Dieser Artikel erschien zuerst im Lesbenring-Info Februar/März 2012 mit dem Schwerpunktthema: „Kommunikatives Lesbenland“

Als die Redaktion des Lesbenringinfos mich als Fachfrau zu „Lesben kommunizieren im Internet“ anfragte, einen Beitrag zum Thema zu schreiben, war ich – ehrlich gesagt – verwundert. Ausgerechnet ich?! Wo doch ausgerechnet ich explizit nicht kommuniziere – zumindest nicht in beide Richtungen 😉

Wer ich bin

Als Betreiberin des größten deutschen Informationsportals „Konnys Lesbenseiten / www.lesben.org“ mit ca. 100.000 Besucherinnen im Monat schreibe und veröffentliche ich Neuigkeiten, Termine, Kurznachrichten etc. ABER: Kommentieren dürfen die Nutzerinnen nicht, lesben.org ist kein Web 2.0 – Angebot.

Natürlich bekomme ich viele Infos –altmodisch per Mundpropaganda oder per Mail – von den Nutzerinnen, ich lese viele einschlägige Portale, Zeitschriften, Blogs, und ich habe gefühlte 100 Newsletter und RSS-Feeds abonniert, aber was veröffentlicht wird, entscheide alleine ich. Deswegen denke ich: ICH Fachfrau für Lesben-Kommunikation?! Never ever 😉

Und was ich mache

Dennoch kann ich paar meiner Erfahrungen schildern, die durchaus interessant sein könnten. Konnys Lesbenseiten gingen an Pfingsten 1998 online, die Domain lesben.org kam 2001 hinzu. Am Anfang waren 300 Besucherinnen pro Tag da und ich habe mühsam mit HTML versucht, die Seiten einigermaßen aktuell zu halten. Meine eigentliche Motivation, Konnys (ich heiße Konny – eine Abkürzung von Konstanze) Lesbenseiten zu machen, war, dass lesbe das im Internet finden sollte, was ich vermisst habe: Also: eine anständige Literaturliste, Adressen von Orten, an denen sich Lesben treffen und Informationen über lesbenrelevante politische Aktionen und Veränderungen. Und das bitte alles ohne unnötigen Schweinskram 😉

Und was die Nutzerinnen damit machen

Realiter ist es so, dass die meist abgerufene Seite die „Kontaktanzeigen“-Seite ist, der meistgelesene Artikel eine Rezension zu Pat Califias Sexbuch ist und der meisteingegebene Suchbegriff „lesarion“ ist 😉

Konny feat. Nutzerinnen

Das macht aber nichts. Denn die Interessen der Besucherinnen und der Macherin gehen nur scheinbar auseinander. Nach kurzer Zeit habe ich die Entscheidung getroffen, nur Dinge zu veröffentlichen, die mich interessieren. Mich nicht an den (vermeintlichen) Interessen meiner Besucherinnen zu orientieren, sondern ausschließlich an meinen Interessen. Das erklärt, warum der der Therapie- und Musikbereich nicht wirklich immer aktuell sind, der Filmbereich aber immer top ist! Und es garantiert eine große Authentizität: Konnys Lesbenseiten werden von einer Lesbe für Lesben gemacht, ich bin unabhängig, seriös und nicht käuflich. Das scheint letztendlich auch den 14jährigen Erfolg dieser Seiten auszumachen 😉 Und das freut mich natürlich sehr.

HTML goes CMS

Vor 3 Jahren habe ich von HTML auf ein CMS (Content Management System) umgestellt, Joomla, das heißt, dass vergangene Termine automatisch verschwinden, jede Seite als RSS-Feed abonniert werden kann und ich andere Feeds, wie z.B. L-talk.de oder den Pressespiegel des LSVD, problemlos einbinden kann. Die Seiten sind jetzt auf jeder Bildschirmgröße vom kleinen Smartphone bis zum riesigen 22-Zöller-Bildschirm gut zu lesen, der Terminkalender ist nach Stadt und Event sortierbar (und ausgesprochen gut bestückt) und eine Kooperation wie z.B. mit der ebenfalls unter Joomla entstandenen Lesbenring-Seite ist einfachst zu managen.

Lesben.org goes Web 2.0!?

Gleichzeitig mit der Umstellung auf ein CMS haben „Konnys Lesbenseiten“ sowohl einen Facebook- als auch einen Twitter-Account erhalten. Beides dient dazu, einzelne Beiträge zu posten und die Themenvielfalt auf lesben.org besser bekannt zu machen.

Und: auf Facebook kann endlich kommentiert werden!

Ziemlich schnell bekamen „Konnys Lesbenseiten“ auf Facebook sehr viele Freunde (Freundinnen natürlich, aber so weit ist Facebook noch nicht). Inzwischen sind es an die 3.000 (Stand März 2012). Natürlich kenne ich nur die wenigsten persönlich, aber ziemlich viele habe ich in meinem realen Leben schon einmal getroffen. Und ich dachte, oha, jetzt geht’s aber los! Aber nix da… Sobald ich einen Beitrag von lesben.org auf Facebook verlinke, gibt es 5 „Gefällt mir“s, schneller als die Erste die Überschrift gelesen haben kann. Eventuell folgen auch Kommentare. Diese sind meist ähnlich aussagekräftig wie der Klick auf den „Gefällt mir“-Button: „Coooool!“ ist dabei noch eines der längeren Wörter 😉 Und wirklich mitreißen tun nur die Herzthemen: Als nach der Aufhebung von DADT (Don’t Ask Don’t Tell) bei den amerikanischen Streitkräften eine Marinesoldatin bei ihrer Heimkehr am Kai innigst ihre dort wartende Freundin küsste, bekam dieser Artikel 49 „Gefällt mir“s, wurde 10 mal geteilt und zig-fach kommentiert. Politische Artikel wie die angestrebte Eheöffnung erhalten i.d.R. 5 „Gefällt mir“s, werden 2 mal geteilt und erhalten keine Kommentare. Aber auch hier gilt: Ich bleibe meiner eigenen Linie treu, poste das, was mich interessiert und informiere über das, was im lesbischen Leben passiert, auch im politisch lesbischen Leben 😉

Facebook ist nicht die wirkliche Welt. Das habe ich ziemlich schnell verstanden. Ich habe noch nie so viele Tier- und Babyphotos auf einmal wie auf Facebook gesehen. Und noch nie so viele Trennungen hautnah miterlebt. Auf der einen Seite finde ich es von meinen „Freunden“ mutig, sich mit „Konnys Lesbenseiten“ zu befreunden (das sehen dann auch die jeweiligen „Freunde“ meiner „Freundinnen“). Auf der anderen Seite war ich noch nie mit so vielen Alltäglichkeiten konfrontiert: Vom bevorstehenden Kuchenbacken über „Schule geschwänzt“ und „Eltern ätzend“ wird alles mitgeteilt, was das Herz bewegt. Einer lesbischen Tratsch- und Klatschzeitung bedarf es auf jeden Fall jetzt nicht mehr 😉

Lesben kommunizieren also. Aber anders als gedacht. Und anders als erwartet. Und das finde ich ja schon wieder gut! 😉

Links und Quellen: