Im Zuge der Mädchenmannschaftswoche  befassen wir, Joni.T und Konny, uns heute mit einer Lesbolyse von Mädchenmannschaftsbeiträgen. Anschließend erzählen wir, was wir schon immer mal über lesbische Sichtbarkeit in feministischen Zusammenhängen ganz allgemein schreiben wollten.

Schon mal vorweg, weil uns das sehr wichtig ist, die Mädchenmannschafterinnen sind ganz ausdrücklich und wunderbar lesbenkompatibel. Sie bewältigen lesbische und queer-feministische Diskurse gleichermaßen virtuos. Mit Konnys Lesbenseiten, mit L-talk, mit lesbischen Bloggerinnen könnte es gar nicht besser klappen. Darum geht es in diesem Beitrag nicht. Es geht darum, wie Lesben und lesbisches Leben in den Beiträgen der Mädchenmannschaft vorkommen und darum, wie dort von und über Lesben berichtet wird. Außerdem geht es um Bezüge zwischen dem Lesen der Mädchenmannschaft und anderen lesbischen Erfahrungen in feministischen Zusammenhängen. 

Die Mädchenmannschaft, das sei hier schon mal gesagt, präsentiert sich in den letzten beiden Jahren deutlich lesbischer als in ihren frühen Jahren. In ihrem Feministischen Lexikon  kam das L-Wort noch nicht vor, in den Postings hat sich das deutlich und erfreulich geändert. Lesben-positiv waren die Mannschaftsmädchen schon immer, Lesben kamen und kommen vor, Kurznachrichten; Meldungen, Erwähnungen waren immer gang und gäbe. Explizit mit Lesben und lesbischem Leben befassten sich in den ersten Jahren jedoch kaum Beiträge und auch jetzt sind es nur wenige, darunter:

Dazu kommen Berichte und Kurzmeldungen über Themen, die neben vielen anderen auch lesbische Aspekte haben, z.B.

Ob und wofür das reicht? Schwer zu sagen. Bei L-talk und lesben.org machen wir immer wieder deutlich, dass Lesben, wie andere marginalisierte Randgruppen, nicht automatisch mit-gedacht sind, wenn wir mit-gemeint sind und umgekehrt.

Nun ist Mädchenmannschaft kein lesbisches Blog, sondern ein feministisches, aber gerade diese Differenzierung ist bitter für eine, die mal gestartet ist mit Vorstellungen von einem lesbisch-feministischen Kontinuum, von gemeinsamen Biografien, Interessen, Leidenschaften und Politiken.  Diese Träume endeten dort, wo letztlich die Lesben übrig geblieben sind, die jahraus, jahrein Solidarität mit Heteras üben, in Frauenberatungsstellen, Frauenhäusern, Frauengesundheitszentren, die anfangs sehr von Lesben mitbestimmt wurden – weniger wegen der gleichen Biografien, sondern wegen der Parteilichkeit. Vor einiger Zeit hat eine Lesbe bei uns in der Stadt die Pflanzung einer Hecke auf dem Gelände des neuen Frauenhauses organisiert, das wäre nämlich sonst sehr, sehr teuer geworden. Und dann waren da an einem kalten Samstag im November so 20, 30 Lesben, die eine Hecke pflanzten. Es ist noch immer ein grummeliges Gefühl im Magen, dass wir das für Heteras getan haben, von denen die meisten wieder zu ihrem schlagenden Ehemann zurückkehren und von denen ebenfalls die meisten das gleiche nicht für eine Einrichtung von uns getan hätten – für eine Einrichtung, die Lesben dabei hilft, negative und brutale Auswüchse ihrer lesbischen Beziehungen zu überstehen, aus denen sie sich doch nicht lösen können oder wollen. 1980 schrieb Alexandra von Grote noch über „die Euphorie, endlich offen leben zu können in den Bewegungszusammenhängen, und (den) Stolz, dass die Heterofrauen der Bewegung haufenweise unsere Lebensformen annahmen (…)“. Was ist daraus geworden und wo ist es geblieben?

Immer wieder wird in feministischen Zusammenhängen diskutiert, dass eine Zielgruppe „verschreckt“ ist, wenn ein Projekt, eine Aktivität, eine Mannschaft „zu lesbisch“ wirkt. Lesben innerhalb solcher Zusammenhänge sind allzuoft bereit, sich dann zurückzunehmen um weniger sichtbar lesbisch zu sein. Positives Gegenbeispiel ist die deutsche Fußballnationalmannschaft: Diesen Frauen war es letztlich völlig recht, auch mal für lesbisch gehalten zu werden, und passiert ist, welch Wunder, überhaupt nichts. Die Leute haben sich daran gewöhnt. Und die Fußballerinnen, ob lesbisch oder hetera oder egal, haben bewiesen, dass sie keineswegs „aufs Lesbischsein reduziert“ wurden: Wer ist denn überhaupt auf die Idee gekommen, dass das eine Reduzierung sein soll? Stimmt doch gar nicht! Es ist das pralle Leben! Mehr Mut zu positiver Selbstzuschreibung!

Die Mädchenmannschaft jedenfalls ist ein feministisches Blog, in dem lesbische Themen Raum finden und in dem die Beiträge zu lesbischen Themen zu den besten gehören. Das ist große Klasse. Lesbisch sein lebt auch davon, Orte zu finden, wo es ganz normal ist, oder, anders ausgedrückt: Es kann Gutes im Guten geben.

Nach alledem muss ein femiparanoider Gedanke auch noch erlaubt sein: Wie lange die Mädchenmannschafterinnen wohl gebraucht haben, um ein soooo langes Wort zu finden, in dem kein einziges L vorkommt?

Links und Quellen: