Im Vergleich zu heterosexuellen Männern sind homosexuelle Männer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Sie haben weniger Möglichkeiten voranzukommen und Karriere zu machen. Homosexuelle Frauen jedoch stellen sich besser als heterosexuelle Frauen, zeigt eine schwedische Untersuchung.

Zusammen mit Professor Ali Ahmed und ihrem Kollegen Mats Hammerstedt hat Lina Andersson von der Linné-Universität im schwedischen Växjö untersucht, ob Homosexuelle die gleichen Chancen wie Heterosexuelle haben, im Arbeitsleben voranzukommen. Auf der Datenbasis der schwedischen Statistikbehörde hat das Forschungsteam Daten über Eheschließungen und eingetragene Partnerschaften zwischen Menschen zwischen 25 und 64 Jahren genutzt. Im Zentrum der Untersuchung standen die jeweiligen Berufe.

Insgesamt wurden die Daten knapp einer Million heterosexueller und 2.000 homosexueller Menschen aus Schweden ausgewertet.

Berufswahl Ursache für ungleiche Bezahlung?

Das Ergebnis ist – grob zusammengefasst – dass homosexuelle Frauen häufiger als heterosexuelle Frauen in Berufen zu finden sind, die einen höheren Bildungsgrad erfordern. Bei homosexuellen Männern ist das umgekehrt.

Eine Erklärungsmöglichkeit ist, dass homosexuelle Männer über die gleichen Mechanismen stolpern und an die gleiche gläserne Decke stoßen wie heterosexuelle Frauen und dass sie deshalb nicht vorankommen,

sagt Mats Hammerstedt.

Er glaubt, dass es sich zu einem gewissen Teil um Diskriminierungsmechanismen der Arbeitgeber handeln kann. Darüber hinaus hält er es für möglich, dass Männer, die mit Männern leben, andere Prioritäten im Leben setzen als Heterosexuelle.

Möglicherweise sind sie nicht im gleichen Maße auf ihre Karriere fokussiert. Homosexuelle Frauen dagegen sind mehr auf ihre Karriere fokussiert als heterosexuelle Frauen.

Nach Hammarstedt weisen alle Untersuchungen darauf hin, dass nur homosexuelle Männer im Berufsleben stärker diskriminiert werden. Frühere Studien hätten ergeben, dass sie weniger verdienen ans Heterosexuelle – ein Unterschied, der sich zwischen homo- und heterosexuellen Frauen nicht findet.

Es kann eine Frage der Einstellung sein. Homosexualität zwischen Frauen könnte gesellschaftlich akzeptierter sein als zwischen Männern. Weil Männer im Berufsleben Macht ausüben, ist der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, dass es sich um Homophobie handeln könnte.

Die Untersuchung macht auch deutlich, dass homosexuelle Männer in den Männerdomänen des Verarbeitenden Gewerbes und des Baugewerbes unterrepräsentiert sind. Im Dienstleistungs- und Gesundheitsbereich sind sie dagegen häufiger vertreten als heterosexuelle Männer. Zwischen heterosexuellen und homosexuellen Frauen dagegen ergaben sich so gut wie keine Unterschiede bezüglich der Berufsfelder in denen sie tätig sind.

Homosexualität hilft nicht gegen „Gender Pay Gap“

Gleichwohl bleiben zwischen den Gruppen der Männer und der Frauen – unabhängig von der sexuellen Orientierung – große Einkommensunterschiede bestehen. Homosexualität wäre also, selbst bei größter Mühe, kein brauchbarer Weg aus der Entgeltungleichheit.

Die Forschungen der Linné Universität decken mittlerweile ein gutes Spektrum des gleichgeschlechtlichen Alltags ab.
Eine Feldstudie, die Lina Andersson in ihrer Dissertation vorstellt, befasst sich mit der Normalität auf dem Wohnungsmarkt. Untersucht wurde, ob lesbische Paare größere Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt haben als Heterosexuelle – eine unterschiedliche Behandlung durch die Vermieter konnte jedoch nicht festgestellt werden.

In einem der nächsten Projekte wird der Arbeitsmarkt erneut unter die Lupe genommen. Dann soll festgestellt werden, ob es Unterschiede im Einstellungsverhalten gibt, ob also Homosexuelle gegenüber Heterosexuellen bei der Arbeitssuche benachteiligt sind.

Der Mythos vom rosa Geld

Lina Andersson hat sich in ihrer Dissertation 2009 mit der ökonomischen Situation von Menschen mit Migrationshintergrund und von homosexuellen Menschen befasst.

Das Team um Professor Ali Ahmed hat veröffentlichte bereits 2009 eine Untersuchung, nach der das „rosa Geld“, also die besondere Kaufkraft schwuler Männer, ein moderner Mythos ist. Auch in diesem Forschungsprojekt wurde deutlich, dass es zwischen schwulen Männern und heterosexuellen Männern erhebliche Einkommensunterschiede gibt – die sowohl auf Diskriminierung am Arbeitsmarkt zurückgeführt werden können als auch auf unterschiedliche Prioritäten schwuler und heterosexueller Männer, beispielsweise eine andere Wertigkeit von Privatleben oder andere Präferenzen in Bezug auf die gewählten Berufe.

Für lesbische Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Frauen ließ sich auch damals eine vergleichbare Differenz nicht feststellen, möglicherweise aus denselben Gründen wie bei den Männern.

Lila Datenstrom

Auch bei den schwedischen Untersuchungen wird deutlich, dass nicht wirklich zählt wer nicht gezählt wird. Die Forscherinnen und Forscher der Linné Universitet haben nämlich keineswegs die ökonomische Situation von Lesben und Schwulen untersucht, denn die sexuelle Identität oder Orientierung wird nicht statistisch erfasst, ebenso wenig wie in Deutschland. Erfasst wird dort wie hier der Familienstand. Daher konnten nur diejenigen Lesben und Schwulen berücksichtigt werden, die verpartnert oder – nach neuem Recht – verheiratet sind. Auch in Schweden Lesben und Schwule seltener offiziell verpartnert oder verheiratet als Heterosexuelle; die Datengrundlage ist also schräg.

In den USA kämpfen große Bürgerrechtsverbände darum, dass die sexuelle Orientierung bei Volkszählungen verlässlich mit erhoben wird. Sie erwarten davon Erkenntnisse, die sich beim Kampf gegen Diskrimierung nutzen lassen.

Hintergrund

Das Zentrum für Arbeitsmarktforschung der schwedischen Linnéuniversität CAFO (Centrum för arbetsmarknadspolitisk forskning) mischt sich regelmäßig in gesellschaftliche Debatten ein und bewertet ihre Auswirkungen auf wirtschaftliche Entwicklungen und Trends.

Die CAFO Forschungsteams werden regelmäßig von Regierungsstellen zu Rate gezogen, wenn es um die Bewertung gesellschaftlich relevanter Fragen geht.

Dabei ist das Team um Professor Ali Ahmed, dem Mats Hammarstedt und Lina Andersson angehören, in hohem Maße kompetent für Diskrimierungsforschung am Arbeitmarkt – das betrifft die Lebenssituation homosexueller Menschen ebenso wie die von Migrantinnen und Migranten oder die von Menschen, die anderen Religionen angehören als der schwedischen protestantischen Mehrheit. Angefangen hatte CAFO in den 1970er Jahren mit der Evaluierung von Sozialpolitik.

Links und Quellen

  • Lina Andersson: Essays on economic outcomes of immigrants and homosexuals, Acta Wexionensia No 187/2009, Växjö University Press, 2009
  • Hans Lundgren: Homosexuella kvinnor oftare chef, Du och jobbet, 30. März 2010
  • Linnéuniversitet: Arbetsmarknadsforskning i världsklass, linneuniversitetet.se, 11. Februar 2010
  • Erik Hegelund : Rosa pengar en myt, rfsu.de, 5.6.2009