Lesbische Jugendliche haben ein hohes Risiko, schwanger zu werden – bis zu siebenmal höher als ihre heterosexuellen Mitschülerinnen, meldet die Zeitung The Vancouver Sun mit Bezug auf eine Studie über Jugendliche in British Columbia, Kanada. Die überraschenden Ergebnisse wurden im „Canadian Journal of Human Sexuality“ veröffentlicht. Die der Studie zu Grunde liegenden Daten stammen aus den Jahren 1992, 1998 und 2003; sie wurden im Rahmen von Jugendgesundheits-Surveys an Schulen in British Columbia erhoben.

Erklärt wird das erhöhte Risiko mit zahlreichen Faktoren, darunter auch das Bestreben versteckt lebender schwuler, lesbischer und bisexueller Jugendlicher, Heterosexualität vorzutäuschen, um Schikanen und Diskriminierung aus dem Weg zu gehen.

„Für einige schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche ist es Tarnung, weil es immer noch stigmatisiert ist und sie immer noch eine Menge Schikane in der Schule erleben,“

sagte Elisabeth Saewyk, leitende Autorin der Studie.

„Eines der Probleme besteht darin, dass obwohl die Zahl der Teenagerschwangerschaften zurückgeht und obwohl riskante sexuelle Praktiken in allen Gruppen zurückgehen, schwule, lesbische und bisexuellen Teenager immer noch weitaus höhere Raten aufweisen als heterosexuelle.

Es gibt immer noch einen Unterschied. Für uns ist es Grund zur Sorge, dass dort immer noch eine Differenz zwischen heterosexuellen Teenagern einerseits und schwulen, lesbischen und bisexuellen Teenagern auf der anderen Seite ist.“

Die Befragungen, die unter 30.000 Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 12 durchgeführt wurden, ergaben auch, dass Jungen häufiger eine Schwangerschaft verursachen, wenn sie sich als schwul oder bisexuell identifizieren.

In der Befragung von 1998 gaben 10,6% der Mädchen, die sich als bisexuell bezeichneten, eine Schwangerschaft an. Bei den lesbischen Mädchen waren es 7,3% und bei den heterosexuellen 1,8%. Natürlich ist die absolute Zahl der Teenagerschwangerschaften bei heterosexuellen Mädchen höher, aber die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft war bei lesbischen und bisexuellen Mädchen deutlich erhöht. Sie machten insgesamt nur 3,5% der befragten Mädchen aus.

Die Untersuchungsergebnisse ergaben keine fassbaren Erklärungen für das erhöhte Risiko von Schwangerschaften bei schwulen, lesbischen und bisexuellen Jugendlichen. Jedoch sind, so Saewyc, mehrere Erklärungen möglich. Teenager, die sich ihrer sexuellen Orientierung nicht sicher sind, experimentieren häufig mit heterosexuellem Sex, sagte sie. In einigen Fällen dürften Mädchen es darauf anlegen, schwanger zu werden, um sich eine neue Familie oder eine neue Identität zu schaffen:

Einige Menschen sehnen sich nach einer Identität, der mehr Respekt und Achtung engegengebracht wird. Und was ist in unserer Gesellschaft geachteter als Vaterschaft oder Mutterschaft? Es gibt sogar Feiertage für sie. Selbst wenn Teenagereltern per se nicht so hoch angesehen und nicht so respektiert sind, ist es in manchen Zusammenhängern eine positivere Identität als schwul, lesbisch oder bisexuell zu sein.

Links und Quellen:

Amy O’Brian: Lesbian youth at high risk for pregnancy, The Vancouver Sun, 17. Dezember 2008

Gay, lesbian, bisexual teens face high pregnancy risk, C.TV, 16. Dezember 2008

Study: Lesbian teens at higher pregnancy risk, 365gay.com, 17. Dezember 2008