Ob es neu? Neuentdeckt ist das Angebot „Frankfurt am Main für Schwule und Lesben (GLBT)“ jedenfalls.

Der Verdacht, dass das Wort „Lesben“ erst irgendwie später dazugefügt wurde, lässt sich kaum von der Hand weisen, zumal der ursprüngliche Seitenname „Schwules Frankfurt – Frankfurt Gay Guide“ noch im Browser zu lesen ist. Das Faltblatt kommt so unlesbisch daher, dass der Wunsch, den bedauernswerten, von lesbischer Kultur bislang ungestreiften Autorinnen und Autoren Mut für die nächste Auflage zuzusprechen, unbezwingbar wurde.  

Folgendes kam dabei heraus:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Besucherin die häufig in Frankfurt ist finde ich ein touristisches Angebot „Frankfurt am Main für Lesben und Schwule“ interessant. Die Idee, ein Faltblatt zu machen, das mal eine andere Gruppe anspricht als heterosexuelle (Ehe)paare, finde ich sehr gut. Ich finde an Ihrer Broschüre gut, dass viele allgemeine Hinweise enthalten sind: Immerhin brauchen wir Lesben zum Beispiel keine gesonderten Museen, sondern sehen auch sehr gern Ausstellungen in heterosexuell geführten Häusern an, wenn sie gut sind. Ich habe mich über die Hinweise zu dem für Norddeutsche etwas außergewöhnlich anmutenden „Wäldchestag“ ebenso gefreut wie über die Dippemess.

Über die allgemeinen, Heterosexuelle ebenso wie Homosexuelle ansprechenden Angebote hinaus habe ich mich dagegen überhaupt nicht gefreut. Es sind nämlich schwule Angebote, bei denen Lesben, wenn überhaupt, nur am Rande „mitgemeint“ sind. Die wenigen explizit lesbischen Orte in der Stadt, wie das „La Gata“ oder die Lesbenberatung fehlen sogar völlig. Da kenne sogar ich als Besucherin mehr Lesbisches in der Stadt als die Fachleute vor Ort. Wie kann das sein?

Sehr geehrte Damen und Herren, keineswegs verkenne ich die gute Absicht. Ich möchte aber deutlich sagen: Als Besucherin, die gern in Frankfurt ist und die gern Geld in Frankfurt ausgibt, möchte ich, wenn es schon ein Angebot gibt, das sich dem Titel nach auch an mich richtet, etwas ernster genommen werden. Wenn lesbisch drauf steht, sollte auch lesbisch drin sein, wenn eine Lesbe angesprochen wird, sollte das Faltblatt auch die wesentlichen Lesbenorte enthalten. Nur pro forma reicht nicht und irgendwie „mitgemeint“ reicht auch nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Ja, ja, Frankfurt ist nicht Berlin oder Stockholm oder Amsterdam, aber ein bisschen mehr wäre schon schön gewesen!

UPDATE 22. MÄRZ

Sehr freundlich, wenngleich konsequent männersprachlich erhielt ich folgende Antwort:

vielen Dank für Ihre Mail und Ihr Interesse an der Stadt Frankfurt am Main.

Wir freuen uns, dass Sie ein häufiger Besucher unserer Stadt sind und dass wir mit unserer Idee, mit unserer neuen Broschüre auch und insbesondere lesbische uns schwule Besucher anzusprechen auf Ihre Zustimmung stoßen.

Dieses Produkt ist für uns ein erster Schritt in dieser Richtung und natürlich sind wir für jede Anregung und kostruktive Kritik offen und freuen uns darüber. Wie Sie eventuell der Presse entnommen haben, wurde unsere Broschüre zunächst in kleiner Auflage veröffentlicht, weil wir natürlich wissen, dass wir Rückmeldungen und Kritiken unser Angebot erweitern und verbessern können.

Dass für Sie relevante Orte fehlen, bedauern wir sehr. Wie wir jedoch im Impressum erwähnen, übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und sicherlich wird es immer schwierig, die vollständige Produktpalette abzubilden aber natürlich sind wir für Vorschläge und Tipps offen.

Wir freuen uns, Sie bald wieder als Gast in unserer Stadt begrüßen zu dürfen.

Das ist doch nett, oder? Ich freue mich auch.

Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass die Tourismus und Congress GmbH Frankfurt am Main rechtzeitig alle wichtigen Informationen erhält und dann …

Links und Quellen: