Lesben online

Die meisten nutzen das Netz („Internet“) vermutlich, um sich im Web Infos zu suchen, Audios zu hören, Videos zu gucken, zum Mailen, zur Erwerbsarbeit, um einzukaufen, sich die Zeit zu vertreiben. Wo immer wir etwas tun, wofür wir nichts in Geld bezahlen, verschenken wir vermutlich unsere Daten an Unternehmen, die unsere Daten sortieren, umsortieren, neu verknüpfen und meistens an andere weitergeben. Das ist das „Geschäftsmodell“ bei vielen derjenigen Firmen, deren „Services“ wir in Anspruch nehmen, wenn wir im Netz unterwegs sind. Meistens wissen wir nicht, womit und wofür wir da „bezahlen“.

Selbst wenn wir kein Formular ausgefüllt haben, kann es sein, dass die Nummer unseres Rechners („Computers“) genutzt wird – und was sonst noch alles. Spätestens, wenn wir uns über sogenannten Spam in der Mailbox wundern, haben wir was begriffen.

Und was wir „im Internet“ alles nicht sehen, nämlich deshalb, weil Suchmaschinen „voreingestellt“ wurden oder weil unsere Provider meinen, sie wüssten, was für uns gut ist, dieses Unsichtbare gehört zu denjenigen Aspekten, die u.a. das Thema „Netzneutralität“ ausmachen, für die es in der BRD noch kein Gesetz gibt, nebenan in den Niederlanden immerhin schon.

Lesben, die in ihrem Leben außerhalb des Netzes nicht „out“ sind, aber im Netz unverschlüsselt mailen, lesbische Suchanfragen machen oder – scheinbar „anonym“ – lesbische Seiten nutzen, brauchen sich über ihr offizielles Coming Out eigentlich jetzt keine Gedanken mehr zu machen – ich würde sagen: schon erledigt!

Empfehlenswertes dazu vom 29C3-Kongress

Ende Dezember 2012 fand in Hamburg der 29. „Chaos Communication Congress“ statt (29C3). Viele der Vorträge und Workshops befassen sich direkt mit netzpolitischen Themen, viele indirekt. Das Orga-Team sorgt dafür, dass viele Frauen als Speaker da sind. Allein schon die Vorträge mit Constanze Kurz, Sylvia Jonigk, Rena Tangens und Katharina Nocun sind sehr empfehlenswert (Video-Aufzeichnungen finden sich bei Youtube). Es gibt Gelegenheit zum Feedback direkt in der Programmübersicht bei den einzelnen Vorträgen unten rechts im grünen Kasten – hier können Lesben auch jetzt, nachträglich, ihre Einschätzungen kundtun und bitte seid bei Lob großzügig, vor allem für die starken Inhalte der Speakerinnen.

Die CCC-Kongresse sind berühmt, weil sie vom Chaos Computer Club e.V., CCC, mit Sitz in Hamburg, konzipiert und veranstaltet werden und sich der Club mit Bürgerrechten im digitalen Zeitalter befasst, und zwar seit mehreren Jahrzehnten (2012 war bereits der 29. Kongress). Der CCC ist durch seine breite Aufklärungsarbeit zum deutschen „Staatstrojaner“ weltweit bekannt geworden. Auch bei der Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zur „Antiterrordatei“ im Herbst 2012 war der CCC mit Expert*nnen geladen (Constanze Kurz und Frank Rieger) und hat bürgerrechtliche Positionen vertreten. Danke sehr.

Links und Quellen:

  • Wettbewerb des Bundesjustizministeriums (für Studierende), bis zum 15. März 2013: „Wirb für deine Grundrechte. Zeig kreativ, wie wichtig die Grundrechte für das Private in der digitalen Welt sind. Die Grundrechte schützen uns! Auch in der digitalen Welt. Jeder Mensch besitzt einen unveräußerlichen Kernbereich privater Lebensgestaltung und ein Recht auf Privatheit. Die Grundrechte garantieren uns ein Recht auf Privatsphäre und schützen vor staatlichen Eingriffen. Aber: Man muss seine Rechte aktiv wahrnehmen.“
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