In den letzten Jahren hat die 36jährige Radrennfahrerin Judith Arndt aus Brandenburg zahlreiche Titel abgeräumt, darunter: Einzelzeitfahren bei der Deutschen Meisterschaft 2005, Siegerin der Thüringenrundfahrt 2007, 2008 und 2012, Gesamtsiegerin des Rad-Weltcups der Frauen 2008, Vize-Weltmeisterin im Einzelzeitfahren in Geelong 2010, Siegerin beim Giro della Toscana Femminile. 2011 folgte schließlich die Goldmedaille im Einzelzeitfahren bei der Weltmeisterschaft in Kopenhagen, Siegerin bei der Tour of New Zealand und beim Giro del Trentino Alto Adige, deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren und Platz 2 im Straßenrennen. 2012 tritt sie in London an, es ist ihre fünfte Teilnahme an olympischen Spielen und sollte – eigentlich – mit einer Medaille enden. Aber welche Teilnehmerin wünscht sich das nicht?

Ihre erste Chance, bei ihren voraussichtlich letzten olympischen Spielen im London noch eine Medaille nach Hause zu holen, hat sie verpasst: Beim olympischen Straßenrennen am 30. Juli kam sie erst mit dem Hauptfeld ins Ziel. Nun richtet sich der Fokus auf das Einzelzeitfahren am Mittwoch, ihre Spitzen-Disziplin, in der sie als Favoritin gilt.

Judith Arndt war bei den Olympischen Spielen 2004 in den Schlagzeilen, als sie beim Überqueren der Ziellinie (sie gewann Silber) den Stinkefinger zeigte. Sie protestierte dagegen, dass ihre Geliebte und spätere Trainerin Petra Rossner aus dem Team geflogen war, entschuldigte sich aber anschließend. Beide Frauen wurden Botschafterinnen für die Gay Games. Sie sind seit Jahren offen und unkompliziert lesbisch und gehörten zu den inzwischen zahlreichen lesbischen Paaren, die ihre Beziehung auch in der Bildzeitung zelebrierten. 2008 sprachen sie dort auch über ihren Kinderwunsch – zumindest für Petra Rossner scheint dieser in ihrer neuen Beziehung in Erfüllung zu gehen, denn sie soll seit diesem Monat im Erziehungsurlaub sein.

Auch Judith Arndts neue Partnerin, die Australierin Anna Wilson, gehört zur Weltklasse im Radsport. Judith Arndt wird ihren Lebensmittelpunkt nach den Olympischen Spielen nach Melbourne verlegen, verriet ihre Mutter Ursula Arndt. Dort will sie Soziologie studieren. Kinder? Bleiben ein Thema.

Links und Quellen:

  • weitere Artikel über lesbische Sportlerinnen bei L-talk
  • Jim Buzinski: 20 openly gay and lesbian athletes at 2012 London Summer Olympics, outsports.com, 18. Juli 2012
  • Judith Arndt bei Wikipedia
  • Bild von Judith Arndt  von Doha Stadium Plus Qatar (Judith Arndt) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)
  • Frank Pechold: „Komm Judith, hopp, hopp, hopp!“, Gespräch mit Ursula Arndt, Märkische Allgemeine, 25.7.2012
  • Wir sind lesbisch und wünschen uns Kinder, bild.de, 31.7.2008