Jill Johnston (Foto: jilljohnston.com)Jill Johnston begann ihre Karriere als Tanz Kritikerin. Seit den späten 1950ern war Jill Johnston als Literarin und Kolumnistin eine der herausragenden Chronistinnen des gesellschaftlichen Wandels in den USA. In den späten 1960ern entwickelte sie den typischen Johnston-Stil, geprägt von Dada ebenso wie von Gertrude Stein und avancierte mit ihrer wöchentlichen Kolumne in der revolutionären Zeitschrift Village Voice zur Meinungführerin. Sie wurde eine der bekanntesten Stimmen der Zweiten Frauenbewegung, sie war die erste prominente Lesbe, die ihre sexuelle Orientierung in den Massenmedien outete und sie war eine gefeierte Autorin.

Am 30. März 1973 veröffentlichte sie mit Lesbian Nation einen Schlüsseltext der lesbisch-feministischen Bewegung. Die Essays markieren die Abkehr von einer gemeinsamen lesbisch-schwulen Bewegung und skizzieren einen Weg lesbisch-feministischen Seperatismus‘.

Jill Johnston: Lesben Nation, mein zerfleddertes Exemplar In sprachlich grauenhafter, aber dafür sehr ambitionierter deutscher Übersetzung erschien Lesbian Nation unter dem Titel Lesben Nation. Die feministische Lösung 1976 beim Amazonen Frauenverlag in Berlin. Das Buch bezieht sich, wie die meisten seiner Zeit, zunächst noch sehr stark auf Männer, und sei es, um sich von ihnen zu distanzieren. Bahn brechend war die Lösung von der Männerwelt und die Orientierung auf eine Frauenzukunft, die Lesbennation. Es war ein Meilenstein, auch für das erwachende Selbstbewusstsein feministischer Lesben in Europa. Die Zeit war reif. Wir wollten Sätze lesen wie diese:

„Eine kleine aber wichtige Zahl von zornigen und historisch bewußten Frauen begreift die Frauenrevolution im visionären Sinn als Ende der verhängnisvollen Brüderlichkeit und Rückkehr zur vergangenen Herrlichkeit und weisen Ausgewogenheit der Matriarchate. Wir wissen nicht, wie das genau stattfinden wird, noch kennen wir die Art der sich daraus ergebenden neuen gesellschaftlichen Struktur, wir wissen, daß es geschehen wird und daß der Entwicklungsprozeß in diese Richtung nun unwiderruflich angelaufen ist. Von größter Bedetung in diesem Prozeß ist, daß die moderne Frau ihre Mythologie zurückgewinnt als Maßstab für Theorie, Bewußtsein und Handeln.“
(Lesben Nation, S. 205)

Kate Millet:

„Lesbian Nation is the most important book to come out of the women’s movement.“

Es war das erste von vielen Büchern, die den Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein ebneten, die lesbische Identitäten zu einem zentralen Bestandteil der neuen Frauenbewegung werden ließen und  wilde, unabhängige, freie Frauen in einer selbstbestimmten Zukunft überhaupt erst denkbar machten. Lesben Nation markierte den Anfang von einem möglichen, besseren Morgen.

Über Lesben Nation hinaus ist das Werk Johnstons in Deutschland wenig bekannt.

Jill Johnston starb am 18. September 2010 im Alter von 81 Jahren. Sie hinterlässt ihre Ehefrau Ingrid Nyeboe, mit der sie 30 Jahre zusammen war, zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.

Links und Quellen:

  • Website von Jill Johnston, jilljohnston.com
    (auch Foto sowie Kate Millet-Zitat)
  • Jill Johnston: Lesben Nation. Die feministische Lösung, Amazonen Frauenverlag, Berlin 2. Auflage 1977
  • Nachweis der Erstveröffentlichung von Lesbian Nation (Datum): Brooklyn Museum