Dass Alice Schwarzer als Vorbild von jeher höchstens diejenigen beeindrucken kann, die sich weit außerhalb ihres Eruptionsbereichs befinden, ist nicht neu.
Ganz neu ist dagegen dieses Niveau:

Die EMMA-Redaktion gibt bekannt, dass sie die Phase der Einarbeitung von Lisa Ortgies in die Chefredaktion nach zwei Monaten beendet.
Zu unserem Bedauern eignet sich die Kollegin – die wir als Autorin weiterhin sehr schätzen und gerne als redaktionelle Mitarbeiterin mit Standort Hamburg gewonnen hätten – nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin.
Dies hätten wir selbstverständlich lieber intern und kollegial geregelt, reagieren jedoch hiermit auf den für uns unerwarteten und überraschenden gestrigen Schritt von Frau Ortgies in die Öffentlichkeit.
Im Interesse von Lisa Ortgies wird es hierzu keine weitere Stellungnahme von EMMA geben.
Alice Schwarzer
Köln, 30. Mai 2008
Quelle: http://www.emma.de/presse.html

Unglaublich, oder? Frau Ortgies hatte nichts weiter getan, als am Vortag auf Nachfrage (!) mitzuteilen, dass sie zu Ende Juni 2008 EMMA verlässt. EMMA hatte ihr offensichtlich angeboten, statt als Chefredakteurin künftig als „redaktionelle Mitarbeiterin“ tätig zu sein.

Was sagen die Kolleginnen dazu? Hier erste Positionen:

Ein öffentliches Urteil, das mit den üblichen Verschwiegenheitsgepflogenheiten in Arbeitsverhältnissen schlecht zu vereinbaren sein dürfte“ schreibt Heide Oestreich in der taz:

So richtig verwundern mag die Schnellscheidung nach der Kurzehe Ortgies / Schwarzer nicht. Mitte Dezember 2007 hatte Schwarzer die Nachfolgeregelung in einer Talkshow bekannt gegeben – ohne Rücksicht auf Ortgies, die sich aus familiären Gründen vorerst Schweigen über die Personalie erbeten hatte. Vor diesem Hintergrund klang etwas bedrohlich, dass Schwarzer zugleich ankündigte, „selbstverständlich“ weiter als „Inspirateurin und Autorin“ präsent zu bleiben.
http://www.taz.de/nc/1/leben/medien/artikel/1/schwarzer-ekelt-emma-chefin-raus

Mareen Linnertz stellt in der Frankfurter Rundschau fest:

Das ist ein böses Nachtreten, vor allem wenn man um die Gepflogenheiten der Branche weiß, in der selbst nach fiesen internen Streitereien und echten Entlassungen nach außen hin doch häufig noch von einer „einvernehmlichen Trennung“ die Rede ist.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/magazin/?em_cnt=1342897

Wer Freundinnen wie die EMMA-Herausgeberin hat, braucht keine Feinde mehr, gleich welchen Geschlechts. Selbst wenn das alles wäre, was der Feminismus der zweiten Frauenbewegung erreicht hat – es wäre wenigstens ein echter Schritt weg vom ewig langweiligen Männer-Feindbild. Zumal die Männer in den nächsten Tagen gar keine Zeit haben dürften, so richtig böse zu sein. Sie werden damit beschäftigt sein, sich über die phänomenale Fähigkeit von Frauen zu wundern, in den eigenen Reihen zu holzen.