Oberst Cammermeyer, die höchstrangige Militärangehörige, die jemals wegen ihrer sexuellen Orientierung von der  US-Armee entlassen wurde, sprach am 26. Mai 2010 in der Talkshow „Lundon Calling“ über die letzten Neuigkeiten um die Zulassung von Lesben und Schwulen zu den Streitkräften. In diesem Interview spricht Cammermeyer über ihre eigene Geschichte, über die Geschichte von Lesben und Schwulen in der Armee und über die neue Politik in Obama-Zeiten. Es ist ein großartiges, langes, ergreifendes Gespräch und es lohnt sich unbedingt, die 10 Minuten Vorspann auszuhalten.

Margarethe „Grethe“ Cammermeyer ist eine der Vorkämpferinnen für das Recht, als offen lesbische Frau in der US Armee Grethe Cammermeyer, Bild: Advocate.comzu dienen. Sie entdeckte nach langer Ehe und mit vier Kindern, dass sie lesbisch ist. Als die Armeeführung davon erfuhr, weigerte Cammermeyer sich nach einem dramatischen Selbstfindungsprozess, ihr lesbisches Leben zu verleugnen.

Sie wurde 1992, 50jährig, deshalb unehrenhaft entlassen. Sie zog vor Gericht und gewann schließlich. 1994 wurde ihre unehrenhafte Entlassung und das damals geltende Verbot von lesbischen Frauen und schwulen Männern für verfassungswidrig erklärt; Cammermeyer kehrte danach bis zu ihrer Pensionierung zur Nationalgarde zurück.

Die Geschichte von Margarethe Cammermeyer wurde mit einer grandiosen Glenn Close in der Hauptrolle verfilmt: Serving in Silence.

Unzählige Schwule, Lesben und Bisexuelle sind bei den US-Streitkräften und werden künftig bei den US-Streikräften sein – die Frage ist nur: Dürfen sie offen schwul, lesbisch oder bisexuell sein oder dürfen sie es nicht?

Die Nachrichtenlage um Don’t Ask Don’t Tell erweckt den Eindruck, als könnten Lesben und Schwule demnächst offen in den US-Streitkräften dienen. Ganz so einfach ist ist das aber nicht.

Don’t Ask Don’t Tell auf dem Prüfstand

Die Öffnung des Militärs für Lesben und Schwule und die Abschaffung von Don’t Ask Don’t Tell gehört zu den Wahlversprechen der Obama-Regierung. Und wie nicht anders zu erwarten, gibt es große Widerstände: Teile des Militärs und die allgegenwärtige Rechte befürchten Wehrkraftzersetzung oder Schlimmeres und schüren Ängste in der Bevölkerung. Die Regierung braucht die Unterstützung von Senat und Repräsentantenhaus und vor allem volle Rückendeckung der Streitkräfte-Führung, damit es nicht – wie zuletzt bei DADT – zu einem gegenteiligen Effekt kommen soll.

Am 27. Mai hat der Streitkräfte-Ausschuss mit 16 zu 12 Stimmen die Aufhebung von Don’t Ask Don’t Tell beschlossen. Im Anschluss sprach sich auch das Repräsentatenhaus für die Aufhebung aus.

Tatsächlich kann es aber noch Jahre dauern, bis Lesben und Schwule offen in den US-Streitkräften dienen können, denn zunächst wird eine Studie des Verteidigungsministeriums abgewartet. Auch muss der gesamte Senat noch abstimmen … und der Kompromiss, der nötig war, um allein bis hierhin zu kommen, sieht vor, dass das Tempo der Aufhebung vom Pentagon bestimmt wird. Die Mehrheiten jedenfalls sind ziemlich wackelig.

Kate Kendell, Leiterin des National Center for Lesbian Rights, zeigt sich ebenfalls noch zurückhaltend:

„Die heutigen Abstimmungen imKate Kendell, National Center for Lesbian Rights Streitkräfte-Ausschuss des Senats und im Repräsentantenhaus sind entscheidende erste Schritte für die Abschaffung von Don’t Ask Don’t Tell, einem fehlgeschlagenen und unmoralischen Gesetz das unsere nationale Sicherheit untergräbt. (…)
Der Kompromiss bleibt weit hinter einer sofortigen vollständigen Aufhebung zurück. Wer hoffen, dass es zu einer vollen Aufhebung kommt, noch ist es zu früh, das Ende dieses schrecklichen und beschämenden Gesetzes zu feiern. Die Entlassungen müssen aufhören.“

Die Vorgeschichte

Die Don’t Ask, Don’t Tell (DADT) Politik geht zurück auf das Jahr 1992, in dem Präsidentschafts-Kandidat Bill Clinton versprach, Schwulen und Lesben den Zugang zum Militär zu ermöglichen.  Am 29. Januar 2003, kurz nach seiner Amtseinführung, gab Präsident Clinton seine Absicht bekannt, das damals geltende Verbot für Lesben und Schwule aufzuheben. Er stieß auf erheblichen Widerstand, mit darauf folgenden monatelangen Debatten und Anhörungen, die in dem berühmt-berüchtigten Don’t Ask, Don’t Tell (DADT) endeten.

DADT bedeutet, dass das Militär nicht nach der sexuellen Orientierung aktiver und zukünftiger Angehöriger der Streitkräfte fragt. Es bedeutet auch, dass lesbische Frauen und schwule Männer in den Streitkräften dienen dürfen, solange sie sich nicht outen, eine Person gleichen Geschlechts heiraten oder sich homosexuell Verhalten. Angehörige der Streitkräfte, von denen sich herausstellt, dass sie lesbisch oder schwul sind, werden entlassen.

Mehr als 16 Jahre danach hat sich die pseudo-vernünftige DADT Politik längst als Diskriminierunginstrument etabliert. War sie ursprünglich gedacht, um Lesben und Schwulen den Zugang zum Militiär zu ermöglichen, wurden über die Jahre mehr als 13.000 schwule, lesbische, bisexuelle und heterosexuelle (!) Angehörige der Streitkräfte auf Grundlage der Vorschrift entlassen – übrigens in Relation zu ihrem Anteil an den Streitkräften weit überproportional viele Frauen. Die DADT Vorschrift wurde grotesk (mis)interpretiert und immer wieder zu Lasten von Schwulen und Lesben ausgelegt.

Rachel Maddow fasst die ganze Geschichte in ihrer Sendung nochmal zusammen und stellt die wichtigsten Personen und ihre Auffassung vor:

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Links und Quellen:

  • Servicemembers United, das größte Netzwerk schwuler und und lesbischer US-Militärangehöriger, Veteranen und ihrer UnterstüzterInnen, servicemembersunited.org
  • Homepage von Margarethe „Grethe“ Cammermeyer, cammermeyer.com
  • Ace Lundon, Lance Helms und Phil Reese: Lundon Calling, Gespräch mit Grethe Cammermeyer, 73nd Show 05/26/10 – Season Two, lundon-calling.net
  • National Center for Lesbian Rights, nclrights.org