Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und auch die bisweilen nostalgisch verklärten „Goldenen Zwanziger“ hatten ihre Schattenseiten, lassen längst nicht jede, die sie erlebt hat, auf „die gute alte Zeit“ zurückblicken. Wer also eine betagte Lesbe „von früher“ erzählen lässt, sollte sich nicht zu sehr auf Bohème, Charleston und Salons einstellen…

Enddreißigerin Valerie, Autorin und gerade im Begriff, ihr drittes Buch zu schreiben, wird unversehens zur Freundin und Biografin einer 95jährigen Altenheimbewohnerin, die Angestellte und Besucherinnen unverblümt daraufhin abklopft, ob diese sich wohl zu Frauen hingezogen fühlen. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Luise selbst sich nie offen zu ihrem Lesbischsein bekannt hat. Für sie ist das Zusammenleben mit einer geliebten Frau „eine wundervolle Vorstellung“, die niemals Wirklichkeit wurde; Valerie dagegen hat nach der letzten Trennung kein Interesse mehr an Verbindlichkeit, will sich nicht mehr ernsthaft verlieben. Ob sie von dieser Entscheidung vielleicht doch noch abrückt, interessiert Luise brennend – und so fragen sich die beiden Frauen gegenseitig über das Leben aus…                      
Valerie bringt mit Prosecco und Pointer Sisters Abwechslung ins Seniorendomizil, Luise lässt sie in zurückliegende Jahrzehnte eintauchen, berichtet von hauswirtschaftlichem Dienst auf einem Gut und erster großer – unglücklicher – Liebe, ihrer Tätigkeit als Krankenschwester und auch davon, wie sie als Tochter eines Kolonialwarenhändlers die Zeit zwischen kleinem grünen Kaktus und großem braunen Spuk erlebt hat…

„Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an“ – diesen Titel trägt neben einer alten Schellackplatte auch der neue Roman von Veneda Mühlenbrink. Und mit genau diesem Nebeneinander von alt und neu, von früher und heute punktet dieses Buch, das lebendig und bewegend nicht nur eine interessante Geschichte, sondern zugleich auch ein Stück Vergangenheit präsentiert, das die allermeisten Leserinnen selbst nicht miterlebt haben und das in der Regel auch aus völlig anderer Perspektive heraus dargestellt wird. Zudem wartet es mit „zeitlos aktuellen“ Fragen auf und wirft wie nebenbei auch einen ungeschönten Blick auf manche Facetten des Alters, die sonst gerne einmal ausgeblendet werden.
Aber selbstverständlich regt der Roman nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lesen an!

Irgendwo auf der Welt fängt mein Himmel an
Roman von Veneda Mühlenbrink
Ulrike Helmer Verlag, 2010

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