„10 Jahre Google – die Lebensader des Internet“ schreibt die FAZ zum heutigen 10jährigen Jubiläum einer wunderbaren Suchmaschine.

Berühmt wurde Google wegen des Ranking, das Seiten im Internet nicht nur sucht und findet, sondern auch gewichtet – nach Kriterien, die die eine oder andere vielleicht ganz gern wüsste.

Ob Google sich auch als Lesbenader des Internet eignet?

Die Suche nach „lesben“ ergibt auf Platz 1 lesben.org , Konnys Lesbenseiten – tatsächlich das größte Informationsportal für Lesben im deutschsprachigen Raum. Nach dem (unvermeidlichen) Porno („Wie 2 Lesben einen Rocker um den Verstand bringen“ – übrigens fielen einer da noch ganz andere Methoden ein, leider nur rockerfeindliche, aber ich bleibe diszipliniert und recherchiere gradlinig weiter) folgen Lesarion, der Lesben- und Schwulenverband LSVD, Wikipedia, L-mag, ein merkwürdiges Quiz und einige weitere Skurrilitäten, bei denen ich mich aus Disziplingründen nicht aufhalte.

Mein Handy übrigens kann nicht „Lesben“ schreiben. Es schreibt beharrlich „Kerben“. Kerben (http://www.kerben.de/) ist, hat Google (unter anderem) ergeben, ein hübsches Dörfchen in Nordrhein-Westfalen, auf dem Luftbild der Gemeinde sieht man, dass es dort vorwiegend blau-lila lesbenfarbene Dächer gibt. Ich musste das nachgucken. Wünschte, mein Handy könnte es auch.

Der Nachteil am Internet ganz allgemein ist, dass alles immer irgendwo hinführt und dass eine normalerweise Dinge findet, während sie auf der Suche nach etwas ganz anderem ist, das sie nicht findet oder vergessen hat. Besonders letzteres. Google ist da leider keine große Hilfe, im Gegenteil. Das Stresspotenzial ist enorm.

Vorhin zum Beispiel recherchierte ich für den L-talk Beitrag, der kommenden Mittwoch, am 10. September erscheinen soll (was ja noch ein bisschen hin ist) und über dessen präzisen Inhalt ich aus nahe liegenden Gründen vorerst schweigen möchte.

Nur so viel: Ich gab bei Google „lesbische comiczeichnerinnen“ ein. Das war ziemlich spannend. Ich kam zur Übersetzung des vierten Kapitels eines Buches von Trina Robbins, „From Girls to Grrrls“ (frag‘ bloß keine nach Urheberinnenrechten!), die tatsächlich einige spannende Details enthielt, die zwar für mein Thema keine Rolle spielten, aber das mindert ja nicht … ihr wisst schon.

Dann fand ich ein Posting in einem Blog mit dem viel versprechenden Namen damenbart.org („a queer-genderconfusing-postmodern comicblog * ein queerer-sehr-durcheinanderer-postmoderner comicblog“).
Eine MM hat dort kürzlich einen Cartoon mit dem Titel „Polyamouröse Verstrickungen“ hinterlassen, der leider nichts mit Lesben und Comics, aber mit Lesben und Computern zu tun hat.

Die Damenbart-Bloggerinnen Martina Marmolada und Chris Kesch haben zu meinem großen Unglück eine Liste von Lieblings-Comiczeichnerinnen veröffentlicht.

Ich sage nur: Ariel Schrag. Sie hat einen hinreißenden Comic veröffentlicht, „Potential“ und aus seinem vierten Kapitel hat Gigi Nicolas eine Video-Web-Serie gemacht, HIER geht’s los. Es handelt von einer jungen Frau, die, siebzehnjährig, ihrer Jungfräulichkeit verlustig gehen will und deren Beziehung zu einer anderen jungen Frau (verständlicherweise) darunter leidet. Und es ist super-süß gemacht! Wer das nicht guckt, ist selbst Schuld! Es sind zwar mehrere Videos, aber die halbe, dreiviertel Stunde lohnt sich echt, da hatte Google ganz Recht mit lesbischen Comiczeichnerinnen, Damenbart und Ariel Schrag.

Ariel Schrag übrigens hat nicht nur eine Kurzbiografie auf ihrer eigenen Seite. Sie ist ebenfalls, habe ich über Google herausgefunden, bei Wikipedia gelistet und bei plastikmaedchen.net steht eine deutschsprachige Rezension zu „Potential“.

Auf plastikmaedchen.net findet sich auch noch ein spannender Artikel, „Die dicke Barbie„, in dem es darum geht, ob Barbie als Identifikationsfigur weniger verwerflichen Einfluss auf junge Frauen hätte, wenn sie statt dünn und großbusig beispielsweise dick und kleinbusig wäre. Das fand ich sehr spannend, und mir fiel ein, dass lesbische Barbies ein schönes Thema für L-talk wären. Eine Google-Suche nach „barbie lesbisch“ ergab, dass es dazu schon genug Deutschsprachiges gibt, so dass ich das nicht weiter recherchieren muss, jedenfalls nicht sofort.

Etwas weiter unten habe ich die Seite neuzeitheldinnen.de gefunden. Das ist eine Theatergruppe, die ein Stück „Schneewittchen und die sieben Lesben“ aufführt.

Das liest sich sehr attraktiv:

„Wir wollten einem bekannten Hetero-Stück eine lesbische Thematik verpassen und einigten uns darauf, das Märchen „Schneewittchen und die 7 Zwerge“ in eine Persiflage über den lesbischen Szenealltag zu verwandeln. Dabei haben wir zwar den inhaltlichen Ablauf beibehalten, allerdings wurden die 7 Zwerge zu 7 Lesben, die böse Stiefmutter ist jetzt die rachsüchtige Ex, der „Spieglein an der Wand“ ist das Internet und das Zwergenhaus wurde zur Lesben-WG. Die Heldin für´s Happy-End fehlt natürlich auch nicht.“

Quelle: http://www.neuzeitheldinnen.de/theater.htm

Ich wollte sie gleich engagieren, weil wir demnächst eine größere Kulturveranstaltung planen und dachte, ich google die Truppe mal, weil sie sicher schon irgendwo gespielt haben, wo ich eine kenne, die ich fragen kann. Leider brachte mich das nicht weiter, weil ich beim Lesbenfrühlingstreffen Berlin keine der Organisatorinnen kannte.

Das heißt, ich muss mich jetzt endlich, was ich schon den ganzen Tag tun wollte, damit beschäftigen, wen wir sonst zu unserer Kulturveranstaltung einladen können, und google jetzt mal „frauen lesben theater“, was ich gleich hätte tun sollen.

Nur die Göttin weiß, was hier bei L-talk am kommenden Mittwoch gebloggt wird.

Herzlichen Glückwunsch, Google! Du bist lesbentauglich und wir lieben dich.