„Die Welt durch Kunst verändern“ ist das eine Motto der Lesbenschützerinnen und das andere: „Behandle Lesben ebenso wie auch du von Lesben behandelt werden möchtest!“

In ihrer Performance Lesbian National Parks and Services untersuchen die kanadischen Performance Künstlerinnen Shawna Dempsey und Lorri Millan als Rangerinnen queere Natur und Lebensformen. Nach Kanada, den USA und Australien ist jetzt Deutschland an der Reihe. Die Mission: so viel Vielfalt entdecken wie möglich. Keine Frage, dass sie dabei auch Personal rekrutieren.

Tatsächlich umfasst das Lesbian Ranger Corps eine schnell wachsende und dynamische Truppe von Fachleuten, die sich lesbischer Flora und Fauna in allen ihren Erscheinungsformen widmen. In der Buchmessenwoche sind die Rangerinnen Shawna Dempsey und Lorri Millan in Frankfurt unterwegs, um die hiesige Population zu untersuchen und weitere Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Den Auftakt bildete die Vorstellung des Kunstprojekts im ATELIERFRANKFURT. Dorthin hatte die maecenia Frauenstiftung eingeladen, die den Deutschlandbesuch der Künstlerinnen möglich macht.

Warum sie gerade dieses Projekt ausgewählt hat, haben wir maecenia Stifterin Dr. Eva Brinkmann to Broxten gefragt:

„Alexandra (Duwe, die Kuratorin) hat ein sehr spannendes Konzept vorgestellt. Für uns war attraktiv, dass es eine ausgefallene Performance ist. maecenia versucht immer, Projekte zu wählen, die Wissenschaft und Kunst verbinden.“

Diese Verbindung von Wissenschaft und Kunst erstreckt sich bei Lesbian National Parks and Services gleich über Wasserfälle von Ebenen. Vordergründig und sehr Programm füllend geht es um Flora und Fauna, genau: um lesbische Flora und Fauna. Ihre Erforschung, ihr Schutz und ihre Artenvielfalt sind im Fokus der Rangerinnen – auch in Sachen Nachwuchsförderung. Und es ist ihnen ernst damit – so ernst, dass Shawna Dempsey und Lorri Millan darüber einen 20 Minuten Kurzfilm gedreht haben. Hier der Trailer (Vimeo).

Bei ihren Tourneen erforschen die Künstlerinnen die Verbreitung lesbischer Lebensformen – und erleben, gerade in Frankfurt, dabei Erstaunliches.

„Manchmal werden wir gefragt, was wir sind und was wir machen … und bei unserer Erklärung ist es so, dass die Menschen das Wort „lesbisch“ einfach überhören, als sei ein Loch in unserem Satz. Sie gehen begeistert auf unseren Wohnort, auf Kinder, auf Landschaften ein, als existiere das Lesbische daran überhaupt nicht,“

ist Shawna Dempseys Fazit der ersten beiden Tage auf Frankfurts Straßen.


Fotos: Agnes Witte

 

So weit die Praxis. In der großen queertheoretischen Welt nehmen Dempsey und Millan auch den wissenschaftlichen Diskurs in den Fokus.

Kuratorin Alexandra Duwe:

„Machtdiskurse verbergen sich unsichtbar in Anpassungen, Konventionen, Normalitäten, unserem Vokabular und binären Codes.
Shawna Dempsey und Lorri Millan untersuchen über die Genese der Geschlechterkategorie deren Diskursivität und Unabgeschlossenheit, andererseits zeigen sie aus der Perspektive lesbischer Identität die Realität von Exklusionen und versuchen darüber hinaus, binäre Codes zu problematisieren.“

Und die Künstlerinnen selbst?

„Natürlich sind wir politisch,“

sagt Lori Millan.

„Seit unseren gemeinsamen Anfängen 1989 hat sich aber bei uns viel getan. Wir sind nicht mehr so vordergründig radikal. Inzwischen versuchen wir, unsere politischen Inhalte mit viel Ironie zu vermitteln. Das macht auch sehr viel mehr Spaß.“

Wer sich das anschauen möchte, hat in Frankfurt noch Gelegenheit: Freitag, 14. Oktober auf Frankfurts Straßen und Plätzen und Samstag, 15. Oktober auf der Buchmesse.

Links und Quellen: