Ellen DeGeneres, US-Fernseh-Talkerin mit Top-Einschaltquoten, ist seit ihrem Coming Out zur „netten Lesbe von nebenan“ geworden … angenehm für die heterosexuelle Hausfrau, die jedes Detail ihrer Hochzeit mit Portia de Rossi im Sommer vergangenen Jahres aufsaugt ebenso wie für politisch aktive Lesben, die auf lesbische Identifikationsfiguren schauen.

Ellen DeGeneres ist so eine für alle. Sie ist tough, sie hat eine mainstream-gängige Sendung, sie ist ohne jeden Zweifel offen lesbisch und sie greift in ihrer Show auch mal sehr parteilich Themen auf, die für Lesben wichtig sind. Sie ist Sympathieträgerin.

Letztes Jahr hat sie einen Werbevertrag für Covergirl Kosmetik unterschrieben. Klar, sie ist nicht die erste offen lesbisch lebende Berühmtheit, der das gelungen ist – allen voran Jenny Shimizu mit Calvin Klein. Auch Ellen Degeneres hat es ins Kosmetik-Geschäft verschlagen:

Das ist ein Werbespot mit einer Lesbe, gar keine Frage, aber ist es deswegen ein lesbischer Werbespot? Und in welche Richtung wirkt er: Gewinnt er Lesben als Kundinnen für die Covergirl-Kosmetik oder macht er Lesben noch etwas sichtbarer und normaler? Und falls er Lesben als Kundinnen ansprechen sollte: Warum würde das funktionieren?

Anders: Macht der Nebenjob von Ellen DeGeneres Kosmetik für Lesben attraktiver oder macht er Lesben für heterosexuellen Mainstream attraktiver?

Bei dem Levis-Spot, von dem hier auch schon die Rede war, ging es um eine Handlung mit schwulem Subtext. Bei der Werbung mit Ellen DeGeneres ist von Lesbischem keine Spur – was nicht bedeutet, dass er nicht irgendwie lesbisch wirkt, wenn die Betrachterin nur lesbisch genug hinschaut.

Dazu liegt der Gedanke an Lea DeLaria nahe, die neben vielen anderen klugen Dingen auch mal gesagt hat, dass sie sich nicht (nur) wie eine Lesbe fühlt, wenn sie mit einer Frau schläft. Sie fühlt sich wie eine Lesbe, wenn sie atmet. Und Ellen DeGeneres fühlt sich vielleicht wie eine Lesbe, wenn sie MakeUp aufträgt. Auf jeden Fall fühlt sie sich wie eine Kosmetik-Werbeträgerin, wenn sie showmastert: Der Werbevertrag wurde im September 2008 in ihrer Ellen DeGeneres Show vorgestellt und spielt dort immer mal wieder eine Rolle: Wenn sie Kundinnen-Anfragen beantwortet und vor laufender Kamera versucht, ein MakeUp-Döschen zu öffnen beispielsweise.

Kaufen Lesben deswegen Covergirl-Kosmetik?

Nun ist die potenzielle ökonomische Macht von Lesben nicht zu unterschätzen; wer schon mal eine Mitbewohnerin hatte, die allmorgendlich diese sündteuren falschrumdrehenden Joghurts in sich hineinschüttete, weiß das.

Wenig Erkenntnisse gibt es jedoch darüber, auf welche Art von Werbung Lesben anspringen: Ob es eher eine Firmenpolitik ist, die Lesben bewusst födert und strikt gegen jede Art von Diskriminierung vorgeht wie bei Pepsi Cola und anderen Mega-Konzernen, ob es eher themenbezogene Werbung ist wie bei Heiratsmessen oder bei Themenschwerpunkten in Magazinen oder ob es eben lesbische Identifikationsfiguren als Werbeträgerinnen sind, die den Unterschied zwischen einem Getränk und einem KuLtgetränk machen oder den Unterschied zwischen irgendeinem Lippenstift und einem L‚ippenstift.

Das Lesbische im Spannungsfeld zwischen Sexualität und Ökonomie, das wär nochmal ein schönes Thema.