Es ist jetzt kurz vor elf Uhr abends und wir sind endlich mit platten Füßen wieder im Hotel.

Aber von Anfang an:

Gegen zwanzig nach zehn Uhr heute morgen sind wir wieder auf dem LFT-Gelände gewesen. Um elf sollten die ersten Workshops beginnen. Das Eröffnungsplenum haben wir uns gespart, ganz so früh wollten wir heute morgen nicht aufstehen. Das Plenum fing nämlich um 9 Uhr an. Aber wir haben natürlich von der Veranstaltung gehört und dabei erfahren, dass es wohl eher eine peinliche Angelegenheit war. Die Orga-Frauen aus Köln waren nicht vollzählig da, was aber auch daran lag, dass es nur zehn sind. Die hatten dann wohl heute morgen schon genug um die Ohren. Die Ansprache der Schirmfrau soll ebenfalls nicht so dolle gewesen sein (Ich erwähne hier keine Namen, frau kann sich auf den Internetseiten des LFT Köln schlauf machen, welche Frau das war).

Zum Organisatorischen: fast jede Lesbe, die wir auf dem Gelände trafen, erzählte uns, dass sie Schwierigkeiten gehabt hatte, den Weg zum LFT zu finden. Und zwar nicht erst an der Uni sondern schon auf dem Weg dorthin war es eine kleine Herausforderung, die richtigen Bahnen, Umsteigepunkte und Haltestellen zu finden. Die Beschriftung in den Gebäuden war heute ebenfalls nicht besser als gestern. Die meisten Lesben irrten doch eine ganze Weile umher, bis sie dann die richtigen Räume für ihre Workshops gefunden hatten.

Ich hatte es ein wenig einfacher: beide Veranstaltungen, die ich heute besuchte, waren in Hörsaal 2. Ich hätte sozusagen nach dem ersten Workshop dort hocken bleiben können. Ich bin dann aber doch gegangen, da zwischen den Veranstaltungen vier Stunden lagen. Das wäre doch ein wenig langweilig geworden!

Vormittags war ich bei „Der lesbische Spagat zwischen Public Education und Mainstream“. Zwei Jungleseben, die an der Uni Leipzig Medienwissenschaften studieren, betrachteten die Lesben in deutschen Vorabendserien von 1995 bis 2006 und die Serie „L-Word“. Es dauerte leider ein wenig, bis Computer und Beamer angeschlossen waren, aber dann berichteten sie sehr gut über das Thema. Sie stellten z.B. die Frage, ob die lesbischen Figuren in den Serien jetzt eher auf das Heteropublikum – sozusagen als „Unterrrichtung“ – oder auf das lesbische Publikum abzielen. Ich will hier gar nicht all zu sehr ins Detail gehen, sonst wird der Beitrag hier zu lang.

Einschub: Schatzi hat gerade entdeckt, dass im Kölner Anzeiger von heute ein Artikel zum LFT mit den Schwerpunkten Junglesben und Wohnformen steht. Teilnehmerinnenzahl laut Zeitung: 3000! Das wage ich zu bezweifeln, morgen nach dem Mittelplenum wisssen wir sicher mehr.

Schatzi war zur gleichen Zeit im Workshop „Die Mutter-Tochter-Beziehung aus lesbischer Sicht“. Stichworte hierzu: Mythos Mutter, sich in die Mutter hineinversetzen, die Mutter als Frau betrachten, ihre Lebensgeschichte anschauen und die Mutter als „normal“ unvollkommen akzeptieren.

Die lange Zeit zwischen den Workshops ergab sich aus der für 14 Uhr angesetzten Demo, die wir uns auch erspart haben. Das haben aber wohl ziemlich viele Lesben getan, denn es war noch ziemlich voll auf dem LFT-Gelände. Außerdem war sie laut Aussagen einiger Teilnehmerinnen langweilig. Bea, vom Orga-Team Hamburg 2010 hat später Lesben aufgefordert, den Hamburgerinnen andere Formen der öffentlichen Darstellung der Lesben beim LFT vorzuschlagen. Da bin ich mal gespannt, was da kommt!

Das Essen auf dem LFT war ziemlich gut und abwechslungsreich: im Angebot waren Fleischgerichte, Vegetarisches und  Veganes. Leider hatte die Catering-Firma nicht genug dabei und musste deshalb mehrmals nachliefern lassen, was zu Verzögerungen bei der Essens-Ausgabe führte. Die Hamburgerinnen nutzten die Gelegenheit und verkauften „Brote für Hamburg“: lecker Butterbrote. Na, das nenne ich doch mal einfallsreich und spontan!

Die Verkaufstände sind in diesem Jahr hauptsächlich in zwei großen Räumen (wahrscheinlich Sporthallen) und auf dem Weg dorthin angesiedelt. Das Angebot ist groß und vielfältig.

Um 16.30 Uhr standen die nächsten Workshops an: Schatzi war bei „Lesbengeschichte in Liedern“ – Die lesbisch-feministische Musik der 70er Jahre in der BRD. Lesbe erfuhr dort alles über die wichtigsten Gruppen, Sängerinnen und Lieder. Gesungen wurden einige dieser Lieder auch. Z.B. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“, „Die Lesbe Rosa“, „Frauen zerreißt eure Ketten“, „Wir sind die homosexuellen Frauen“. Gruppen waren z.B. Schneewittchen, Flying Lesbians, Witch is Witch, Lysistrara und Unterrock. Ein sehr informativer und spannender Workshop referiert von zwei überaus kenntnisreichen Frauen, mit ca. 40 Lesben gut besucht.

Ich war bei „LFT der Zukunft“, veranstaltet vom Dachverband der LFTs „Lesbenfrühling e.V. und „Lesbenring e.V.“, dem „Oberdachverband“. Wir waren nicht ganz so viele. ca. 15 Lesben. Viele davon ehemalige Orga-Frauen und/oder politsche aktive. Es ging, wie der Titel schon sagt, um die Zukunft: wie stellen wir uns zukünftige LFTs vor? Begrenzung der Themen, Begrenzung der Teilnehmerinnenzahlen, welche sollen, wollen teilnehmen? Welche Finanzkonzepte wollen wir? Wollen wir Luxus, sprich qualtitätiv hochwertige Referentinnen, Essenseinrichtungen, Veranstaltungsräume? Oder soll alles bleiben, wie es ist?

Die Frauen hatten sehr viele unterschiedliche Vorstellungen, wie das LFT sein sollte. Ein Vorschlag war zum Beispiel, ob der LFT als „Kristallisationspunkt“ für Themen aus den lesbischen Projekten, Gruppen usw. dienen könnte, wo Lesben sich treffen und darüber austauschen, was sie machen, was sie wollen, was sie anders machen könnten. Auch dieses Thema ist sehr umfangreich und würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Außerdem wird morgen bei einem anderen Workshop noch über das Thema Lesbenbewegung an sich weiterdiskutiert. Vielleicht schreibe ich in ein paar Tagen noch mal ausführlicher zu diesen Punkten.

So, das Abendprogramm haben wir uns erspart. Nicht, dass es sich nicht gelohnt hätte. Schatzi und ich hatten den weiten Weg zur Mensa auf uns genommen, eine halbe Stunde Fußweg. Aber es war sehr voll, im Saal war die Luft extrem schlecht und Sitzmöglichkeiten gab es auch nicht. Wir hatten keine Lust, uns auf den Fußboden zu setzen. Deshalb sind wir gegangen.  Was den Vorteil hat, dass es jetzt noch nicht ganz so spät ist.

Weiteres gibt es morgen abend. Bis dann, vom LFT in Köln: Astrid. Schöne Grüße auch von Schatzi!