Ich sitze hier in der Lobby unseres Hotels in Lokstedt und berichte Euch nun frisch vom Auftakt des LFTs „Lesben Leinen Los“ in Hamburg.

Schatzi und ich sind heute mittag mit der Bahn bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel in Hamburg angekommen. Kaum ist LFT, schon scheint die Sonne!

Aber ich will Euch jetzt nicht mit Details dazu langweilen, wie wir die Zeit bis zum Anmeldungsbeginn um 17 Uhr verbracht haben. Nur soviel, wir haben uns erst mal alles ganz genau angeschaut: wie wir wo hinkommen und wie lange wir dafür brauchen.      

Gegen halb fünf waren wir dann an der Gewerbeschule 2 (die übrigens offiziell Staatliche Gewerbeschule Installationstechnik heißt, hier ein Bild dieses schicken Gebäudes). Ja, ja, wir sind zu früh. Aber es sind schon etliche Lesben da, die sich auf den Treppenstufen sonnen. Und es dauert auch nicht lange, bis die ersten Lesben aus Frankfurt eintreffen. Es ist schon immer wieder toll, auf den LFTs so viele bekannte Gesichter zu treffen!

Kurz vor 17 Uhr hat sich vor dem Tisch der bereits angemeldeten Frauen eine ziemlich lange Schlange gebildet. Wir nahmen locker fast den gesamten Eingangsbereich ein! Leider war am Tisch nur eine Frau, die die Namen der Anwesenden abfragte und ihnen dann die obligatorischen Bändchen ums Handgelenk klebte (dieses Jahr sind die Bändchen hellblau).

So hat sich Schatzi spontan dazu entschlossen, einzuspringen und die Bändchen übernommen. Die Liste mit den Namen der Frauen war selbstverständlich alphabetisch angelegt, allerdings nicht nach Nachnamen sortiert, sondern nach Vornamen! Ob das so sinnvoll ist, bei so vielen Petras, Claudias, Sabines (und sogar mindestens drei Astrids!) und was nicht alles, lass ich jetzt mal dahingestellt. Ich habe dann auch noch ein bißchen mitgeholfen, aber nach zwanzig Minuten wurde Schatzi dann abgelöst.

Was auch ganz gut war, da wir ja zu den Landungsbrücken wollten, um an der Hafenrundfahrt teilzunehmen.

Aufgrund einer Baustelle auf der U3 war die Anreise ein wenig umständlich, aber wir sind früh genug angekommen. Dort wimmelte es bereits vor Lesben, die alle darauf warteten, dass es los ging. Gegen zwanzig nach sechs kam dann ein Schiff angefahren auf dem „König der Löwen“ stand. Das war nämlich eins von den Schiffen, die normalerweise die Leute rüber zum Musical-Zelt fahren. Am Schiff stand aber Sonderfahrt dran, und alle Lesben stürmten auch sofort hin. Innerhalb kürzester Zeit war das Außendeck belegt und wir mussten mit Plätzen innen vorlieb nehmen. Es hat sich aber bald rausgestellt, dass das die bessere Wahl war, denn es wurde doch recht frisch da draussen auf dem Wasser.

Das Schiff war bis oben hin voll mit Lesben! Es dürften an die 200 gewesen sein, wenn nicht mehr. Wow, damit hatten wir nicht gerechnet.

2 Frauen von der 3.Welt-Hafengruppe haben uns dann während der Fahrt interssante Fakten nicht nur über die Frauen, die im Hamburger Hafen gearbeitet haben, erzählt sondern auch über gesamtgesellschaftliche Problematiken, wie zum Beispiel das Ausflaggen von Schiffen, die dann unter der Fahne von Billigländern fahren, wie z.B. Panama und Malta. Länder also, die kaum ArbeiterInnenschutz kennen, und die natürlich auch nur Billiglöhne zahlen. Das gilt übrigens nicht nur für Frachtschiffe sondern auch für Kreuzfahrtschiffe.

Weitere Themen waren: die Situation der Frauen, die bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein den Kaffee in der Speicherstadt von Hand sortiert haben; der aberwitzige Weg einer Jeanshose während der Herstellung um die ganze Welt herum (45.000 km, und Bearbeitung in mindestens 7 Ländern auf 4 Kontinenten); die Konsequenzen des Sojaanbaus in Südamerika.

In den 50er Jahren gab es übrigens im Nachklang zum 2. Weltkrieg viele Funkerinnen auf den Schiffen, in den 60ern waren es vermehrt Navigatorinnen. Auch im Hamburger Hafen arbeiteten während dieser Zeit – als der Hafen richtig boomte – viele Frauen als Schlosserinnen oder Brückenfahrerinnen (die setzen die Container um).

Durch die Krise auf den deutschen Werften in den 80er und 90er Jahren und das verstärkte Ausflaggen der Schiffe verloren viele Frauen ihre Arbeit im Hafen. Heute gibt es nur eine Handvoll Frauen, die auf den Werften arbeiten.

Einige Frauen, die zur See fahren oder gefahren sind, haben dann 1998 den Verband Frauen zur See gegründet. Infos dazu findet ihr unten.

Es war eine sehr schöne, sehr informative Hafenrundfahrt, auf der Frau wieder so einiges gelernt hat.

So, jetzt muss ich aber ins Bett, denn morgen geht es richtig los!

Dann erzähle ich Euch auch von den 12-Euro-Unterhosen!

Links:

Frauen zur See (Seiten noch im Aufbau)

Alternative Hafenrundfahrten Hamburg

Werftenkrise

hier noch ein interessanter Beitrag über das Schicksal des Wandgemäldes „Frauen im Hafen“ in einem Essay zum Thema  „Zum Schauen geben. Ausstellen von Frauen- und Geschlechtergeschichte in Museen“  (Seite 11, zweiter Absatz)