2008 beschloss die Regierung in London ein neues Gesetz, das künstliche Befruchtung und den Umgang mit Embryonen regelt. Wichtige Auswirkungen hat es auf das grundlegend modernisierte Elterschaftsrecht.

Künftig wird die Lebenspartnerin der Mutter automatisch als zweiter Elternteil des Kindes eingetragen – es sei denn, sie erklärt ausdrücklich, dass sie mit der künstlichen Befruchtung nicht einverstanden ist.

Diese Regelung ist Bestandteil der neuen britischen Regelungen zur Reproduktionstechnologie, die im kommenden Monat in Kraft treten. Sie betreffen alle Familien, die nach dem 6. April 2009  reproduktionsmedizinische Behandlungen beginnen. Die britische Behörde für Reproduktionsmedizin HFEA hat zur Umsetzung des Gesetzes eine Reihe neuer Regelungen veröffentlicht, von denen einige wenige speziell auf lesbische und schwule Paare angewendet werden. Diese haben es jedoch in sich.  

Selbst komplexere Vereinbarungen sind in der Neuregelung enthalten: Wenn eine Partnerin ein Kind austragen möchte, für das die Eispende ihrer Partnerin befruchtet wird, ist sie die Mutter. Die Partnerin, von der die Eizelle stammt, wird als Spenderin registriert. Bei eingetragenen Lebenspartnerinnen erfolgt die Anerkennung der Elternschaft automatisch, bei lesbischen Paaren ohne Lebenspartnerschaft auf gemeinsamen Antrag.

Ein Jahr später, ab 2010, werden auch Regeln für männliche Paare in Kraft treten, mit denen die gemeinsame Elternschaft erleichtert wird, wenn eine Vereinbarung zur Austragung eines Kindes getroffen wurde („Leihmutterschaft“).

Susan Golombok arbeitet als Professorin für Familienforschung und Leiterin des Zentrums für Familienforschung an der Universität Cambridge. Sie ist Co-Autorin der Studie Growing Up in a Lesbian Family.

Väter, die sich intensiv mit ihren Kindern befassen, sind gut für Kinder. Aber Väter, die sich nicht sehr einbringen, sind nicht so wichtig, sie können sogar einen negativen Effekt haben. Es ist eine sehr vereinfachte Sichtweise, dass Väter wichtig sind, allein weil sie Männer sind. (…)
Inzwischen gibt es mehr als 30 Jahre Forschungen in den USA und in Europa, und sie haben durchgängig ergeben, dass Kinder, die in einem lesbischen Haushalt aufwachsen, sich nicht von Kindern in heterosexuellen Familien unterscheiden; das betrifft sowohl ihre psychische Entwicklung als auch ihre Geschlechtsidentität und ihre Beziehungen zu anderen Kindern. (…)

(zitiert nach The Guardian, 20.5.2008)

Bei der Neufassung des Gesetzes ging es um eine Grundsatzentscheidung.

In der Praxis wurden lesbische Paare und alleinstehende Frauen auch bisher häufig in Reproduktionskliniken behandelt. Die Konservativen hätten die Rechtslage von 1990 allerdings gern verschärft und verbindlich die Notwendigkeit festgelegt, dass ein Kind einen Vater oder ein männliches Rollenvorbild braucht. Die Labour-Partei und die Liberalen argumentierten, dies diskriminiere alleinstehende Frauen und Lesben und führe lediglich dazu, dass zum Vorzeigen vor der Behandlung irgendein Mann mitgebracht werde. Auch wurde angeführt, dass eine Erneuerung der strikten Regelungen lesbische und alleinstehende Frauen in die Situation brächte, auf eigene Faust Sperma aufzutreiben, das nicht den strengen Untersuchungen in Reproduktionskliniken unterzogen wäre.  

In Großbritannien wachsen drei Millionen Kinder in heterosexuellen Ein-Eltern-Familien auf, 90 Prozent von ihnen bei ihren Müttern. Scheidungsraten in heterosexuellen Familien sind exorbitant. Die Anzahl Kinder, die durch In-vitro-Fertilisation von lesbischen oder alleinstehenden Frauen geboren werden, ist dagegen verschwindend gering.

Links und Quellen: