Bei feministing.com hat Miriam heute nochmal die spannende Frage aufgeworfen, wann eine sich als queer und wann als lesbisch bezeichnet.

Sie tritt dafür ein, queer zu verwenden: Weil der Begriff ein relativ umfassender, unspezifischer ist und weil er eine ganze Reihe Menschen nicht ausschließt. Queer, so schreibt sie, macht keine so klare Aussage über deine Geschlechterrollenidentität (sie schrieb gender) und über die Geschlechterrollenidentität der Person mit der du zusammen bist.

Ich verwende meistens lesbisch, weil es für mich – auch – ein stolzer politischer Kampfbegriff ist – einer, den Feministinnen meiner Generation als solchen kennen und schätzen, unabhängig davon, ob sie selbst mit Frauen leben. Eine frauenpolitisch sehr aktive nicht lesbische – aber durchaus queere – Freundin schrieb mir gerade eine Mail, sie müsse mich unbedingt treffen:

„Ich hab schon soooooo lange nix von Dir gehört und heute gleich 3 x das L Wort in die Mikros geredet. Wann hast Du Zeit, wie geht es Dir, wann sehen wir uns mal?“

Ob das auch passiert wäre, wenn wir damals queer statt lesbisch gewesen wären? Mal ausprobieren:

„Feminismus ist die Theorie, Queerness die Praxis! (???)

Hmmm. Wer weiß, ob das auch so gut funktioniert hätte. Die wunderbare subversive Aneignung des Begriffs lesbisch weit über eine sexuelle Orientierung hinaus, die Dekonstruktion des Lesbischseins bevor Dekonstruktion in wurde hatte schon was Queeres.

Außerdem verwende ich lesbisch, weil und wenn ich klarmachen will, dass ich mich als Frau identifiziere, meine Freundin sich auch, meine Freundin mich und ich sie und dass wir zusammen sind. Andere sollen uns als Frauenpaar sehen und wir wollen dass sie uns so wahrnehmen.

Obwohl ich mich, ganz für mich, eher queer fühle.

Und du? Lesbisch, queer oder noch was anderes? Was ist deine Definition?

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Links und Quellen:

  • Miriam: What’s the difference between lesbian and queer?, feministing.com, 16.6.2010