Zur ILGA Weltkonferenz 2012 in Schweden traf QX-Autorin Maria Makar die Aktivistin Mariam Armisen aus Burkina Faso. Mariam hat eine der ersten afrikanischen Organisationen für lesbische Frauen und Jugendlichen gegründet – und sagt, es gibt in Afrika weitaus schlechtere Orte für Lesben, Schwule und Transidente als Burkina Faso. Dennoch steht eine behördliche Erlaubnis für ihre Organisation auch nach eineinhalb Jahren Wartezeit immer noch aus.

Wären nicht die Wahlen in diesem Jahr eine gute Gelegenheit gewesen, öffentlich darauf aufmerksam zu machen?

„Wenn wir das täten, hätten Politiker einen Krieg gegen uns anfangen können und Homosexualität zum Wahlkampfthema machen. Es gibt Parteien, die das tun, wenn sie nichts anderes zu bieten haben.“

Wie ist es, als LGBTQ Person in Burkina Faso zu leben?

„Es gibt kein Gesetz gegen Homosexualität, im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern. Aber Frau zu sein ist in Afrika hart. Lesbisch zu sein ist noch härter. Das ist eine doppelte Diskrimimierung.“

In vielen afrikanischen Staaten kann die Polizei Menschen verhaften, weil sie lesbisch, schwul oder transident sind oder „homosexuelle Handlungen ausführen“. In Burkina Faso ist das nach Mariams Einschätzung nicht so. Dort ist die Polizei auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger:

„Ein Freund aus einer meiner Organisationen wurde misshandelt nachdem jemand entdeckt hatte, dass er Mitglied einer „homosexuellen Gruppe“ auf Facebook war. Nachdem die Polizei benachrichtigt wurde, erschien sie sofort und half dem Opfer. Wäre dass in einem anderen afrikanischen Staat passiert, hätte er stattdessen verhaftet werden können.“

Warum eine Organisation für Lesben und Jugendliche?

„Viele Menschen in Afrika sagen, Homosexualität kann Jugendlichen schaden, so dass sie wie wir werden. Aber als junger Mensch braucht man Unterstützung. Man versucht die eigene Identität zu finden und die Sexualität herauszufinden. Es gibt Organisationen, die HIV Prävention anbieten für Männer, die Sex mit Männern haben. Aber wo sind diejenigen, die für Frauen arbeiten?“

Deine Organisation gibt auch eine Zeitung heraus. Warum ist das wichtig?

„Die afrikanischen Medien stellen Homosexualität heraus und präsentieren sie immer negativ. Wir wollen gute, talentierte und kreative Menschen präsentieren.“

Wie ist es für dich, in Burkina Faso zu leben?

„Wenn man den Menschen mit Respekt begegnet, reagieren sie in der Regel auf gleiche Weise. Allgemein gesagt. Obwohl sie meine Art zu leben nicht immer akzeptieren. Aber mir macht es nichts aus, was Leute sagen, mit denen meine Eltern oder ich nicht so engen Kontakt haben. Ich muss mein eigenes Leben leben.“

Was treibt dich an?

„Dass jedes Individuum sie oder er selbst sein und nach den eigenen Zielen streben kann.“

Links und Quellen:

  • Vielen herzlichen Dank an Maria Makar für die Genehmigung, das Interview aus dem Schwedischen zu übersetzen und für L-talk zu verwenden!
  • ”Att vara lesbisk och kvinna är dubbel diskriminering”, Maria Makar im Gespräch mit Mariam Armisen, qx.se, 10.12.2012
  • Autorin / Interviewerin Maria Makar bei facebook
  • Bei Wikipedia findet sich ein kritischer Blick auf die Menschenrechte in Burkina Faso, insbesondere in Hinblick auf Homosexualität
  • Beiträge über Lesben in Südafrika und Lesben in Uganda bei L-talk