von Mary Gauthier sind Mercy Now (2005) und Between Daylight and Dark (2007), die beide bei dem anerkannten Label Lost Highway veröffentlicht wurden. Beide sind gelassener als die ersten Veröffentlichungen, sie sind musikalisch perfekt mit gerade der richtigen Spur Extravaganz. Das ruhige Falling Out of Love geht unter die Haut. Mary Gauthiers Lieder geben sich mit einfachen Gefühlen nicht ab, auch wenn sie scheinbar leicht daherkommen wie bei I Ain’t Leaving oder bei einem anderen Lieblingsstück, Last of the Hobo Kings. Autobiografische Elemente haben auf allen Alben Raum, wie im Stück Can’t Find the Way von 2007. Dass Verzweiflung so schön klingen kann!

2008 veröffentlichte sie ein Best Of, Genesis (The Early Years), auf dem tatsächlich viele der Stücke versammelt sind, die man vermissen würde, hätte man sie nicht.

Mit The Foundling von 2010 schließt sich der Kreis. Kompromisslos autobiografisch handelt das Album von Mary Gauthiers Leben und von nichts anderem:

Ich habe herausgefunden, dass wir alle Suchende sind, wir suchen nach Bedeutung in Leben, die keine Garantien bereit halten. Meine leibliche Mutter und meine Adoptivfamilie liebten mich so gut sie konnten und ich bin dankbar für die Opfer, die sie gebracht haben. Ich habe ein gutes Leben. Es war ein langer Weg und ich habe länger dafür gebraucht als mein Stolz zulassen möchte, aber heute lebe ich in Frieden mit mir, dankbar für jeden geborgten Tag.

Mary Gauthier tourt zurzeit mit The Foundling in den USA und kommt im November nach England und Schottland.

Links und Quellen:

  • Homepage von Mary Gauthier, marygauthier.com (dort stammen auch alle Zitate her)
  • Tourdaten 2010
  • 2002 war Mary Gauthier auf Tour in Deutschland, damals hat ist bei lespress ein ausführliches Interview mit ihr erschienen, lespress.de
  • Karman Kregloe hat Mary Gauthier 2007 für Afterellen interviewt: afterellen.com