Heute bin ich ein bißchen früher dran. Ich hatte ja schon angedeutet, dass wir uns das Abendprogramm schenken. Da ist jetzt auch keine eine dabei, die wir uns unbedingt anschauen wollten.

Noch ein kleiner Nachtrag zu gestern abend: Da der eigentliche Veranstaltungsraum relativ klein war, hatten die Kölnerinnen im Foyer davor eine riesige Leinwand aufgebaut, die das Geschehen auf der Bühne in den Vorraum übertrug. Aber die Bildqualität war sehr schlecht und auch dort gab es keine Sitzmöglichkeiten, so dass auch das keine wirkliche Alternative war. Gebärdendolmetscherinnen gab es auch nicht. Laut Aussage beim Mittelplenum waren die Räumlichkeiten dafür nicht geeignet.

So, nun aber zum heutigen Tag.

Nachdem ich heute morgen den Lesbenring-Stand betreut hatte und in anderthalb Stunden mehr als 50 Briefumschläge mit gültigen, posttauglichen Lesbenbriefmarken verkauft hatte, ging es um 11. 30 Uhr zum Mittelplenum, dem zweithöchsten Gremium der Lesbenfrühlingstreffen. Das Mittelplenum ist eine Möglichkeit für die Teilnehmerinnen, erstes Lob und erste Kritik an der laufenden Veranstaltung loszuwerden. Um es vorweg zu schicken: sämtliche Kritikpunkte müssen immer unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, dass das LFT von nur 10 Orga-Frauen gemanaget wurde. Das ist natürlich kein Grund, nicht zumindest grundsätzliche Dinge zu regeln, es erklärt aber einiges.

Grundsätzlich wurde die Veranstaltung gelobt. Wir fühlten uns doch alle recht wohl. Einige der Kritikpunkte: hundertprozentige Barrierefreiheit wurde nicht gewährleistet, trotz bindendem Beschluß; die Ausschilderung ist einfach katastrophal; es mangelte an allen Ecken und Enden an Ansprechpartnerinnen und es beteiligten sich auch nicht genügend Besucherinnen an den Helferinnendiensten (eine jahrelange Tradition der LFTs ist es, dass Besucherinnen Thekendienst, Bewachungen, Einlasskontrollen etc. mit übernehmen). Wir haben aber auch gehört, dass Frauen Dienste übernehmen wollten, die Orga-Frauen aber nicht in der Lage waren, zu erkennen, wo welche gebraucht wurden.

Es wurde auch festgestellt, dass der Anteil der Junglesben in diesem Jahr sehr hoch ist. Das ist sehr erfreulich und wir sollten uns alle bemühen, dass beizubehalten.

Beim Mittelplenum können auch Anträge eingereicht bzw. vorgestellt werden, die dann beim Abschlußplenum am Montag, dem höchsten Gremium des Lesbenfrühlingstreffens abgestimmt werden. Bisher müssen die Anträge nicht beim Mittelplenum vorgestellt werden. Sie können auch erst direkt beim Abschlußplenum eingebracht werden.

Es gab nun den Antrag, dieses zu ändern. Dass die Anträge beim Mittelplenum vorgestellt werden müssen, diese dann ausgehängt werden, damit alle Lesben sie lesen können und dann werden sie erst zur Abstimmung am letzten Tag zugelassen. Also keine Spontananträge. Dieser Vorschlag hatte den Grund, dass es letztes Jahr in Dresden zu einer wahren Antragsflut gekommen war, mit Antrag und Gegenantrag, und da wieder ein Ergänzungsantrag und so weiter und so fort, wobei zum Schluß keine mehr richtig durchblickte, was denn jetzt zur Entscheidung stand. Ich habe dann ergänzend vorgeschlagen, das Mittelplenum aufzuwerten, indem dort bereits Vordiskussionen und Vorentscheidungen getroffen werden, damit das Abschlußplenum nicht so ausartet. Außerdem fanden dieses Mal gleichzeitig noch Workshops statt, was ich auch nicht so glücklich fand.

Eine andere Lesbe wollte, dass bereits auf dem Mittelplenum entgültige Entscheidungen getroffen werden können. Dann hätten wir zwei Plena, bei denen Beschlüße zur Struktur, Gestaltung und Teilnehmerinenn getroffen werden könnten.

Mal sehen, was morgen dabei rauskommt.

Dann wurde auch noch das Thema wieder aufs Tapet gebracht, dass im letzten Jahr zu diesen heftigen Kontroversen geführt hatte: welche Menschen dürfen zum LFT? Lesben, als Frauen geborene Lesben, XX-Chromosomen-Lesben, Transfrauen, Transmänner, Transgender, Transwasweißich…

Das Orga-Team Hamburg bat dann darum, diese Diskussion besser bis zum nächsten Jahr ruhen zu lassen. Da sich die Gemüter noch nicht wirklich wieder beruhigt hätten und dass es vielleicht besser wäre, das Ganze noch mal sacken zu lassen, um sich dann vielleicht im nächsten Jahr besser und produktiver damit auseinander zu setzen. Ich bin gespannt, ob der Antrag wieder gestellt wird, oder nicht.

Schatzi war nicht beim Mittelplenum, sondern beim Workshop „Gehaltsverhandlung für Frauen – endlich kriegen, was frau verdient.“

Die Referentin war Business-Coachin wie sie im Buche steht: Ex-IT-Consultant, jung, dynamisch, „systemintegriert“. Sie war nicht in der Lage, individuelle Einwände zuzulassen und hangelte sich stets eng an ihrer erlernten Methodik entlang. Den gängigen Vorurteilen entsprechend, benutzte sie „selbstverständlich“ nicht die weibliche Sprachform. Schatzi hat sich die Veranstaltung nicht lange angetan. Sie zog es vor, eine rauchen zu gehen.

So, das war Teil 1 vom dritten Tag, jetzt gehe ich eine rauchen und schreibe gleich Teil 2.