Vor zwei Jahren, am 3. August 2009, berichteten wir über einen Übergriff auf Bar Noar, das einzige Jugendzentrum für lesbische, schwule, bisexuelle, trans und queer Jugendliche in Tel Aviv: Gedenken an Liz Trobishi und Nir Katz. Es gab viele Verletzte; ein Berater und eine Jugendliche wurden getötet.

Das Ereignis war auch der Auftakt zu unserer Israel-Reihe hier bei L-talk.

Jetzt scheint es so, als könne das Zentrum seine Finanzierung nicht mehr sicherstellen, berichtet die israelische Zeitung Haaretz in ihrer Online-Ausgabe. 60 bis 80 Jugendliche aus ganz Israel haben das Jugendzentrum Samstagabends genutzt, um sich zu treffen und um Unterstützung beim Coming Out zu finden. Obwohl fast die gesamte Arbeit ehrenamtlich geleistet wird, ist eine Finanzierung nicht auf die Beine zu stellen, Spendengelder gibt es kaum.Darüber hinaus wird das Zentrum in den letzten Monaten immer wieder Ziel von Vandalismus, berichtet der Leiter des Zentrums, Shaul Ganon, der Zeitung Haaretz.

Für die Beraterin Mor Rosen, die das Zentrum schon als 14jährige Jugendliche kennenlernte, ist die drohende Schließung eine Katastrophe:

„Bar Noar ist wie ein zweites Zuhause. Ich bin hier aufgewachsen. Ich kenne die Situation der Kinder. Bisher hingen wir von großartigen Menschen ab, von Privatpersonen, die ihre Herzen und ihre Geldbörsen geöffnet und für uns gespendet haben. Davon haben wir praktisch gelebt. Aber es reicht jetzt leider nicht mehr.“

„Seit dem Anschlag wurden wir ein Wallfahrtsort, an dem jungen Menschen aufmerksames Ohr, Liebe und Unterstützung gewährt wurde. Wir gaben ihren einen beschützten, sicheren Raum, das schließt auch emotionalen Schutz ein.“

Mor Rosen hofft, dass nun lokale oder nationale Behörden die Schließung des Zentrums verhindern.

Erst vor wenigen Monaten hatte eine Delegation aus Berlin und Köln Tel Aviv besucht, darunter auch eine Partei übergreifende Delegation des Berliner Abgeordntenhauses. MANEO hatte die Reise organisiert, als Gegenbesuch einer Einladung vom Vorjahr, in dem Überlebende des Anschlags Berlin besucht hatten. Die Delegation war unter anderem von der stellvertretenden Bürgermeisterin Tel Avivs, Meital Lehavi, und der Ratsvorsitzenden des Tel Aviver Stadtrates, Yael Dayan, begrüßt worden.

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