Vor einiger Zeit, am 1. Juni 2008, ging es hier bei L-talk um „Sehen und übersehen werden – CSD im Spiegel deutscher Bildredakteure„.

Ärger ohne Aktion lohnt nicht,
fanden einige unermüdliche Lesben, und ersannen folgendes Schreiben, das gern und jederzeit kopiert werden darf:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 20. Juli 2008 findet die „Demoparade“ zum diesjährigen Christopher Street Day in Frankfurt statt.

Das Motto lautet in diesem Jahr „Noch immer nicht gleichberechtigt!“. Und in der Tat – es gibt einiges zu tun, angefangen bei der Situation der Regenbogenfamilien bis hin zur Gleichstellung am Arbeitsplatz. Ihre Zeitung hatte über diese Themen bereits berichtet und darüber haben wir uns sehr gefreut.

Lesbische Frauen betrifft zusätzlich ein weiterer Mangel an Gleichheit – der Zugang zu öffentlicher Wahrnehmung. Noch immer kommen hauptsächlich schwule Männer vor, wenn in Medien über den Christopher Street Day berichtet wird. Tatsache ist: Viele lesbische Frauen nehmen an den Paraden und den Festen teil, wir sind bei Organisation und Durchführung beteiligt, wir präsentieren uns und unsere Lebensweise, wir kommen aus politischen Gründen oder um die Gemeinsamkeit mit anderen zu genießen – kurz: wir sind da.

Ebenso wie in der heterosexuellen Welt gibt es viel Gleiches und viele Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Was Berichterstattung über den Christopher Street Day betrifft, ist es oft das Schillernde, das Extrovertierte einiger männlicher Akteure, das Journalistinnen und Journalisten anzieht. Wir Frauen sind dabei und wir wünschen uns, mit unseren Weisen der Selbstdarstellung ebenso wahrgenommen zu werden. Die Vielfalt unserer Lebensweisen, die wir mit dem Christopher Street Day, mit der Demoparade und mit dem Straßenfest zum Ausdruck bringen, geht weit über die Präsentation glitzernder Kostüme hinaus.

Wir wünschen uns sehr, dass in Ihrer Zeitung lesbische Frauen vorkommen, wenn Sie über den Christopher Street Day berichten. Wir sind Teil der Vielfalt unserer Stadt und das sollte anderen Bürgerinnen und Bürgern, egal ob heterosexuell oder homosexuell, auch berichtet werden.

Wenn Sie Fragen haben, wenn Sie Hinweise zu Interviewpartnerinnen wünschen oder wenn wir sonst irgendwie behilflich sein könnten: Wir stehen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen

Ob nun der Brief dazu beigetragen hat oder ob die Frankfurter Rundschau ganz aus sich heraus gleichberechtigter berichtet:
Morgen, 17. Juli, werden insgesamt vier Artikel in Vorbereitung auf den CSD erscheinen

… und Lesben kommen vor!

In dem Hauptartikel „Schön schrill und dabei ganz normal“ von Friederike Tinnappel geht es um Mercedes Rodriguez Garcia-Gutierrez von den Wirtschaftsweibern, um die pensionierte Pädagogin Eva von Blanc und um LSVD-Mann Ralf Harth. Es geht im Gespräch um den „Fluch der Normalität“ und um ganz normale Themen – solche, die auch uns hier bei L-forum beschäftigen:

[ZITAT Frankfurter Rundschau, 17.7.2008]
Homosexuell sein bedeutet, „im Widerspruch zur Mehrheit zu stehen“, sagt Ralf Harth. „Da knacken die jungen Schwulen noch dran.“ Und natürlich gibt es sie noch, die Angst, erkannt und stigmatisiert zu werden, ergänzt Rodriguez. „Wir sind eine Minderheit, aber wir sind sehr viele“, meint von Blanc. Die Wirtschaftsweiber, die auf dem Christopher Street Day auftreten, seien „alle geoutet“. Die Spanierin wohnt in
Frankfurt-Bornheim. Sie vermisst „die Solidarität der anderen Frauen. Die stärksten Frauen in der Frauenbewegung waren auch Lesben.“

Weiterhin gibt es einen Artikel von Kristiane Schengbier über eine Regenbogenfamilie, und zwar über eine männliche: „Zwei Papas für Vladi„.
Georg Leppert steuert einen Artikel bei: „Frankfurter Polizisten knüpfen Kontakte ins Milieu„. Vorgestellt wird eine Polizistin, Stefanie Glaum. Sie wird ab September die Ermittlungsgruppe von Kriminalhauptkommissar Horst Heinemann zu Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verstärken .
Und schließlich kommt noch ein Beitrag von Kathrin AnhäuserSportler gegen Homophobie. Vereine präsentieren sich in der Stadtbücherei„. Sie berichtet über den lesbischen und über den schwulen Sportverein in Frankfurt. Zu Wort kommen sowohl Tanja Walther, ehemalige Spitzenfußballerin bei Turbine Potsdam, als auch Ralf Rappl, Ex FVV-Spieler.

Einige andere Lesben übrigens haben einen
Lesbenblock für den Frankfurter CSD
organisiert – und er steht sehr prominent gleich vorn auf der Website http://www.csd-frankfurt.de/:

Selbstbewusst und vielfältig: Lesben auf dem CSD 2008 in Frankfurt

Zum ersten Mal gibt es während der DemoParade einen Lesbenblock! Artemis Sport Frankfurt hat gemeinsam mit Anne Breick und Trommlerinnen einen großen Wagen zur CSD-Parade organisiert und lädt alle Interessierten ein, sich dieser Formation von Paradewagen und Fußgruppe anzuschließen. Dieser Platz ist ultra-prominent und nicht zu übersehen.
Kommt zahlreich und geht mit!

Jede Lesbe ist herzlich willkommen.
Treffpunkt am Tag der Parade:Sa., 19.7.08 ab 11 Uhr an der Paulskirche, Eingang Braubachstraße. Los geht’s um 12 Uhr.

Die Initiative zum gemeinsamen Lesbenblock ist hervorgegangen aus der Veranstaltungsreihe »Dialog der Generationen« des LIBS – Lesben Informations und Beratungsstelle Frankfurt.
Wir freuen uns auf Lesben aller Generationen.

Auch diese Initiative darf gern kopiert werden.