Lida Gustava Heymann wurde am 15. März 1868 in Hamburg geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der radikalen Frauenbewegung in Deutschland.

1896 lernte sie auf dem ersten Internationalen Frauenkongress in Berlin ihre spätere Lebensgefährtin Anita Augspurg kennen.

Die Partnerinnen gründeten 1902 in Hamburg den ersten deutschen Verein für Frauenstimmrecht. In den bestehenden Frauenorganisationen wurde das Frauenstimmrecht damals noch kontrovers diskutiert. Gefordert wurde es bis zu diesem Zeitpunkt lediglich von der sozialdemokratischen Partei, die es 1918 schließlich durchsetzte. Ungeachtet dieses gemeinsamen Ziels kam es zwischen den radikalen Frauenrechtlerinnen um Lida Gustava Heymann und jenen in der proletarischen, sozialdemokratisch geprägten Frauenbewegung um Clara Zetkin zu keiner Annäherung, weil letztere die Befreiung der Frauen in Folge der Befreiung der Arbeiterklasse anstrebten und darüber hinaus die ökonomische Situation von Frauen besonders im Fokus hatten – ein Blickwinkel, der für die Lebenswirklichkeit der oft gut situierten Feministinnen der bürgerlichen, radikalen Frauenbewegung weniger dringend war.

„Es ist nicht die Aufgabe der Frauen, sich ins Schlepptau politischer Männerparteien nehmen zu lassen,“

sagte Lida Gustava Heymann dazu (zitiert nach Smaragdgrüne Worte).

Augspurg und Heymann gaben von 1919 bis 1930 die Zeitschrift „Frau im Staat“ heraus. Heymann, deren Vater ihr ein Millionenerbe hinterlassen hatte, engagierte sich für Kinderbetreuung ebenso wie für die Rechte von Prostituierten, gründete und finanzierte ein Frauenzentrum und Berufsverbände für Frauen.

Sie gehörte zum so genannten radikalen Flügel der Frauenbewegung, der heute unter den Begriff Gleichheitsfeminismus gefasst würde:

„Diese willkürlich, aber schlau erfundene Einteilung männlicher und weiblicher Eigenschaften wurde durch Jahrhunderte von den Männern solange gepredigt und der Frau suggeriert, bis die domestizierten Weibchen sie gläubig anbeteten, ohne der vielen lebendigen Gegenbeweise zu achten.“

(zitiert nach FrauenMediaTurm)

Lida Gustava Heymann: Recht gegen Gesetz

Legendär sind Heymanns Mut gegenüber staatlichen Autoritäten und ihr Wille, ihr Recht durchzusetzen. So erkämpfte sie 1896 das vom Vater hinterlassene Erbe gegen geltendes Recht, indem sie einen Präzedenzfall aus dem 13. Jahrhundert nachwies. 1923 beantragte sie – bekanntlich vergeblich – die Ausweisung Hitlers aus Bayern. Sie verklagte den Hamburger Senat wegen Zuhälterei, trat gegen den § 128 ein und initiierte einen Steuerboykott von Frauen.

Im Faschismus

Der Nationalsozialismus war ein tiefer Einschnitt. Augspurg und Heymann hatten bereits im Jahr 1923 persönlich beim Bayerischen Innenminister die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler wegen Volksverhetzung beantragt, deshalb standen sie bei den Nationalsozialisten auf der „schwarzen Liste“ der zu liquidierenden Personen. So konnten sie 1933 nicht von ihrer Mittelmeerreise nach Deutschland zurückkehren. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, ihre Aufzeichnungen gingen verloren.

„Jetzt heißt es sich mit dem Nationalsozialismus kritisch auseinanderzusetzen, und das ist besonders für uns Frauen von größter Wichtigkeit, denn im Dritten Reich werden Frauen wieder, wie zu Wilhelms Zeiten, auf die drei K’s verweisen, zu Gebärmaschinen und zur Dienstmagd des Mannes erniedrigt.“

(zitiert nach Smaragdgrüne Worte)

Heymann und Augspurg lebten weitgehend mittellos, unterstützt von Freundinnen aus der Frauenbewegung in verschiedenen Ländern, ab 1937 in Zürich.

Lida Gustava Heymann starb am 31. Juli 1943 in Zürich.

Links und Quellen:

  • Irene Gronegger: Friede, Freiheit, Frauenrechte, an.schläge. Das feministische Magazin, 2006, anschlaege.at
  • Dünnebier, Ursula Scheu: Die Rebellion ist eine Frau/ Anita Augspurg und Lida G. Heymann, Das schillerndste Paar der Frauenbewegung, Heinrich Hugendubel Verlag, München 2002
  • Lida Gustava Heyman beim FrauenMediaTurm, frauenmediaturm.de
  • Andrea Schroder (Hrsg.): Smaragdgrüne Worte. Zitate frauenliebender Frauen, Norderstedt 2006
  • Lida Gustava Heymann – Wikipedia-Eintrag