So, die Zigarette ist geraucht, da bin ich wieder.

Am frühen Nachmittag hat Schatzi den Lesbenring-Stand besetzt, während ich in der zweiten Veranstaltung war.

Ich bin ja, wie schon gesagt, im politischen Bereich geblieben.

„Lesben denken Zukunft“ war eine Veranstaltung des Lesbenrings, bei der ca. 40 Lesben über die Ergebnisse der letztjährigen LFT-Veranstaltung „LesbenKulturSpektakel“ und der „Denkwerkstatt“ von vor 3 Wochen in Zülpich berichtet wurde.

Letztes Jahr wurde eine Bestandsaufnahme gemacht: Wo sind wir, was hat sich verändert?

Es gibt weniger „reale“ Frauen-/Lesbenräume, dafür mehr „virtuelle“ Räume für Lesben. Ist die Lesbenkultur noch rebellisch? Wie sind wir vernetzt? Lesben haben zu Veränderungen der Beziehungsweisen beigeträgen. Lesben haben trotz allem eine gute Diskussionskultur.

Bei der Denkwerkstatt ging es dann um Utopien, Wünsche und auch konkrete Pläne: die Abschafffung von Diskriminierung durch Abschaffung der Diskriminierungskategorien, Freiheit von Hierarchien, ökonomische Unabhängigkeit, eine Grundsicherung für alle, Frigga Haucks 4 in 1-Prinzip: der Gleichberechtigung von Arbeit, sozialen „Diensten“, politische Beteiligung und persönliche „Weiterbildung“.

Erste Ansätze der Verwirklichung wurden auch in Angriff genommen: in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Frauenrat will der Lesbenring für die Abschaffung des Ehegattensplittings kämpfen, da dieses ein Instrument der Zwangsheterosexualität ist, dass die Versorgungsehe (Mann arbeitet, Frau versorgt Haushalt und Kinder) begünstigt und andere Lebensformen diskriminiert. Eine Abschaffung des Ehegattensplitting würde soviel Geld freimachen, dass eine Grundsicherung für alle möglich wäre. Überstunden sollten verboten werden, um zum 4 zu 1-Prinzip zu gelangen; Netzwerke sollten geschaffen werden.

Von den anwesenden Frauen wurde dann gefragt, warum nicht positiv formuliert wurde: z.B. Aufwertung der Teilzeitarbeit (von der Frau/Mann natürlich leben können muss) statt Verbot der Überstunden. Der Wert der Arbeit an sich müsste neu überdacht werden.

Lesbenspezifisch krisallisierte sich heraus, dass es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Lesben verschiedenen Alters gibt. Eine Junglesbe berichtete, dass sie bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Generationen“ war, die daran scheiterte, dass die Teilnehmerinnen sich einfach verschiedener Sprachen bedienten und einander schlicht und ergreifend nicht verstanden.

Letztendlich tendierte die Veranstaltung dann in die Richtung, dass es im nächsten Jahr eine Denkwerkstatt zum Bereich, ich nenn das jetzt mal so, „Dialog der Generationen“ stattfinden sollte. Ein Wochenende, an dem völlig ungezwungen und frei über diese „Konflikte“ gesprochen werden könnte. Davon waren viele Teilnehmerinnen sehr angetan. Der Lesbenring plant, diese „Denkwerkstatt“ im Februar 2010 in Frankfurt/Main durchzuführen. Hoffentlich klappt es.

Sollten meine Ausführungen etwas wirr sein, liegt es daran, dass ich jetzt langsam müde werde. Ich hocke hier schon wieder anderthalb Stunden am PC. Aber ich habe mir vorgenommen, auch zu diesem Komplex noch einen oder mehrere Beiträge zu schreiben.

Schatzi war dann noch im Workshop „Etwas mehr Biss, weniger Schiss – über die fehlende Präsenz von Lesben im Alltagsleben“.

40 Besucherinnen in einem Raum, der für 20 ausgelegt war, die Referentin kam 15 Minuten zu spät, sie ist Jahrgang 1945 und war Mitbegründerin der ersten Lesbengruppe Düsseldorf 1974. Sie erinnerte Schatzi an Tegtmeier, chaotisch,konfus, wirr daher redend und einzig über ihre Lebensgeschichte jammernd. Nach ca. 20 Minuten und mehreren Versuchen, der Veranstaltung eine titelgemäße Richtung zu geben, verließen die Besucherinnen geschlossen den Raum und beschlossen im Flur, ohne Referentin auf der Wiese weiterzudiskutieren. 30 der 40 Frauen auf der Wiese, ohne Moderation, gelang eine einstündige, sehr konstruktive Diskussion zum anberaumten Thema. Ein einzigartiges Erlebnis!

Nachdem ich in dieser Zeit wieder ein bißchen Standdienst für den Lesbenring geschoben habe (wir waren leider völlig unterbesetzt, aber es hat mir schon Spaß gemacht), war um 18 Uhr Schicht im Schacht. Schatzi und ich sind noch ein wenig an den Rhein gefahren, haben was gegessen und hauen uns jetzt wieder ins Bett. So ein LFT ist schon sehr anstrengend und morgen früh um 10 Uhr ist ja noch das berühmt-berüchtigte Abschlußplenum. Davon werde ich dann morgen abend berichten, wenn wir wieder zuhause sind.

Bis dann, Astrid und Schatzi.