1995, bei der Weltfrauenkonferenz in Peking, spielten Lesben eine wichtige Rolle. In den Abschlussdokumenten kam sexuelle Orientierung jedoch nicht vor. Homophobie stand auch damals der Solidarität unter Frauen im Weg.

Feministische Homophobie in Israel war bereits 1987 der Anlass zur Gründung von CLAF, der Community of Lesbian Feminists. Die Bedürfnisse von Lesben wurden damals in der feministischen Bewegung vollständig ignoriert, obwohl Lesben – wie überall auf der Welt – beim Kampf um Frauenrechte und Menschenrechte immer in vorderster Reihe gestanden haben.

Bei der Weltfrauenkonferenz in Peking unterstützte die offizielle Delegation die Einbeziehung sexueller Orientierung. Seitdem hat CLAF, als einzige große lesbische Organisation in Israel, das Establishment immer wieder mit Forderungen für Rechte lesbischer Frauen herausgefordert; Themen waren unter anderem die Situation lesbischer Mütter, Kinder von Lesben und andere. 
CLAF ist der einzige explizit lesbische Interessenverband im gesamten Mittleren Osten. 

Karen Gutermans Vision – lesbisch-feministische Praxis

Karen Guterman war 17, als sie ihren Eltern sagte, dass sie lesbisch ist. Die Nachricht kam nicht sehr gut an; die Eltern warfen sie hinaus. Sie zog mit ihrer Partnerin zusammen, warf die Schule hin und fing sich erst wieder nach ihrer Armeezeit. Es gab keine Beratungsstellen, an die sie sich hätte wenden können. Heute wäre das anders. Karen Guterman ist langjährige Geschäftsführerin von CLAF.     

Am Anfang ihrer Geschichte war CLAF eine radikale lesbisch-feministische Organisation mit primär politischer Ausrichtung. Frauen kämpften für die Rechte von Schwulen und Lesben in Israel. Mit der Zeit kamen soziale Projekte hinzu, Beratungsaktivitäten und ethnische Schwerpunkte hinzu.

Ich hatte eine andere Vision. Ich wollte, dass Frauen sich jederzeit an CLAF wenden können, und eine rein politische Gruppe kann das nicht leisten.

sagt Guterman (jweekly.com, 2002)
CLAF unterhält in Tel Aviv ein Zentrum. Mit 2.000 Mitfrauen ist sie die größte der lesbischen oder schwulen Organisationen in Israel.

Marcia Freedman – feministische Lesbe im Parlament

marcia_freedmanEine Schlüsselrolle in der israelischen Lesbenbewegung nimmt auch Marcia Freedman ein.

Sie immigrierte 1967, knapp 30jährig, nach Israel und war eine der Mitbegründerinnen der israelischen Frauenbewegung. 1973 war sie Mit-Initiatorin eines Zusammenschlusses von Bürgerrechtsbewegung und Frauenbewegung und zog über die Liste der „Ratz“ in das israelische Parlament Knesset ein.

1977 gehörte sie zu den Gründerinnen des ersten israelischen Frauenhauses. Ihre Botschaft ist: Du kannst pro-Israel und pro-Palästina gleichzeitig sein, anti-Besetzung und anti-Terrorismus. 1981 kehrte Marcia Freedman in die USA zurück.

Michal Eden erkämpfte den Weg in die Beamtenlaufbahn

Michal Eden, geboren 1969, wurde 1998 in den Stadtrat von Tel Aviv gewählt und gehörte zu jenen, die für Homosexuelle den Weg in die Beamtenlaufbahn ebneten. Sie ist die erste gewählte Beamtin, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekannt hat.

Michal Eden wurde in Herzliya bei Tel Aviv geboren und setzte sich früh für Menschenrechte sowie politische und soziale Angelegenheiten ein, vor allem für die Förderung der Belange von Schwulen und Lesben. Mit Beginn ihres Militärdienstes zog Eden mit ihrer Familie nach Tel Aviv. Als sie sich mit 20 Jahren gegenüber ihrer Familie outete, sagte sich diese von ihr los.

Sie arbeitete ehrenamtlich für die Israelische Vereinigung von Schwulen, Lesben und Transsexuellen (auf Hebräisch: die Aguda), Israels größte Vereinigung dieser Art – und die einzige, die landesweit aktiv ist; bei der CLAF – Community of Lesbian Feminists –  und in einem Krisenzentrum für Opfer sexueller Übergriffe.

2002 gründete Michal Eden Beit Dror (auf Hebräisch „Haus der Freiheit“), einen Zufluchtsort für schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren, die wegen ihrer sexuellen Orientierung von ihren Familien ausgestoßen wurden. Gegenwärtig ist sie als Rechtsanwältin tätig.

 

Aktivistin Lizzy the Lezzy schließt mit einem humoristischen Einblick in das schwule und lesbische Israel ab:

 

Links und Quellen:

  • Haya Shalom: Lesbians organize in Israel, Off Our Backs, Nov. 1996,
  • Marcia Freedman bei Wikipedia
  • Matt & Andrej Koymasky: Biography Marcia Freedmann (last updated 16.6.2004), andrejkoymansky.com  
  • 60 Jahre Israel: Die Rechte von Schwulen und Lesben in Israel, haGalil.com
  • Laura Kam: Rechte von Schwulen und Lesben in Israel, The Israel Project, 30.4.2008
  • Laura Kam: Barrieren überwinden: Lesben und Schwule als Symbole der Freiheit in Israel, The Israel Project, 8.5.2008
  • Gay politicians keep power in Israeli elections, 31.10.2003, Advocate.com
  • Alexandra J. Wall: Lesbian group in Israel struggles to survive, leaders say in S.F., Jweekly.com, 2.8.2002
  • Lizzy the Lezzy