Da bin ich auch schon wieder. Ach, so ein großer Bildschirm ist ja schon ein bißchen komfortabler als mein winziger „Delta-Flyer“! Zum Glück habe ich ja auf meinem Rechner hier zu Hause auch ein Internet ;-))

Nun zum finalen Höhepunkt des Lesbenfrühlingstreffens in Köln: das Abschlußplenum.

Wie erwähnt, gab es ja im letzten Jahr ziemlich heftige und kontroverse Diskussionen am letzten Tag des LFTs. Und wie war es in diesem Jahr??? Langweilig!!! Kein Zank, kein Streit, keine wilden Diskussionen, kein Geschrei, nichts. Okay, fast nichts.

Also:  es wollte in diesem Jahr keine ein Kind von der Moderatorin Katrin. Letztes Jahr wurden noch die entsprechenden Plakate hochgehalten, dieses Jahr sangen nur einige Frauen, dass sie Katrin auf immer und ewig lieben werden. (Allein Katrin ist schon ein Grund, das Abschlußplenum nicht zu verpassen! Sie ist von Haus aus theoretische Physikerin mit unbestreitbarem kaberettistischem Talent.)

Schon vor dem Abschlußplenum machte  das Gerücht die Runde, dass Rostock sich für den LFT 2011 melden würde, was sie dann auch taten (Das letzte LFT in Rostock ist auch schon wieder zehn Jahre her).

Es waren ca. 1000 Lesben da. Genaue Zahlen bezüglich der verkauften Dauerkarten wurden leider nicht genannt. Die Zahl ist eine Schätzung.

Wahrscheinlich wird das Kölner LFT „null auf null“ ausgehen. Also wohl keine Schulden gemacht haben.

Auf dem Abschlußplenum gibt es immer noch mal Lob und Kritik für die Organisatorinnen. Gelobt wurde, dass sie überhaupt in der Lage waren, mit so wenig Frauen das LFT stattfinden zu lassen. Dass es sehr schöne und gute Workshop-Angebote gab. Dass die Orga-Frauen trotz allen Stresses freundlich Auskunft gegeben haben. Dass die Räumlichkeiten für die Verkaufsstände sehr schön waren. Dass es in der Safia-Oase (nicht von der Orga gemacht, sondern von Safia) lecker Kaffee und Kuchen gab. Dass das Abendprogramm sehr gut war.

Zur Kritik: Orga-Frauen waren nicht immer erkennbar, da nicht alle von ihnen die üblichen roten Westen trugen. Warum wurde eine private Security-Firma beauftragt? Die Beschilderung war schlecht. Über dem Eingang zum Hauptgebäude hing nicht das Plakat „Lesbenfrühlingstreffen“ – mangelnde Sichtbarkeit. Bei der Abendveranstaltung in der Mensa waren Männer anwesend (Feuerwehrleute). Einige Workshops waren explizit nur für als Mädchen sozialisierte Frauen. Das Frühstück für die Frauen, die in der Turnhalle übernachteten, war nicht ausreichend. In der Turnhalle gab es nur eiskaltes Wasser zum Waschen. Das Catering bot kein Bio-Essen an, war zu fleischlastig, und ständig ausverkauft.

Einige Erklärungen der Orga-Frauen: es gab für die Abendveranstaltungen massive Auflagen der Ordnungsbehörde der Stadt Köln: es mußte eine größere Anzahl von Sicherheitsleuten zur Verfügung stehen, was durch Freiwillige nicht hätte gewährleistet werden können. (Die Frauen der Security-Firma hatten sich übrigens alle freiwillig zum Dienst während des LFT gemeldet.) Die Anwesenheit der Feuerwehr auch in den Räumen war ebenso eine Auflage der Stadt und bei der Kölner Feuerwehr gibt es keine Frauen. (Es haben übrigens einige Lesben die anwesenden Feuerwehr- und Security-Leute massiv beschimpft. Unter anderem, weil sie nicht in den eigentlichen Veranstaltungsraum gelassen wurden. Leider war die anwesende Orga-Frau nicht souverän und stark genug, mit Hilfe anderer anwesenden Lesben, diese Konflikte zu unterbinden.)

Zum Catering: ich hatte ja schon erwähnt, dass Schatzi und ich das Essen gut fanden. Die Catering-Firma gehörte Mutter und Tochter, also wenigstens in Frauenhänden, wenn schon nicht in Lesbenhänden. Irgendeine meckert immer über’s Essen, egal, was angeboten wird. Und außerdem finde ich es nicht okay, Bio-Essen zu fordern und dann die Safia-Oase zu loben, wo es überwiegend Tiefkühlkuchen des bekanntesten deutschen Herstellers und andere Fertigkuchen zu kaufen gab! (Ach, ich liiiiebe die Inkonsequenz der Lesben!) Der Mensabetreiber der Uni hatte es übrigens abgelehnt, ausschließlich weibliches Personal zur Verfügung zu stellen, weshalb kurzfristig diese Catering-Firma engagiert wurde. Leider wurde das nicht auf dem Plenum erwähnt, das hatten Schatzi und ich privat erfahren.

Es ergingen dann die Appelle an folgende LFT-Orgas, dafür zu sorgen, dass auschließlich Bio-Essen angeboten wird (auch hier wurde Safia nicht mit einbezogen), dass keine Workshops mit Beschränkungen auf als Mädchen sozialisierte Frauen angeboten werden, dass während des Mittelplenums keine Workshops parallel laufen. „Appelle“ sind keine Beschlüße, also für nachfolgende LFTs nicht bindend.

Der einzige Beschluß heute war der, den ich schon erwähnt hatte: zukünftige Anträge auf Beschlüße, die das Abschlußplenum treffen soll, werden auf dem Mittelplenum am Sonntag vorgestellt und dann bis zum Abschlußplenum am Montag ausgehängt. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. (Ein Antrag, statt des Abschlußplenums das Mittelplenum zum beschlußfassenden Gremium zu machen, wurde vorher mit ebenso großer Mehrheit abgelehnt.)

Der erwähnte Beschlußantrag zum Thema: Wer darf zum LFT? wurde nicht gestellt.

Dann gabe es noch eine kleine Verlosung unter den Lesben, die sich früh angemeldet hatten und den Dauerhelferinnen und danach präsentierte sich Hamburg. Aber wie!!!

Sie hatten eine kleinen Film gedreht, in dem die Orga-Frauen Hamburg präsentierten. Dazu kamen 15 (von insgesamt 30) Orga-Frauen auf die Bühne und sangen ein eigens gedichtetes Lied, das ich jetzt leider nicht mehr auf die Reihe kriege. Sie versprachen, dass das gesamte LFT komplett barrierefrei sein wird, und es ausschließlich Oko-Essen aus Lesbenhand gibt, vorzugsweise Fair-Trade. Und dass sie neue Konzepte und Ideen entwickeln. Das klang alles sehr aufregend und wunderbar. Ich bin schon wirklich gespannt aufs LFT in Hamburg! (Am Infostand der Hamburgerinnen gab es übrigens von einer Lesbe eigens entwickelten LFTee! Da mussten wir natürlich gleich was von mitnehmen)

Mein (und Schatzis natürlich auch) Fazit des LFT2009 in Köln:

Es war sehr schön, auch wenn einige Dinge im Argen lagen. Aber das ist immer so. Es gab zahlreiche politische Veranstaltungen – von denen ich ja berichtet habe – , das hatte ich bisher so noch nicht erlebt (okay, so oft war ich jetzt auch noch nicht auf einem LFT) und die mir sehr viel Spaß bereiteten. Es war wunderbar, mal wieder unter so vielen Lesben zu sein. Das Wetter war genau richtig, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Geregnet hat es auch nicht.

Ihr glaubt gar nicht, was ich froh bin, dass wir die Ausrichtung des LFT in Frankfurt zurückgegeben haben. Einige der Orga-Frauen waren übrigens 48 Stunden auf den Beinen, weil einfach nicht genügend Frauen da waren, die halfen.  Es sagten aber auch einige der anwesenden Kölnerinnen, dass ihre Hilfe nicht angenommen wurde. Ich bin mir sicher, auch in Frankfurt wäre es ähnlich gelaufen, wie in Köln. Viele Frauen haben wohl gesagt, dass sie es toll fänden, dass der LFT stattfindet, aber in die Orga wollen sie nicht und hinterher sind sie dann beleidigt, weil sie nicht gefragt wurden, als Not an der Frau war. Das kommt mir doch alles sehr bekannt vor.

So, das war’s vom LFT 2009 in Köln. Vielleicht blogge ich ja nächstes Jahr vom LFT in Hamburg (im Stadteil Eimsbüttel, das Hotel Hanseatin hat nur noch wenige Zimmer frei.)

Bis dann,

moin, moin und hoalt jau munter,

Astrid und Schatzi