Ja, wir werden verstanden. Frauen wie Lee Lynch, Nel Ward und Sue Hardesty, Herausgeberinnen von the butch cook book wissen, wie wir sind und was wir brauchen.

Schüchtern sind wir. Deshalb würden wir uns auch nicht mit Lobpreisungen unserer (zugegeben manchmal ganz brauchbaren) Kochkünste in den Vordergrund drängen. Eher würden wir vom Rand unserer Sportsocken bis unter unsere coolen Kurzhaarschnitte knallrot anlaufen und etwas von „bin ’ne Niete am Herd“ murmeln.

Also fragten Lynch, Ward und Hardesty andere Lesben nach den Rezepten ihrer Liebsten, ihrer Ex, einer Freundin oder der alten lesbischen Tante. Und es kam einiges zusammen. Wir können’s nämlich doch.    

Vorab: Dieses Kochbuch handelt von echter Butch-Küchenkunst. Und das heißt, wir brauchen jede Menge Aufmunterung. Deshalb sind an passenden Stellen kleine, Identität stärkende Episoden eingebaut. Apropos eingebaut … auch die Küchenutensilien sind den Herausforderungen angepasst, und selbst so femmige Leckereien wie Chocolate Chip Cookies (mit Vollmilchschoki) schaffen es über den Butch-Küchentresen, wenn die Chips per Spielzeuglaster kommen. Verstanden?

Na ja – mal im Ernst: Nur Schranklesben verstecken ihre Doppelaxt. Echte Butches nehmen sie zum Tomaten schneiden. Echte Butches tun noch viel mehr. So hat Val McDermid „Food Bites“ beigesteuert. Die bewundernswerte Folkmusikerin Tret Fure („Tomboy Girl“) war gleich mit vier Gerichten dabei (von Brokkoli mit Pilzen bis Spinat mit Pilzen, so ungefähr) und Größen der lesbischen Szene wie „Daddy“ Rhon Drinkwater (butch-femme.com), Romanautorin Radclyff oder Bear Bergman, die gerade ein neues Buch zu Butch-Identität veröffentlicht hat, taten das Ihre. Kult-Comedian Kate Clinton schließlich rührt mit ihrem Popcorn mit Fett aus der Sprühdose (gelingt immer!) an die absoluten Butch-Wurzeln.

Was noch? Es gibt zahlreiche ganz gute und einige herausragende Rezepte, neben anderen zielführenden Hinweisen auch eine Illustration zum fachgerechten Zerteilen von Geflügel mit der elektrischen Säge und viele, viele gute Tipps wie:

„Wenn du planlos bist, spiel am besten gleich die Butchkarte aus.“
(Letterwolf)

oder:

„Grundregel: Alles mit 175 Grad backen.“
(Garbo)

Ja, ziemlich viel Fleisch für lesbische Verhältnisse, aber das ist wohl eine Frage der Gender-Identität.

Bestellt werden muss das schöne Werk leider (noch) in den USA. Aber es lohnt sich: Um Cate Culpepper zu zitieren:

„Ich kann nicht glauben, dass ich ausgerechnet als kochende Butch unsterblich werde.“

Cate: Glaub es. So wird es sein.

Mehr? www.thebutchcookbook.com

Lee Lynch, Nel Ward, Sue Hardesty (ed): The Butch Cook Book, TRP Cookbooks, 2008, ISBN 0-9792701-0-3, $18,95