Das neue L-MAG ist diese Woche gekommen – und mir war vieles so fremd, dass ich ganz glücklich war 🙂

Ganz spannend ist immer wieder das Thema „Lesben und Beruf“ – wohl, weil ich es schwieriger finde, Leute dazu zu bringen, Lesben überhaupt wahrzunehmen als gegen mögliche Diskriminierungsversuche vorzugehen. Zum diskriminiert werden müsste eine ja erstmal sichtbar sein, und meine Erfahrung ist: Du kannst so out sein wie du willst … das interessiert nicht wirklich irgendwen. Es sei denn, du gehst allen Leuten pausenlos mit L-Themen auf die Nerven und redest über nix anderes mehr.

L-MAG Autorin Gudrun Fertig sieht das anders:

Auch der Redaktionsalltag bie L-MAG zeigt: Lesbische Frauen zu finden, die sich offen zu ihrem Berufsleben interviewen lassen, ist eine Herausforderung. Ein besonders schwieriges Unterfangen ist dies bei Lehrerinnen, doch auch in anderen Berufen herrscht blanke Angst. Im Einzelfall ist diese Vorsicht vielleicht zu verstehen, insgesamt ist sie jedoch bedrückend. Die „Stunde der Lesben“ ist defininitv noch nicht angebrochen.

Quelle: L-MAG Mai/Juni 2008, S. 30

Also sagte ich zu einer Freundin: Warum haben die nicht uns gefragt? Ich könnte ad hoc einige Lesben in interessanten Jobs nennen, die voll dabei wären, kein Problem. Blanke Angst haben da höchstens die anderen.
Sagte meine Freundin: Die wollen aber keine in unserem Alter, die wollen welche zwischen 20 und 30!

Das habe ich verstanden … und ich habe auch verstanden, was das für eine ungeheure Unabhängigkeit mit sich bringt, zu irgendwas nicht mehr gewollt zu werden. Wenn mal andere die Kämpfe ausfechten müssen, wenn jüngere Frauen sich mit Diskriminierung auseinandersetzen und wenn es ganz andere Themen sind, die im Mittelfeld stehen, dann macht das ja vor allem frei.

Frei, um beispielsweise zu kritisieren, dass L-MAG auch nicht mehr besser recherchiert wird als EMMA (die dieses Mal titeln „Sexsucht online. Erstmals redet ein Mann über seine Abhängigkeit) und viel schlechter als Brigitte – die übrigens eine gute Liebe-unter dem-Regenbogen Rubrik in ihrem Forum haben. Eine, die sich richtig gut eignet für all die Frauen, die sich irgendwann mal überlegen, ob sie vielleicht lesbisch sind oder doch nicht. Oder die lesbisch sind, aber mal sagen wollen, dass sie es ganz anders sind als andere. Oder die irgend etwas wissen wollen.

Alter jedenfalls (und für 25jährige ist über 40 alt!) macht, scheint’s, ziemlich frei. Das hat Doris Lessing auch immer gesagt, und letztes Jahr hat sie den Literatur-Nobelpreis gewonnen. Geht doch.